Internationale Studierende und Promovierende leisten nach einer aktuellen Untersuchung einen erheblichen Beitrag zur deutschen Wirtschaft und entlasten den Staatshaushalt schneller als oft angenommen. Laut einer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) erstellten Studie übersteigen die von Absolventinnen und Absolventen gezahlten Steuern und Sozialabgaben bereits zwei Jahre nach dem Abschluss die staatlichen Leistungen, die sie zuvor erhalten haben – einschließlich der Kosten für ihre Studienplätze.
Als internationale Studierende gelten Personen, die eigens für ein Studium nach Deutschland kommen. Nach Berechnungen des IW stehen 45 Prozent eines internationalen Studienanfängerjahrgangs dem deutschen Arbeitsmarkt nach dem erfolgreichen Abschluss als qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung. Rund 34 Prozent bleiben demnach sogar bis zum Renteneintritt in Deutschland.
IW sieht Nutzen zusätzlicher Studienplätze
Für die Analyse wertete das IW Daten des Mikrozensus aus und untersuchte, wie viele internationale Absolventinnen und Absolventen bis zum Rentenalter im Land bleiben und welche wirtschaftlichen sowie fiskalischen Effekte daraus entstehen. Für die knapp 82.000 internationalen Studierenden mit Abschlussabsicht, die im Jahr 2023 ihr Studium in Deutschland aufgenommen haben, ergibt sich dem Gutachten zufolge über das gesamte Erwerbsleben hinweg eine rechnerische Wertschöpfung von rund 127 Milliarden Euro. Für die öffentlichen Haushalte errechnet die Studie langfristig einen Überschuss von 23,1 Milliarden Euro.
Der Autor des Gutachtens, Wido Geis-Thöne, bewertet die Ausgaben für die Ausbildung internationaler Studierender als lohnende Investition zur Sicherung von Fachkräften. Je mehr internationale Studierende für Deutschland gewonnen und dauerhaft gehalten würden, desto größer sei der wirtschaftliche Nutzen. Aus seiner Sicht sollte der Staat deshalb nicht nur bestehende Studienkapazitäten sichern, sondern auch zusätzliche Plätze schaffen.
DAAD betont Bedeutung guter Rahmenbedingungen
DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee erklärte, das neue IW-Gutachten unterstreiche erneut die große Bedeutung internationaler Studierender und Promovierender für die deutsche Wirtschaft. Wer weltweit Talente für Deutschland gewinnen wolle, müsse attraktive Lebens- und Studienbedingungen bieten. Ebenso wichtig sei eine echte Willkommenskultur, damit der Einstieg ins Studium, in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt erfolgreich gelinge.
Nach Angaben des DAAD waren im Wintersemester 2025/2026 rund 420.000 internationale Studierende und Promovierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Diese Zahl basiert auf einer Umfrage unter 212 Hochschulen. Zugleich beobachtet der DAAD im Ausland ein wachsendes Interesse an Deutschland als Studien- und Forschungsstandort.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber