Merkel zeigt sich erschüttert über AfD-Ergebnis in Sachsen-Anhalt
Der starke Stimmenzuwachs der AfD in Sachsen-Anhalt hat Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel nach eigenen Worten tief bestürzt. Bei der Digitalmesse Digital X der Deutschen Telekom in Köln sprach die frühere CDU-Vorsitzende von einem "schockierenden" Ergebnis. Die CDU habe in dem Bundesland eine schwere Niederlage erlitten und nur noch etwa halb so viele Stimmen erhalten wie zuvor.
Für sie persönlich sei das besonders schmerzhaft, sagte Merkel. Als langjähriges CDU-Mitglied blute ihr dabei "das Herz". Zugleich wertete sie das Wahlergebnis als einen markanten Einschnitt in der politischen Entwicklung der Bundesrepublik.
Merkel fordert direkteren Kontakt zu den Menschen
Nach ihrer Einschätzung müssen demokratische Parteien neue Wege finden, um die Bevölkerung besser zu erreichen und politische Fortschritte verständlicher zu machen. Vor allem die persönliche und direkte Ansprache einzelner Bürgerinnen und Bürger habe heute wohl ein größeres Gewicht als früher. Parteien sollten deshalb viel intensiver den Austausch mit den Menschen suchen.
Sorge über schwindende Bedeutung von Fakten
Besorgt äußerte sich Merkel auch darüber, dass überprüfbare Tatsachen für viele Menschen offenbar an Bedeutung verlieren, während Gefühle stärker in den Vordergrund rücken. Als Beispiel verwies sie auf Sachsen-Anhalt, wo aus ihrer Sicht messbare Entwicklungen wie sinkende Arbeitslosigkeit und wachsender Wohlstand zu verzeichnen seien.
Dem stellte sie die Haltung gegenüber, dass solche Entwicklungen zwar stimmen mögen, von vielen aber nicht so empfunden würden. Genau darin sieht Merkel eine Gefahr. Es dürfe nicht dazu kommen, dass eine solche Sichtweise gesellschaftlich mehrheitsfähig werde.
Sie erinnerte daran, dass es ein zentraler Fortschritt der Aufklärung gewesen sei, sich in gesellschaftlichen Debatten auf gemeinsame Fakten zu verständigen. Wenn dagegen persönliche Gefühle über Tatsachen gestellt würden, wäre das aus ihrer Sicht ein Rückschritt für die demokratische Kultur und die Zivilisation insgesamt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber