Nach dem stundenlangen Großeinsatz an einer Bankfiliale im rheinland-pfälzischen Sinzig fahndet die Polizei weiter nach den Verdächtigen. Spezialkräfte hatten am Morgen nach einem Alarm Stellung bezogen und das Gebäude erst nach rund sechs Stunden betreten. Dabei fanden die Einsatzkräfte zwei Menschen unverletzt vor, die nach bisherigen Erkenntnissen Opfer der Tat wurden. Tatverdächtige entdeckte die Polizei in der Filiale nicht.
Mindestens ein männlicher Verdächtiger im Fokus
Nach Angaben der Polizei gehen die Ermittler inzwischen von mindestens einem männlichen Täter aus. Dieser soll gegen 9.00 Uhr einen Mitarbeiter eines Geldtransport-Unternehmens abgepasst und ihm einen Bargeld-Behälter entwendet haben. Auffällig sei dabei ein weißer Overall gewesen, der einem Imkeranzug ähnelte.
Im Anschluss sollen der Mitarbeiter der Geldtransport-Firma sowie eine weitere Person in einem separaten Raum der Bank eingeschlossen worden sein. Nach aktuellem Ermittlungsstand verließ der oder die Täter den Tatort vermutlich noch vor dem Eintreffen der ersten Polizeistreife.
Zwei Menschen in separatem Raum eingeschlossen
Der Zugriff erfolgte durch das Spezialeinsatzkommando (SEK) am Nachmittag. In der Filiale trafen die Beamten die beiden eingeschlossenen Personen unverletzt an. Zunächst war unklar gewesen, ob sich der oder die Täter noch im Gebäude befanden. Deshalb sperrte die Polizei den Bereich rund um die Bank weiträumig ab.
Die Fahndung beschränkte sich nach Polizeiangaben nicht nur auf das direkte Umfeld der Filiale. Vielmehr liefen im gesamten Stadtgebiet Suchmaßnahmen.
Erste Einschätzung: mögliche Geiselnahme
Nach Angaben eines Polizeisprechers waren die Ermittler im Verlauf des Tages zunächst von einer Geiselnahme ausgegangen. Ob der Vorfall nach den neuen Erkenntnissen rechtlich weiter so eingestuft wird, müsse nun geprüft werden. Im Raum steht demnach jedenfalls der Verdacht der Freiheitsberaubung. Ob zusätzlich ein Raubdelikt vorliegt, wurde zunächst nicht näher erläutert.
Der automatisch ausgelöste Alarm war am Morgen bei der Polizei eingegangen. Kontakt zu möglichen Tätern habe es nach Kenntnisstand der Ermittler zu keinem Zeitpunkt gegeben. Das war auch ein Grund dafür, dass lange unklar blieb, ob sich noch Verdächtige im Gebäude aufhielten.
Geldtransporter spielt zentrale Rolle
Schon früh hatte die Polizei erklärt, dass ein Geldtransporter im Gesamtzusammenhang des Falls eine Rolle spiele. Zunächst waren die Behörden davon ausgegangen, dass sich mehrere Täter und mehrere Geiseln in der Filiale befinden könnten. Mit dem aktuellen Stand verdichten sich die Hinweise darauf, dass der Vorfall im Zusammenhang mit dem Überfall auf den Mitarbeiter des Geldtransporters steht.
Großaufgebot in Sinzig
Mehrere Hundert Einsatzkräfte waren in Sinzig im Einsatz. Die Innenstadt wurde weiträumig abgesperrt, zeitweise war auch ein Hubschrauber über dem Ort unterwegs. Neben regulären Polizeikräften waren Spezialkräfte und eine Verhandlungsgruppe vor Ort. Aus taktischen Gründen hatte die Polizei während des laufenden Einsatzes nur wenige Details bekanntgegeben.
Für Menschen außerhalb der Absperrung bestand nach Polizeiangaben zwischenzeitlich keine akute Gefahr. Außerhalb des gesperrten Bereichs konnten Schulbetrieb und Alltag grundsätzlich weiterlaufen. Bewohner innerhalb der Sperrzone sollten ihre Häuser zeitweise jedoch nicht verlassen.
Im Pfarrheim St. Peter war vorsorglich eine Rettungsstation eingerichtet worden. Dort wurden unter anderem rollbare Liegen vorbereitet und Sichtschutz angebracht. Nach Angaben eines Sprechers handelte es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.
Große Unruhe in der Stadt
Der Einsatz sorgte in Sinzig für erhebliche Unruhe. Anwohner und Geschäftsleute berichteten von plötzlichen Absperrungen, geräumten Läden und einer angespannten Lage. Auch in der nahegelegenen Kita St. Peter wurden Kinder teilweise früher abgeholt.
Zu den Hintergründen und zum genauen Ablauf ermitteln nun die Behörden weiter. Ein Sprecher der Volksbank Raiffeisenbank RheinAhrEifel verwies auf die Zusammenarbeit mit der Polizei und machte zunächst keine weiteren Angaben.
Sinzig liegt im Kreis Ahrweiler, etwa 35 Autokilometer nordwestlich von Koblenz und rund 25 Kilometer südlich von Bonn.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion