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Reit-WM: 40.000 feiern Werths Medaillen-Coup

Gänsehaut im größten Reitstadion der Welt: Isabell Werth holt mit Wendy ihre 14. WM-Medaille – Aachen bebt.

16.08.2026, 11:25 Uhr

Werth feiert nach Bronze auch Jungs Gold und Team-Silber in Aachen

Einen Tag nach ihrer 14. WM-Medaille hat Isabell Werth bei den Reit-Weltmeisterschaften in Aachen gleich die nächsten deutschen Erfolge bejubelt. Die 57-Jährige saß am Sonntagnachmittag auf der Tribüne und drückte Michael Jung in der Vielseitigkeit die Daumen. Mit Erfolg: Der 44-Jährige gewann Einzel-Gold und holte mit dem deutschen Team außerdem Silber.

Rund 17 Stunden nach ihrem eigenen Bronze-Coup in der Dressur verfolgte Werth das Geschehen im größten Reitstadion der Welt als Fan. Sie wollte einfach „die Daumen drücken“ – und sah dann, wie Jungs Pferd im Springen zwar mehrfach die Stangen streifte, aber keinen Fehler verursachte. Nach dem fehlerfreien Ritt ballte Jung erleichtert die Faust.

Jung führt deutsches Team zu Silber

Angeführt von Jung ritt die deutsche Mannschaft im abschließenden Springen erneut zu Edelmetall. Der Titelverteidiger musste sich nur Großbritannien geschlagen geben. Für die Briten sicherte Rosalind Canter mit Graffalo zudem Silber in der Einzelwertung.

Neben Jung gehörten Julia Krajewski mit Nickel, Malin Hansen-Hotopp mit Carlitos Quidditch und Libussa Lübbeke mit Caramia zum deutschen Team.

Die Grundlage für den Erfolg hatte Jung vor allem im Gelände gelegt. Dort zeigte er mit seinem 18 Jahre alten Wallach fischerChipmunk FRH am Samstag eine herausragende Runde. Danach schwärmte der dreimalige Einzel-Olympiasieger von seinem Pferd: Es sei unglaublich kraftvoll, kämpferisch und galoppiere außergewöhnlich.

Über die 24 Hindernisse wirkte das Paar beinahe mühelos, auch im Springen blieb Jung makellos. Als letzter Starter behielt er die Nerven und sicherte sich gleich zwei Medaillen. Danach jubelte er im WDR-Interview: „Das ist gigantisch.“ Zugleich zeigte er sich tief dankbar, ein solches Pferd reiten zu dürfen.

Krajewski schwärmt von Chipmunk

Für besondere Emotionen sorgte auch Julia Krajewski. „Ich heule schon die ganze Zeit“, sagte die überglückliche Teamkollegin. Über Jungs Erfolgspferd, das sie früher selbst geritten ist, meinte sie, dem müsse eigentlich ein Denkmal gesetzt werden.

Zugleich verhinderte Jung in Aachen die Wiederholung eines bitteren WM-Erlebnisses von vor vier Jahren. In Rocca di Papa hatte er mit Chipmunk im Springen zwei Abwürfe und dadurch die große Chance auf Einzel-Gold verloren. Damals gewann Deutschland immerhin Mannschafts-Gold.

Werth setzte in ihrer Kür voll auf Angriff

Schon am Samstagabend hatte Werth in Aachen für Begeisterung gesorgt – auch wenn es am Ende nicht zu Gold reichte. Die erfolgreichste Reiterin der Geschichte belegte Rang drei und zeigte sich mit Bronze zufrieden.

Mit Blick auf ihre Titelchance räumte Werth ein, dass sie selbst nicht wirklich daran geglaubt habe, ganz nach vorn zu kommen. Ihr Ziel sei deshalb vor allem gewesen, noch einen Platz auf dem Podium zu erreichen. Entsprechend habe für sie nur die Devise gegolten: Flucht nach vorn und „Risiko, Risiko, Risiko“.

Dieser mutige Ansatz zahlte sich aus. Die rund 40.000 Zuschauer in Aachen feierten Werth schon während der letzten Passagen ihrer Kür lautstark. Nach dem Auftritt gab es stehende Ovationen und minutenlangen Applaus. Werth betonte anschließend, wie sehr sie von der Atmosphäre im Stadion getragen worden sei.

Eine weitere Medaille für die Rekordsammlung

Mit Bronze baute Werth ihre beeindruckende Bilanz weiter aus. Zum Abschluss der Dressur-Wettbewerbe in Aachen gewann sie ihre insgesamt 14. WM-Medaille, zehn davon in Gold.

Über ihre eigene Statistik verliere sie inzwischen selbst manchmal den Überblick, sagte sie gut gelaunt. Darum wolle sie sich „demnächst“ noch kümmern – wichtig sei das aber nicht.

Flutlicht, Gänsehaut und Fußball-Stimmung

Viel bedeutender seien für Werth die Emotionen und der sportliche Kampf. Sie habe nichts unversucht gelassen, sagte sie, und genau das habe sich großartig angefühlt – auch wenn ihr früh klar gewesen sei, dass es wohl nicht für den Sieg reichen würde.

Besonders schwärmte sie von der Stimmung im Stadion. Unter Flutlicht habe in Aachen eine Atmosphäre geherrscht, die eher an ein Fußballspiel erinnert habe. Zwei Jahrzehnte nach dem viel gefeierten Pferdesport-Sommermärchen bei der WM 2006 an gleicher Stelle erlebte Werth erneut einen Abend, der ihr in Erinnerung bleiben dürfte.

Fry und Glamourdale erneut nicht zu schlagen

Selbst Isabell Werth musste schmunzeln, als Charlotte Fry nach ihrem Triumph sagte: „Vor Isabell habe ich immer Angst.“ Der Satz der britischen Dressurreiterin sorgte für großes Gelächter im Stadion. Fry hatte nach ihrem Ritt noch bangen müssen, weil mit Werth ausgerechnet die erfolgreichste Reiterin der Geschichte als letzte Starterin noch um Gold kämpfte.

Fry erklärte, dass bei einem Auftritt von Werth immer alles möglich sei. Diesmal reichte es für die Deutsche jedoch nicht ganz nach vorn. Die alte und neue Weltmeisterin brachte das Erlebnis anschließend knapp auf den Punkt: „Das war einfach wow.“

Mit Glamourdale sicherte sich die Britin – wie schon tags zuvor im Grand Prix Special – erneut Gold. Silber ging an die Dänin Cathrine Laudrup-Dufour mit Freestyle.

Fry beschrieb ihre Kür als eines der schönsten Gefühle überhaupt. In diese besondere Atmosphäre einzureiten, sei überwältigend gewesen. Die 40-Jährige ist damit Weltmeisterin von 2022 und 2026. Ihr Pferd Glamourdale habe sich keinen einzigen Fehler erlaubt und „keinen Huf falsch gesetzt“, schwärmte sie.

Hemmer verzichtet auf weiteren Start

Auf einen möglichen weiteren Medaillenkampf verzichtete Katharina Hemmer. Die deutsche Team-Weltmeisterin, die im Grand Prix Special bereits Einzel-Bronze gewonnen hatte, trat in der Kür am Samstagabend nicht an. Als Grund nannte sie eine vorausgegangene Verletzungspause ihres Pferdes Denoix. Unter diesen Umständen sei das Paar nicht so vorbereitet gewesen, wie sie es sich für eine WM-Kür gewünscht hätte.

Für die beiden männlichen deutschen Starter spielte der Kampf um die Medaillen keine Rolle. WM-Debütant Raphael Netz kam mit Camelot auf Platz acht, Frederic Wandres belegte mit Bluetooth Rang 15.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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