Politik

Italiens Außenminister schlägt Hacker-Alarm

Darknet-Schock um Italiens Außenminister: Hacker leaken Familiendaten – und haben noch weitere Prominente im Visier.

07.11.2026, 19:39 Uhr

Tajani meldet Hackerangriffe und Veröffentlichung privater Daten

Italiens Außenminister Antonio Tajani hat nach eigenen Angaben seit Tagen mit Cyberangriffen zu tun. Dabei seien im Darknet sensible persönliche Informationen über ihn und seine Familie veröffentlicht worden. Auf der Plattform X schrieb Tajani, dadurch sehe er sich neuen Drohungen und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Auch seine Angehörigen würden einbezogen, zudem werde offenbar Geld für weitere Details über ihn und seine Familie geboten. Zugleich stellte er klar, dass er sich davon nicht einschüchtern lasse.

Tajani vermutet als Hintergrund der Angriffe die Unterstützung Italiens für die von Russland angegriffene Ukraine. Wer die Freiheit eines souveränen Staates verteidige und sich klar für Demokratie und Unabhängigkeit einsetze, werde für solche kriminellen Akteure zur Zielscheibe, erklärte er.

Bericht über Hackergruppe mit mutmaßlichen GRU-Verbindungen

Wie die italienische Zeitung Il Fatto Quotidiano berichtet, soll die Gruppe NoName057(16) hinter der Aktion stehen. Der Gruppe werden demnach Kontakte zum russischen Militärgeheimdienst GRU nachgesagt. Seit dem 26. Oktober biete sie angeblich Geld für Passwörter, Wohnadressen, Lebensläufe, private Telefonnummern und weitere sensible Daten von insgesamt 18 Personen, die sie als Feinde Russlands betrachte.

Neben Tajani sollen auch der italienische Staatsanwalt Francesco Lo Voi, der Chef der Postpolizei Ivano Gabrielli sowie der Bürgermeister von Aviano, Paolo Tassan-Zanin, betroffen sein.

BKA: NoName057(16) ist eine prorussische Hackergruppe

Nach Angaben des Bundeskriminalamts aus dem Jahr 2025 handelt es sich bei NoName057(16) um eine prorussische Hackergruppe, die seit Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine im Februar 2022 öffentlich in Erscheinung getreten sei und Unterstützer rekrutiert habe. Diesen sei demnach eine Software zum Download angeboten worden, mit der sie unter Nutzung eigener Geräte an sogenannten DDoS-Angriffen teilnehmen konnten. Solche Attacken sollen Webseiten durch massenhafte Anfragen überlasten und zeitweise unerreichbar machen.

Im Juli 2025 zerschlug eine international koordinierte Polizei- und Justizoperation unter Führung des BKA und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main nach Behördenangaben die IT-Infrastruktur und das weltweite Botnetz der Gruppe. Aktiv blieb sie demnach dennoch.

Laut Ansa auch Deutsche und ein Österreicher im Visier

Nach Informationen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa sollen auch mehrere Personen aus Deutschland sowie ein Österreicher Ziel der Hackergruppe geworden sein. Genannt werden unter anderem ein Frankfurter Staatsanwalt, der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, ein deutscher Journalist sowie der österreichische Präsident der EU-Justizbehörde Eurojust, Michael Schmid. Eine unabhängige Bestätigung dieser Angaben gab es zunächst nicht.

Tajani betonte, seinen Kurs fortzusetzen. Er wolle weiter daran arbeiten, sein Ministerium und Italien zu schützen sowie die Zusammenarbeit mit den Verbündeten auszubauen, damit man sich gemeinsam besser gegen solche Bedrohungen wappnen könne.

Meloni spricht von prorussischen Hackern

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni stellte sich demonstrativ hinter Tajani und machte prorussische Hacker für die Vorfälle verantwortlich. In einer Mitteilung der Regierungspressestelle in Rom erklärte sie ihre volle Solidarität mit dem Vizepremierminister. Die Veröffentlichung persönlicher Daten im Darknet und die damit verbundenen Aktivitäten seien äußerst alarmierend und müssten mit aller Entschlossenheit bekämpft werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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