In Monschau ist trotz des großen Waldbrands im belgischen Hohen Venn weiterhin keine Evakuierung angeordnet. Nach Angaben der Stadt gibt es derzeit keinen Anlass, die rund 5.000 Bewohnerinnen und Bewohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich zum Verlassen ihrer Häuser zu verpflichten.
Die Lage bleibt jedoch angespannt. Die Brandfront lag nach städtischen Informationen am Sonntagmittag weniger als zwei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Stunde für Stunde wird beobachtet, wie sich das Feuer entwickelt. Der Brand auf belgischer Seite ist damit auch für Monschau in der Eifel eine ernstzunehmende Bedrohung.
Sorge vor allem wegen des Rauchs
Größere Sorgen bereitet den Behörden aktuell weniger das Feuer selbst als eine mögliche gesundheitsgefährdende Rauchentwicklung. Wegen des beißenden Brandgeruchs empfiehlt die Stadt den Menschen in Kalterherberg und Mützenich, die Ortsteile vorsorglich zu verlassen. Eine Pflicht dazu besteht aber nicht.
Wer Unterstützung braucht, kann sich an die Stadt wenden. Zudem wurde im Bürgercasino Imgenbroich eine Anlaufstelle eingerichtet.
Bereits in der Nacht zum Sonntag waren die Menschen in der Region gebeten worden, sich vorsorglich auf eine mögliche Evakuierung einzustellen. Nach dem Stand vom Sonntagmittag sei das aber nicht notwendig, betonte eine Sprecherin. Trotzdem blieb die Unsicherheit groß, weil weiter offen war, wie sich Feuer und Rauch entwickeln.
Unruhe in den grenznahen Siedlungen
Besonders aufmerksam verfolgen die Menschen in den nahe an Belgien gelegenen Bereichen Plattevenn und Leyloch die Entwicklung. Dort hatte die Stadt zuvor rund 50 Menschen gebeten, ihre Häuser und Wohnungen zunächst bis zum Abend zu verlassen.
In Plattevenn verbrachten manche die Nacht bereits mit gepackten Koffern. Zwischen Höfen, Feldern und einzelnen Häusern war die Verunsicherung deutlich zu spüren. Ein Paar berichtete, man sei vorbereitet gewesen. Am Morgen habe dichter Dunst zunächst den Eindruck erweckt, Rauch vom näher kommenden Waldbrand liege bereits über dem Haus.
Auch von einem Landwirt in Grenznähe war die Rede, der seinen Hof in der Nacht vorsorglich immer wieder mit Wasser bespritzte. Zugleich bemühen sich viele Menschen in der Region, ruhig zu bleiben. Nachbarn, Freunde und Angehörige stehen in Kontakt, erkundigen sich gegenseitig nach ihrer Lage und wollen trotz wachsender Unruhe keine Panik aufkommen lassen.
Hürtgenwald: Gey kehrt zurück, Brand unter Kontrolle
Auch an anderer Stelle in der Region bleibt der Waldbrand ein großes Thema. Im Hürtgenwald konnten nach der Evakuierung des Ortsteils Gey inzwischen viele Menschen in ihre Häuser zurückkehren. Nach Behördenangaben war am Sonntagmorgen etwa zwei Drittel der rund 2.000 Betroffenen wieder vor Ort.
Am Sonntagabend erklärte Landrat Ralf Nolten (CDU), der Brand im Hürtgenwald sei inzwischen unter Kontrolle. Die Zahl der Einsatzkräfte könne deshalb deutlich reduziert werden, auch die Zahl der Löschhubschrauber werde merklich verringert.
Von Normalität kann dennoch noch keine Rede sein. Die Flammen hatten sich dem Ort zwischenzeitlich auf etwa 250 Meter genähert. Bewohner schilderten rückblickend, sie hätten in der Nacht sogar Flammen sehen können, die über den Berg auf den Ort zukamen. Nun überwiegt die Erleichterung, dass viele Häuser verschont geblieben sind.
Inzwischen schlagen im Hürtgenwald keine offenen Flammen mehr. Die Einsatzkräfte kämpfen dort aber weiter gegen Glutnester.
Größter Waldbrand in Nordrhein-Westfalen
Der Brand im Hürtgenwald gilt als der größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Nach Behördenangaben standen Flächen in der Größe von rund 420 Fußballfeldern in Flammen.
Hunderte Feuerwehrleute waren dort tagelang im Großeinsatz und wurden im Zwölf-Stunden-Rhythmus von frischen Kräften aus ganz NRW abgelöst. Zeitweise waren bis zu elf Löschhubschrauber gleichzeitig im Einsatz. Zudem half die Bundeswehr mit Fahrzeugen beim Ziehen von Schneisen, damit sich das Feuer nicht weiter ausbreiten konnte. Landwirte unterstützten die Löscharbeiten mit Traktoren und großen Wassertanks.
Der Großbrand dürfte die Region noch lange beschäftigen. Gleichzeitig bleibt vielerorts die Erinnerung an die große Hilfsbereitschaft. Entlang von Straßen wurden bereits Schilder aufgestellt, mit denen Anwohner den Einsatzkräften für ihre Unterstützung danken.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber