Nordrhein-Westfalen

Jetzt rollt der heikle Castor-Einsatz

Wieder rollt Atommüll durch NRW – unter massivem Polizeischutz. Es ist schon der fünfte brisante Castor-Transport seit März.

07.07.2026, 20:07 Uhr

Polizei startet Großeinsatz für weiteren Castor-Transport nach Ahaus

Zum Schutz des fünften Castor-Transports vom Forschungszentrum Jülich ins Zwischenlager Ahaus ist ein umfangreicher Polizeieinsatz angelaufen. Das bestätigte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Einen genauen Zeitpunkt für den Beginn des Transports nannte er nicht. Nach Einschätzung von Anti-Atomkraft-Gruppen könnte der Konvoi noch am heutigen Abend losfahren.

Hunderte Einsatzkräfte sichern die nicht angekündigte Fahrt entlang der Strecke sowie an Abfahrts- und Ankunftsort. Aus Sicherheitsgründen halten die Behörden sowohl die genaue Route als auch mögliche Ausweichstrecken unter Verschluss. Für die rund 170 Kilometer lange Fahrt werden etwa vier Stunden veranschlagt.

Entlang des Transports sind Protestaktionen angekündigt. Das Bündnis „Stop Westcastor“ plant in Jülich eine Mahnwache, die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ eine weitere am Zielort.

Bisherige Transporte ohne besondere Vorkommnisse

Die ersten vier nächtlichen Transporte durch Nordrhein-Westfalen waren in den vergangenen Wochen ohne Zwischenfälle verlaufen. Auch damals hatte die Polizei die Fahrten mit einem großen Aufgebot begleitet. An mehreren Orten kam es zu Demonstrationen gegen die Verbringung des Atommülls.

Möglicherweise werden sich die Transporte länger hinziehen als zunächst vorgesehen. Das Unternehmen Orano habe eine Verlängerung der Transportgenehmigung um ein weiteres Jahr bis August 2028 beantragt, sagte ein Sprecher der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen, die die Transporte in Auftrag gegeben hat. Zuerst hatte der WDR darüber berichtet.

Castor-Behälter im Forschungszentrum Jülich
Im früheren Forschungszentrum Jülich lagern Castor-Behälter. Sie sollen von Jülich ins 170 Kilometer entfernte Ahaus transportiert werden. (Archivbild) Quelle: picture alliance / dpa

152 Behälter sollen insgesamt verlagert werden

In den Castor-Behältern befinden sich insgesamt mehr als 288.000 Brennelemente in der Größe von Tennisbällen aus dem ehemaligen Versuchsreaktor in Jülich. Dabei handelte es sich um einen Kugelhaufen-Hochtemperaturreaktor, der von 1967 bis 1988 betrieben wurde.

Die in den Kugeln enthaltenen Brennstoffe senden weiterhin radioaktive Strahlung aus und wären ohne die speziellen Behälter hochgefährlich. Ein Castor kann höchstens 1.900 dieser Kugeln aufnehmen, die zusammen rund zwei Kilogramm Brennstoff enthalten. Ein beladener Behälter bringt etwa 27 Tonnen auf die Waage, ein kompletter Sattelzug mit vollem Castor knapp 130 Tonnen.

Insgesamt sollen 152 Castor-Behälter von Jülich nach Ahaus gebracht werden. Grund dafür ist eine Anordnung der nordrhein-westfälischen Atomaufsicht, das Zwischenlager in Jülich zu räumen, weil dort die Erdbebensicherheit nicht ausreichend nachgewiesen werden konnte. Insgesamt zählt der Transport durch NRW damit zu den größten Atommüll-Verlagerungen auf der Straße seit Jahrzehnten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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