DeepL erweitert Echtzeit-Übersetzung um Stimmklang und Emotionen
Das Kölner KI-Unternehmen DeepL baut seine Echtzeit-Sprachtechnologie deutlich aus. Mit neuen Modellen für DeepL Voice soll nicht mehr nur das gesprochene Wort übersetzt werden. Künftig sollen auch Stimme, Tonlage, Sprechweise und emotionale Nuancen möglichst originalgetreu in eine andere Sprache übertragen werden. Damit will sich DeepL im Wettbewerb mit großen US-Konzernen wie Microsoft, Google und OpenAI behaupten.
Neue Voice-to-Voice-Funktion für Meetings
Bisher war DeepL Voice vor allem für Untertitel in Videokonferenzen bekannt. Jetzt rückt die direkte Sprach-zu-Sprach-Übersetzung in Echtzeit in den Vordergrund. Dafür hat das Unternehmen eine neue Desktop-Anwendung für Windows und Mac vorgestellt, die sich in Dienste wie Zoom, Microsoft Teams und Google Meet integrieren lässt.
Gesprochene Inhalte können in mehr als 30 Sprachen übertragen werden. Die neue Funktion „Speaker Match“ sorgt zunächst in 14 Sprachen dafür, dass die persönliche Stimmcharakteristik eines Sprechers erhalten bleibt.
DeepL-Gründer und CEO Jarek Kutylowski betonte gegenüber der dpa, dass die Stimme weit mehr vermittle als nur Inhalte. Sie zeige Persönlichkeit und transportiere Stimmung. Das Ziel sei, dass Nutzer die Übersetzung kaum noch bewusst wahrnehmen. Wenn jemand beispielsweise aufgeregt oder besonders schnell spreche, solle sich das auch in der übersetzten Ausgabe widerspiegeln.
Fokus auf Unternehmen statt Massenmarkt
Im Rennen mit den großen Technologiekonzernen sieht sich DeepL gut positioniert. Nach Angaben von Kutylowski liegt der klare Schwerpunkt auf Geschäftskunden. Für Unternehmen gehe es nicht nur darum, einzelne E-Mails oder Meetings zu übertragen. Wichtiger sei ein umfassendes System, das Dokumente und Sprache einheitlich verarbeitet und dabei die unternehmenseigene Fachsprache über alle Kanäle hinweg konsistent abbildet.
Nach Stellenabbau wieder stabiler
Zuletzt hatte DeepL im Mai für Aufmerksamkeit gesorgt, als das Unternehmen den Abbau von 250 Stellen ankündigte. Das entsprach etwa einem Viertel der Belegschaft. Als Grund nannte Kutylowski veränderte Abläufe im Zuge des zunehmenden KI-Einsatzes. In einer Arbeitswelt, in der künstliche Intelligenz eine immer größere Rolle spiele, habe man auch interne Strukturen und Aufgaben neu ordnen müssen.
Inzwischen sieht der Firmenchef DeepL wieder deutlich stärker aufgestellt. Das Unternehmen sei nun robuster organisiert – sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern, in denen bereits wieder neue Mitarbeiter eingestellt werden.
DeepL in Zahlen
DeepL wurde 2017 gegründet, beschäftigt derzeit rund 900 Mitarbeiter und zählt nach eigenen Angaben mehr als 200.000 Firmenkunden. Zu den Investoren gehören bekannte Venture-Capital-Geber wie Benchmark, IVP und Index Ventures.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber