Politik

Alarm in Lettland: Nato-Jets holen Drohne

Schon wieder Alarm über Lettland: Ein fremdes Flugobjekt drang in den Luftraum ein – dann holten Nato-Jets es vom Himmel.

08.06.2026, 09:51 Uhr

Nato-Kampfjets haben über Lettland eine Drohne abgeschossen, nachdem diese in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Mitglieds eingedrungen war. Nach Angaben der lettischen Streitkräfte und der französischen Luftwaffe holten französische Rafale-Kampfjets das Flugobjekt vom Himmel.

Die lettische Armee erklärte, es habe sich um ein ausländisches Flugobjekt gehandelt, das infolge „russischer elektromagnetischer Kriegsführung“ in den lettischen Luftraum geraten sei. Weitere Angaben zu Herkunft oder Typ der Drohne wurden zunächst nicht gemacht.

Abschuss im Osten Lettlands

Der Abschuss erfolgte nach Angaben des lettischen Militärs um 10:05 Uhr Ortszeit über der Gemeinde Berzgale nahe Rezekne im Osten des Landes. Das sagte Brigadegeneral Kaspars Zdanovskis bei einer Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Raivis Melnis.

Der genaue Absturzort war zunächst weiter unklar. Hinweise auf Verletzte oder größere Schäden gab es laut Behörden vorerst nicht. Die Suche nach Trümmerteilen lief zunächst weiter. Anwohner berichteten dem lettischen Rundfunk, dass Kampfjets mehrfach über das Gebiet geflogen seien und später eine laute Explosion zu hören gewesen sei.

Zuvor hatten die Behörden in mehreren Regionen im Osten Lettlands vor einer möglichen Gefahr aus der Luft gewarnt. In zwei Gebieten wurde die Bevölkerung sogar aufgefordert, Schutz aufzusuchen. Nach dem Abschuss der Drohne wurde der Alarm wieder aufgehoben. Auch eine kurz darauf ausgegebene weitere Warnung vor einer möglichen Bedrohung wurde später zurückgenommen.

Regierungschef dankt Armee und Nato

Lettlands Regierungschef Andris Kulbergs dankte der lettischen Armee und den Nato-Verbündeten für ihren Einsatz. Dank schneller Entscheidungen und professionellen Handelns sei eine nach Lettland eingeflogene Drohne erstmals erfolgreich abgeschossen worden, schrieb er auf X.

Bei einem Treffen mit seinem estnischen Amtskollegen Kristen Michal in Tallinn sagte Kulbergs zudem, die Nato-Luftraumüberwachung funktioniere. Zugleich räumten beide Regierungschefs ein, dass der Einsatz von Kampfjets zur Abwehr von Drohnen teuer und auf Dauer nicht nachhaltig sei. Lettland will deshalb bei der Drohnenabwehr künftig auch auf die Unterstützung ukrainischer Experten setzen, die nach Angaben von Kulbergs in den kommenden Wochen in Riga eintreffen sollen.

Bereits am 19. Mai hatten Nato-Kampfjets über dem benachbarten Estland eine Drohne vom Himmel geholt. Estland, Lettland und Litauen verfügen nicht über eigene Kampfjets. Den Schutz des baltischen Luftraums übernimmt deshalb seit 2004 die Nato. Dazu verlegen die Verbündeten im regelmäßigen Wechsel Kampfflugzeuge und Personal in die baltischen Staaten. Die nun eingesetzten französischen Rafale-Jets sind auf dem Militärflugplatz Siauliai in Litauen stationiert.

Erneute Drohnenzwischenfälle

Seit Beginn des Ukraine-Krieges ist es in Lettland bereits mehrfach zu Vorfällen mit Drohnen gekommen. Bei ukrainischen Angriffen auf Ziele im Nordwesten Russlands waren wiederholt fehlgeleitete unbemannte Fluggeräte in den lettischen Luftraum geraten und dort abgestürzt.

Größere Schäden oder Verletzte wurden dabei bislang nicht gemeldet. Dennoch sorgten die Zwischenfälle in Lettland für erhebliche politische Spannungen, lösten eine Regierungskrise aus und trugen schließlich zu einem Regierungswechsel bei. Das neue Kabinett unter Kulbergs ist erst seit wenigen Tagen im Amt; die Reise nach Estland war sein erster Auslandsbesuch.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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