Nordrhein-Westfalen

Jetzt rollt der heikle Castor-Einsatz

Wieder rollt Atommüll durch NRW – unter massivem Polizeischutz. Es ist schon der fünfte brisante Castor-Transport seit März.

07.07.2026, 20:07 Uhr

Fünfter Castor-Transport nach Ahaus läuft – Sperrungen auf Autobahnabschnitten

Wegen eines weiteren Castor-Transports müssen Autofahrer im Rheinland und im Münsterland derzeit auf einzelnen Autobahnabschnitten mit Sperrungen rechnen. Nach Angaben eines Polizeisprechers wird ein Castor-Behälter mit hoch radioaktiver Altlast aktuell mit einem Schwerlasttransporter vom ehemaligen Forschungsreaktor in Jülich in das Zwischenlager Ahaus gebracht. Es ist der fünfte Transport dieser Art seit Ende März.

Die Polizei begleitet die unangekündigte Fahrt mit einem Konvoi und einem Großeinsatz. Schätzungsweise Hunderte Beamte sind entlang der Strecke sowie an Start- und Zielort im Einsatz. Aus Sicherheitsgründen halten die Behörden sowohl die genaue Route als auch mögliche Ausweichstrecken geheim. Während der Durchfahrt werden jeweils Autobahnabschnitte gesperrt. Für die rund 170 Kilometer lange Strecke werden etwa vier Stunden eingeplant.

Erneute Proteste – bislang keine Zwischenfälle

Wie schon bei den vorherigen Fahrten waren auch diesmal Protestaktionen gegen die Verlagerung des Atommülls angekündigt. Das Bündnis „Stop Westcastor“ organisiert in Jülich eine Mahnwache, die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ eine weitere am Zielort.

Nach Angaben der Polizei blieben die Teilnehmer am Abend friedlich. Probleme oder besondere Vorkommnisse habe es bislang nicht gegeben, sagte der Sprecher.

Die ersten vier nächtlichen Transporte durch Nordrhein-Westfalen waren in den vergangenen Wochen ebenfalls ohne Zwischenfälle verlaufen. Auch damals hatte die Polizei die Fahrten mit einem großen Aufgebot abgesichert.

Möglicherweise werden sich die Transporte länger hinziehen als zunächst geplant. Das Unternehmen Orano habe eine Verlängerung der Transportgenehmigung um ein weiteres Jahr bis August 2028 beantragt, sagte ein Sprecher der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen, die die Transporte beauftragt hat. Zuerst hatte der WDR darüber berichtet.

152 Castor-Behälter sollen insgesamt verlagert werden

In den Behältern werden insgesamt gut 288.000 tennisballgroße Brennelemente aus dem früheren Versuchsreaktor in Jülich transportiert. Dabei handelte es sich um einen Kugelhaufen-Hochtemperaturreaktor, der von 1967 bis 1988 betrieben wurde.

Die in den Kugeln enthaltenen Brennstoffe senden weiterhin radioaktive Strahlung aus und wären außerhalb der Spezialbehälter hochgefährlich. Ein Castor kann höchstens 1.900 dieser Kugeln aufnehmen, die zusammen rund zwei Kilogramm Brennstoff enthalten. Ein beladener Behälter wiegt etwa 27 Tonnen, ein kompletter Sattelzug mit vollem Castor knapp 130 Tonnen.

Insgesamt sollen 152 Castor-Behälter von Jülich nach Ahaus gebracht werden. Grund ist eine Anordnung der nordrhein-westfälischen Atomaufsicht, das Zwischenlager in Jülich zu räumen, weil dort die Erdbebensicherheit nicht ausreichend nachgewiesen werden konnte. In der Summe zählt die Verlagerung damit zu den größten Atommüll-Transporten auf der Straße in Nordrhein-Westfalen seit Jahrzehnten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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