Politik

Umfrage-Hammer: Rente mit 63 soll bleiben

Rente mit 63 vor dem Aus? Der Vorstoß der Regierung sorgt für heftigen Widerstand – und trifft einen wunden Punkt.

09.08.2026, 00:10 Uhr

Mehrheit gegen Aus für die „Rente mit 63“

Eine klare Mehrheit in Deutschland lehnt laut einer aktuellen Umfrage die Abschaffung der sogenannten „Rente mit 63“ ab. In der Erhebung des Instituts Insa für die „Bild am Sonntag“ sprachen sich 68 Prozent dagegen aus, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren zu streichen. 24 Prozent befürworteten diesen Schritt, 8 Prozent machten keine Angabe.

Die Befragung zeigt außerdem, dass die Regelung für viele Menschen eine direkte Rolle spielt: 56 Prozent gaben an, die Möglichkeit eines vorgezogenen Renteneintritts selbst nutzen zu wollen oder bereits genutzt zu haben. 32 Prozent verneinten das, 12 Prozent äußerten sich nicht.

Die Abschaffung der „Rente mit 63“ – die derzeit tatsächlich erst ab 64,5 Jahren greift – ist Teil eines größeren Rentenkonzepts. Dieses soll nach dem Willen der Spitzen von Schwarz-Rot vollständig umgesetzt werden.

Skepsis auch bei Sozialabgaben auf Minijobs

Zurückhaltend bewerten die Bürgerinnen und Bürger laut Umfrage auch die geplante Einführung von Sozialabgaben auf Minijobs. 61 Prozent sind dagegen, 30 Prozent dafür. 9 Prozent machten dazu keine Angaben.

Mit der Rentenpolitik der Bundesregierung zeigt sich insgesamt eine große Mehrheit unzufrieden: 77 Prozent äußerten Unmut, nur 16 Prozent sind zufrieden.

Für die Umfrage befragte Insa am 6. und 7. August 2026 insgesamt 1.005 repräsentativ ausgewählte Personen.

Gewerkschaften fordern Kurswechsel

Aus den Gewerkschaften kommt deutliche Kritik an den Plänen der Bundesregierung. Verdi-Chef Frank Werneke sagte der Zeitung, es sei positiv, dass immer mehr Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten erkannten, dass die Empfehlung der Rentenkommission zur Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren falsch sei.

Nach seinen Worten missachtet das Vorhaben die Lebensleistung vieler Beschäftigter. Christiane Benner, Vorsitzende der IG Metall, bezeichnete die Regelung als gerecht. Wer daran zweifle, solle sich die Arbeitsbedingungen etwa am Hochofen, in einer Werft oder in der Schichtarbeit am Band anschauen.

Auch Anja Piel aus dem DGB-Bundesvorstand betonte, wer früh eine Ausbildung begonnen und fast ein halbes Jahrhundert gearbeitet habe, dürfe am Ende des Berufslebens nicht weiter belastet werden, sondern habe Anspruch auf eine gute Rente ohne Abschläge. Robert Feiger, Chef der IG Bauen-Agrar-Umwelt, erklärte ebenfalls, wer 45 Jahre gearbeitet und eingezahlt habe, habe sich einen abschlagsfreien Renteneintritt verdient.

Connemann: Am Kompromiss soll nicht gerüttelt werden

Die CDU-Politikerin Gitta Connemann, Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, machte hingegen deutlich, dass die Union an den Reformplänen festhalten will. Das Rentenpaket sei kein „Buffet“, bei dem man sich nur die angenehmen Teile herausnehmen könne, sagte sie der „Bild am Sonntag“. Der Kompromiss sei mühsam erarbeitet worden. Wenn er nun Stück für Stück aufgelöst werde, drohe am Ende das Scheitern der gesamten Reform – mit Folgen für alle Generationen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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