Nordrhein-Westfalen

Tote Kinder nach Unfall: Löste Ohnmacht die Tragödie aus?

Tragödie in Dinslaken: Zwei Zwölfjährige sterben, als ein Auto in Schulkinder rast. War die Fahrerin plötzlich ohnmächtig?

28.05.2026, 13:36 Uhr

Nach tödlichem Unfall in Dinslaken: Ermittlungen gegen Autofahrerin laufen weiter

Nach dem schweren Unfall mit zwei getöteten Schulkindern in Dinslaken ermittelt die Staatsanwaltschaft Duisburg gegen die 47 Jahre alte Autofahrerin wegen fahrlässiger Tötung.

Die Frau war am Mittwochmorgen mit ihrem Wagen in eine Gruppe von Schülern gefahren. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte sie bereits im Mai vergangenen Jahres nach einem plötzlichen Ohnmachtsanfall am Steuer einen Unfall verursacht. Danach wurde ihr ein sogenannter Ereignisrekorder implantiert. Die Daten dieses Geräts werden nun ausgewertet. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet.

Ereignisrekorder soll Herzprobleme aufzeichnen

Ein Ereignisrekorder ist ein implantiertes Gerät, das die Herzaktivität fortlaufend überwacht. Es kommt zum Einsatz, wenn plötzliche Ohnmachten oder kurze Aussetzer der Herztätigkeit abgeklärt werden sollen, die in einem normalen Langzeit-EKG womöglich nicht erfasst werden.

Zwei Jungen starben, dritter blieb leicht verletzt

Kurz vor Schulbeginn war die 47-Jährige mit ihrem Auto in drei zwölfjährige Jungen gefahren, die mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Otto-Hahn-Gymnasium in Dinslaken waren. Zwei der Jungen wurden so schwer verletzt, dass sie später im Krankenhaus starben. Der dritte Schüler wurde leicht verletzt und musste nicht im Krankenhaus behandelt werden.

Nach dem Zusammenstoß prallte das Auto noch gegen drei weitere Fahrzeuge, die beschädigt wurden. Auch die Fahrerin selbst erlitt schwere Verletzungen.

Auto sichergestellt, Gutachter rekonstruiert Unfall

Die Frau liegt laut Staatsanwaltschaft wegen ihrer Verletzungen weiterhin im Krankenhaus und ist nach wie vor nicht vernehmungsfähig. Wie genau es zu dem Unglück kam, ist weiter Gegenstand der Ermittlungen.

Zur Aufklärung wurde das Auto der 47-Jährigen sichergestellt. Zudem wurde ein Sachverständiger beauftragt, den Unfallhergang zu rekonstruieren.

War ein medizinischer Notfall die Ursache?

Nach Einschätzung des Unfallforschers Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung könnte ein internistischer Notfall eine Erklärung für den Hergang sein. Wenn das Herz kurz aussetze oder jemand ohnmächtig werde, könne es vorkommen, dass Fahrer verkrampften und dabei ungewollt stark aufs Gaspedal träten.

Eine Studie der Stiftung vom Oktober vergangenen Jahres kommt demnach zu dem Ergebnis, dass medizinische Notfälle bei Unfällen älterer Menschen häufiger eine Rolle spielen als bislang angenommen. Grundsätzlich könnten jedoch auch jüngere Menschen betroffen sein, sagte Brockmann.

Große Trauer an Schulen und in der Stadt

Am Tag nach dem Unglück herrschte am Gymnasium der verunglückten Jungen, an der Grundschule nahe der Unfallstelle und in ganz Dinslaken große Bestürzung. Viele Menschen legten Kerzen, Blumen und Teddybären an der Unfallstelle nieder.

Am Freitag soll es um 9.15 Uhr eine stadtweite Schweigeminute im Gedenken an die beiden verstorbenen Jungen geben, teilte die Stadt mit.

Am Gymnasium sind Schulpsychologen und Notfallseelsorger im Einsatz. Nach Angaben einer Sprecherin der Stadt erhält besonders die Klasse Unterstützung, die um zwei Mitschüler trauert. Die Grundschule am Unfallort gab ihren rund 350 Schülerinnen und Schülern am frühen Mittag wegen der Hitze hitzefrei.

Unterstützung durch Politik und Stadtspitze

NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) sagte dem Gymnasium sowie der Grundschule in der Nähe des Unfallorts Unterstützung zu, etwa durch schulpsychologische Angebote. „Wir werden die Schulen mit allem unterstützen, was uns möglich ist“, sagte sie.

Feller sprach von einem furchtbaren Geschehen. Ein Kind zu verlieren, sei für Eltern das Schlimmste. Sie trauere mit den Familien, Freunden und allen Menschen an den betroffenen Schulen.

Auch Dinslakens Bürgermeister Simon Panke (SPD) sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. Die Gedanken der Stadt seien bei den Kindern, ihren Eltern und Familien. Für Freunde, Mitschüler und Lehrkräfte seien Schock und Schmerz enorm. Die Schule brauche nun Zeit und Ruhe, um das Geschehen aufzuarbeiten – insbesondere die Klassenkameraden der verstorbenen Kinder.

„Viele weitere sehr schwere Tage folgen“

Angesichts der großen öffentlichen Aufmerksamkeit bat eine Sprecherin der Stadt um Verständnis dafür, dass Schulen, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern nun Zeit bräuchten, um das Erlebte zu begreifen und zu verarbeiten. Auf den schweren Tag würden noch viele weitere sehr schwere Tage folgen.

Quelle: dpa/bearbeitet

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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