Nordrhein-Westfalen

Monschau: Darum ist keine Evakuierung geplant

Flammen rücken bis nahe Monschau vor – noch keine Evakuierung. Warum die Stadt trotzdem eindringlich weiter warnt.

16.08.2026, 12:50 Uhr

In Monschau ist trotz des großen Waldbrands im belgischen Hohen Venn weiterhin keine Evakuierung angeordnet. Nach Angaben der Stadt gibt es derzeit keinen Anlass, die rund 5.000 Bewohnerinnen und Bewohner der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich zum Verlassen ihrer Häuser zu verpflichten.

Die Lage bleibt jedoch angespannt. Die Brandfront liegt nach städtischen Informationen vom Sonntagmittag weniger als zwei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Gleichzeitig wird Stunde für Stunde beobachtet, wie sich das Feuer entwickelt. Der Waldbrand auf belgischer Seite gilt inzwischen auch für Monschau in der Eifel als ernstzunehmende Bedrohung.

Sorge vor allem wegen des Rauchs

Größere Sorgen bereitet den Behörden aktuell weniger das Feuer selbst als eine mögliche gesundheitsgefährdende Rauchentwicklung. Wegen des beißenden Brandgeruchs empfiehlt die Stadt den Menschen in Kalterherberg und Mützenich, die Ortsteile vorsorglich zu verlassen. Eine Pflicht dazu besteht aber nicht. Wer Unterstützung braucht, kann sich an die Stadt wenden. Zudem wurde im Bürgercasino Imgenbroich eine Anlaufstelle eingerichtet.

Bereits in der Nacht zum Sonntag waren die Menschen in der Region gebeten worden, sich vorsorglich auf eine mögliche Evakuierung einzustellen. Nach dem aktuellen Stand vom Sonntagmittag sei das aber nicht notwendig, betonte eine Sprecherin. Für den Nachmittag war eine weitere Lagebesprechung vorgesehen.

Unruhe in den grenznahen Siedlungen

Besonders aufmerksam schauen die Menschen in den nahe an Belgien gelegenen Bereichen Plattevenn und Leyloch auf die Entwicklung. Dort hatte die Stadt zuvor rund 50 Menschen gebeten, ihre Häuser und Wohnungen zunächst bis zum Abend zu verlassen.

In Plattevenn verbrachten manche die Nacht bereits mit gepackten Koffern. Zwischen Höfen und einzelnen Häusern war die Verunsicherung deutlich spürbar. Einige Anwohner berichteten von dichtem Dunst am Morgen und fürchteten zunächst, der Rauch des Waldbrands habe ihr Haus bereits erreicht. Auch von einem Landwirt war die Rede, der seinen Hof in Grenznähe vorsorglich immer wieder mit Wasser bespritzte.

Trotz der Anspannung versuchen viele, Ruhe zu bewahren. Nachbarn, Freunde und Angehörige stehen in Kontakt und erkundigen sich gegenseitig nach ihrer Lage. Die Stimmung ist angespannt, aber vielerorts ist auch zu spüren, dass die Menschen zusammenhalten und keine Panik aufkommen lassen wollen.

Hürtgenwald weiter belastet, Gey kehrt langsam zurück

Auch an anderer Stelle in der Region bleibt der Waldbrand ein großes Thema. Im Hürtgenwald konnten nach der Evakuierung des Ortsteils Gey inzwischen viele Menschen in ihre Häuser zurückkehren. Nach Behördenangaben war am Sonntagmorgen etwa zwei Drittel der rund 2.000 Betroffenen wieder vor Ort.

Dort ist die Gefahr zwar deutlich gesunken, von Normalität kann aber noch keine Rede sein. Die Flammen hatten sich dem Ort zwischenzeitlich auf etwa 250 Meter genähert. Inzwischen schlagen im Hürtgenwald keine offenen Flammen mehr, die Einsatzkräfte kämpfen dort aber weiter gegen Glutnester.

Der Brand im Hürtgenwald gilt als der größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Nach Behördenangaben standen Flächen in der Größe von rund 420 Fußballfeldern in Flammen. Hunderte Feuerwehrleute, Löschhubschrauber, Bundeswehrfahrzeuge und Landwirte mit Wassertanks waren im Großeinsatz.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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