Politik

Nach CDU-Debakel: Schulze zieht jetzt Konsequenzen

Showdown in der CDU Sachsen-Anhalt: Tritt Sven Schulze heute ab? Diese Namen kursieren schon als mögliche Nachfolger.

07.09.2026, 14:36 Uhr

Nach dem schweren Wahleinbruch der CDU in Sachsen-Anhalt steht die Landespartei vor einem personellen Neustart. Ministerpräsident und Noch-Landeschef Sven Schulze kündigte nach einer Sitzung des CDU-Landesvorstands in Magdeburg an, dass der Landesvorstand im Herbst neu gewählt werden soll. Als Termin nannte er Ende November oder Anfang Dezember.

Auf die Frage, ob er erneut für den CDU-Landesvorsitz kandidieren werde, machte Schulze deutlich, dass dies derzeit nicht sein Plan sei. Bereits zuvor hatte er Konsequenzen aus dem Wahlergebnis angekündigt. Er sei als Spitzenkandidat in die Landtagswahl gegangen und werde daraus nun entsprechende Schlüsse ziehen, sagte er. Zugleich stellte er klar, dass die CDU keinen Regierungsauftrag mehr habe und in die Opposition gehe. Der Auftrag zur Regierungsbildung liege nun bei der AfD.

CDU verliert massiv an Zustimmung

Schulze hatte die Christdemokraten als Spitzenkandidat in die Landtagswahl geführt. Die CDU stürzte dabei von 37,1 Prozent im Jahr 2021 auf 17,2 Prozent ab. Die Zahl der Abgeordneten im Landtag sank von 40 auf 15.

Schulze ist seit 2021 Landesvorsitzender der CDU Sachsen-Anhalt und war zuletzt im November 2025 auf einem Landesparteitag im Amt bestätigt worden. Nachdem sich der damalige Ministerpräsident Reiner Haseloff im Januar 2026 zurückgezogen hatte, übernahm der bisherige Wirtschaftsminister Schulze die Führung der Landesregierung.

Der CDU-Landesvorstand kam am Abend in Magdeburg zusammen. Innerhalb der Partei waren Forderungen nach einem umfassenden personellen Neuanfang bereits kurz nach der Wahl laut geworden. Schon am Wahlabend hatten die Landtagsabgeordnete Eva Feußner und die Junge Union Konsequenzen verlangt. Aus weiteren Parteikreisen hieß es, nach dem Absturz auf weniger als die Hälfte des bisherigen Ergebnisses brauche es einen klaren Neustart. Dabei wurde auch gefordert, bei einer Neuaufstellung stärker Vertreter aus Kommunalpolitik und Wirtschaft einzubinden.

Sepp Müller meldet Ambitionen offiziell an

Im Rennen um die künftige Führung der Landespartei hat der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller seine Kandidatur offiziell erklärt. „Ich kandidiere als Landesvorsitzender“, sagte der 37-Jährige nach der Sitzung des Landesvorstands in Magdeburg. Müller ist stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Müller kündigte an, die Partei mit einer klaren Abgrenzung nach beiden politischen Rändern führen zu wollen. Man werde „die Demokratie in der Mitte verteidigen“, sagte er. Es könne „keine Zusammenarbeit mit der extremen Linken“ und ebenso keine Zusammenarbeit „mit der extremen Rechten“ geben. Die CDU müsse verlorene Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Zugleich dankte er Schulze und dem Landesvorstand dafür, den Weg für einen Neuanfang freizumachen.

Zuvor war Müller neben dem Landrat von Mansfeld-Südharz, André Schröder, bereits als möglicher Nachfolger gehandelt worden. Beide galten in der Partei allerdings nicht als unumstritten.

Schröder war früher Fraktionschef im Landtag und später Finanzminister. 2019 verlor er sein Ministeramt nach einem Konflikt mit der eigenen Fraktion. In seiner heutigen Rolle als Landrat und stellvertretender Landesvorsitzender hat er sich nach Einschätzung aus der Partei jedoch wieder Profil erarbeitet.

Merz kritisiert Müller scharf – Müller widerspricht

Kurz vor seiner Kandidatur war Müller von Bundeskanzler Friedrich Merz öffentlich gerügt worden. Ohne ihn namentlich zu nennen, sagte Merz in Berlin, in den Parteigremien sei deutlich gemacht worden, dass niemand nachvollziehen könne, warum ein stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion dem eigenen Spitzenkandidaten wenige Tage vor der Wahl derart schade.

Hintergrund war eine umstrittene Äußerung Müllers in einem Podcast. Darin hatte er erklärt, AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund habe bei einem entsprechenden Wahlergebnis den Auftrag zur Regierungsbildung. In Teilen der CDU wurde das zwar ähnlich gesehen, mitten im Wahlkampf aber vielfach als Störfeuer bewertet.

Müller wies die Kritik von Merz zurück. Er teile die Äußerung des Bundesvorsitzenden nicht, sagte er, und auch in der Landespartei sehe eine breite Mehrheit das so. Zugleich betonte Müller, dass Merz bei den anstehenden Reformen im Bund auf seine volle Unterstützung zählen könne.

Schulze bestätigte auf Nachfrage, dass Müllers Aussagen vor der Wahl auch in der Sitzung des Landesvorstands Thema gewesen seien. Man könne unterschiedlicher Meinung sein, müsse solche Fragen aber intern klären, sagte er.

Neuordnung auch in der Landtagsfraktion möglich

Nicht nur an der Parteispitze, auch in der Landtagsfraktion zeichnet sich eine Neuordnung ab. Nach Angaben aus Fraktionskreisen könnte es am Dienstag zu einer Kampfabstimmung um den Fraktionsvorsitz zwischen dem bisherigen Chef Guido Heuer und dem Harzer Abgeordneten Ulrich Thomas kommen.

Zudem muss die Fraktion einen neuen Parlamentarischen Geschäftsführer bestimmen. Der bisherige Amtsinhaber Andreas Schumann schaffte den Wiedereinzug in den Landtag nicht.

Regierungsbildung nur mit ungewöhnlichem Bündnis denkbar

Eine Regierungsmehrheit ohne die AfD wäre in Sachsen-Anhalt rechnerisch nur möglich, wenn sich CDU, SPD, Grüne, Linke und BSW zusammenschlössen. Ein solches Fünferbündnis gilt jedoch als äußerst ungewöhnlich. In der CDU wird ein solches Modell von vielen nicht nur für unrealistisch gehalten, sondern auch klar abgelehnt.

Aus der Partei hieß es, jetzt sei vor allem Demut gefragt. Eine Regierungsbeteiligung der CDU nach diesem Wahlergebnis werde von vielen als falsches Signal gesehen.

AfD wirbt um Unterstützung

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund kündigte nach dem Wahlsieg seiner Partei an, bei anderen Fraktionen und auch bei einzelnen Abgeordneten um Unterstützung für eine Mehrheit zu werben. Ziel sei es, zügig eine stabile und verlässliche Mehrheit im Landtag von Sachsen-Anhalt zu organisieren. Voraussetzung dafür sei aus seiner Sicht, dass zentrale Positionen der AfD, etwa in der Migrationspolitik und bei der inneren Sicherheit, vollständig umgesetzt würden.

Müller griff Siegmund daraufhin an und warf ihm vor, bereits sein erstes Wahlversprechen zu brechen. Siegmund habe auf eine absolute Mehrheit gesetzt und suche nun die Nähe zum BSW, sagte Müller. Das zeige, dass er nicht das mache, was er vor der Wahl angekündigt habe.

Die AfD hatte die Landtagswahl am Sonntag deutlich gewonnen, die absolute Mehrheit jedoch verfehlt. Das BSW bekräftigte danach seine Bereitschaft, Siegmund bei der Regierungsbildung zu unterstützen. Die übrigen Parteien im Landtag hatten eine Zusammenarbeit mit der AfD bereits vor der Wahl ausgeschlossen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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