Invasive Ameisenart breitet sich in Franken aus
Die tiefschwarze und sehr flinke Tapinoma magnum, auf Deutsch Große Drüsenameise, sorgt inzwischen auch in Franken für Probleme. Die aus dem Mittelmeerraum stammende Ameisenart gilt als invasiv, kann riesige Kolonien bilden und erhebliche Schäden verursachen. In Bayern wurde sie bislang unter anderem in Aschaffenburg, Hösbach und Nürnberg nachgewiesen. Kommunen und Anwohner suchen daher nach Wegen, die Ausbreitung einzudämmen – dabei spielt auch heißes Wasser eine Rolle.
Nach Angaben des Landesamts für Umwelt (LfU) besiedelt die Art bisher vor allem stark vom Menschen geprägte Bereiche. Dazu zählen warme Siedlungszonen, Straßen- und Wegränder, Friedhöfe, Parkplätze oder Parkanlagen. Dass die Ameise häufig in der Nähe von Gartencentern, Baumschulen oder Gewerbegebieten auftaucht, hat einen Grund: Sie wird vor allem über importierte Pflanzen eingeschleppt und durch Erde und Pflanzsubstrat weiterverbreitet.
Ausbreitung in mehreren Bundesländern
Die Art ist nicht nur in Bayern ein Thema, sondern breitet sich in ganz Deutschland aus. Besonders betroffen sind derzeit Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg. In Kehl am Rhein musste 2025 wegen der Ameisenplage sogar ein Spielplatz geschlossen werden, außerdem kam es dort zu Störungen bei Strom und Internet.
Nachweise seit 2024 auch in Bayern
Im Jahr 2024 wurde die Große Drüsenameise erstmals auch im Freistaat festgestellt. Betroffen waren unter anderem ein Friedhof in Markt Hösbach im Landkreis Aschaffenburg sowie Flächen in Nürnberg, etwa im Umfeld des entstehenden neuen Campus der Technischen Universität.

In Hösbach reagierte die Gemeinde zunächst zurückhaltend. Da die Kommune pestizidfrei arbeitet und Ameisen grundsätzlich weit verbreitet sind, wurde anfangs nichts unternommen. Als sich das Problem 2025 verschärfte, schaltete der Bauhof einen Schädlingsbekämpfer ein. Dessen Verdacht auf Tapinoma magnum bestätigte sich später.
Auf dem Friedhof untergruben die Tiere mit ihren Gängen eine Natursteinmauer, auch Gräber waren betroffen. Umgestürzte Grabsteine gab es zwar noch nicht, doch genau das wäre aus Sicht der Gemeinde das schlimmste Szenario. Inzwischen meldeten sich auch Privatleute mit Funden der Ameise. In einem Fall drangen die Tiere in einen Keller ein und verursachten anschließend Schäden im Haus.
Heißes Wasser statt Insektizide
Zur Eindämmung setzt der Bauhof in Hösbach inzwischen auf heißes Wasser. Dafür wurde eigens ein Gerät angeschafft und das Personal entsprechend geschult. Fachleute raten privaten Haushalten davon ab, eigenständig Insektizide einzusetzen. Solche Mittel könnten das Grundwasser belasten, nützliche Insekten schädigen und in Innenräumen sogar gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Chemische Bekämpfungsmaßnahmen sollten deshalb nur von zugelassenen Fachfirmen durchgeführt werden.
Nürnberg: Schäden vor allem für das Ökosystem
Auch in Nürnberg wurde die invasive Ameisenart 2024 auf privaten Grundstücken im Süden der Stadt entdeckt. 2025 gingen dort zwar keine weiteren Meldungen ein, in diesem Jahr wurde jedoch erneut ein Befall gemeldet – diesmal in einem privaten Garten. Nach Einschätzung der Stadt entstanden bislang vermutlich vor allem ökologische Schäden. Die Art verdränge in den besiedelten Bereichen großflächig andere Insekten.
Aschaffenburg setzt auf koordiniertes Vorgehen
Seit dem vergangenen Sommer ist klar, dass die Große Drüsenameise auch Aschaffenburg erreicht hat. Bereits im Frühjahr hatten Anwohner im Stadtteil Leider den Verdacht geäußert, dass es sich um diese invasive Art handeln könnte. Eine Prüfung bestätigte den Befall wenig später – ebenso in den Stadtteilen Damm, Nilkheim und Österreicher Kolonie.
Die Stadt richtete daraufhin eine Arbeitsgruppe ein, die im September erstmals tagte und ein abgestimmtes Vorgehen zwischen verschiedenen Ämtern organisieren sollte. Erste Bekämpfungsversuche blieben allerdings weitgehend ohne Erfolg. Inzwischen wurde daher eine Spezialfirma aus Darmstadt mit der Bekämpfung beauftragt.
Nach Angaben der Stadt kann die Ameisenart aber nur dann wirksam zurückgedrängt werden, wenn öffentliche und private Flächen gemeinsam einbezogen werden. Deshalb werden Grundstückseigentümer informiert, sobald aufgrund von Beobachtungen auf öffentlichen Flächen ein Befall auf ihren Grundstücken vermutet wird. Sie sollen dann eigene Maßnahmen veranlassen.
Vorbeugung durch heimische Pflanzen
Damit sich die Große Drüsenameise möglichst gar nicht erst weiter verbreitet, empfiehlt das LfU im Garten- und Landschaftsbau verstärkt auf heimische Pflanzenarten zu setzen. Das verringere das Risiko, invasive Arten einzuschleppen, und unterstütze zugleich die heimische Biodiversität. Zudem besteht in betroffenen Gebieten bei Bauarbeiten die Gefahr, dass die Ameisen durch Erdtransporte in neue Regionen verschleppt werden.
Woran man die Art erkennt
Die Tapinoma magnum wird meist zwei bis vier Millimeter groß. Bei Bedrohung gibt sie einen intensiv riechenden Duftstoff ab. Typisch sind außerdem breite Ameisenstraßen sowie auffällige Sand- oder Erdhügel an den Nesteingängen. Wird ein Nest gestört, tauchen innerhalb kürzester Zeit Hunderte Tiere auf.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber