Werth holt Bronze in Aachen – Fry verteidigt ihren WM-Titel
Selbst Isabell Werth musste schmunzeln, als Charlotte Fry nach ihrem Triumph sagte: „Vor Isabell habe ich immer Angst.“ Der Satz der britischen Dressurreiterin sorgte für großes Gelächter im Stadion. Fry hatte nach ihrem Ritt noch bangen müssen, weil mit Werth ausgerechnet die erfolgreichste Reiterin der Geschichte als letzte Starterin noch um Gold kämpfte.
Fry erklärte, dass bei einem Auftritt von Werth immer alles möglich sei. Sie wisse genau, wozu die Deutsche fähig sei. Diesmal reichte es für Werth jedoch nicht ganz nach vorn: Die 57-Jährige belegte Rang drei, zeigte sich mit Bronze aber zufrieden.
Werth setzte voll auf Angriff
Mit Blick auf ihre Chancen auf den Titel räumte Werth ein, dass sie selbst nicht wirklich daran geglaubt habe, dass es für Gold reichen würde. Ihr Ziel sei deshalb vor allem gewesen, noch einen Platz auf dem Podium zu erreichen. Entsprechend habe sie alles auf eine Karte gesetzt und sei mit maximalem Risiko geritten.
Dieser mutige Ansatz zahlte sich aus. Die rund 40.000 Zuschauer in Aachen feierten Werth schon während der letzten Passagen ihrer Kür lautstark. Nach dem Auftritt gab es stehende Ovationen und minutenlangen Applaus. Werth betonte anschließend, wie sehr sie von der Atmosphäre im Stadion getragen worden sei.
Eine weitere Medaille für die Rekordsammlung
Mit Bronze baute Werth ihre beeindruckende Bilanz weiter aus. Zum Abschluss der Dressur-Wettbewerbe in Aachen gewann sie ihre insgesamt 14. WM-Medaille, zehn davon in Gold. Über ihre eigene Statistik verliere sie inzwischen selbst manchmal den Überblick, sagte sie gut gelaunt und fügte an, dass das nicht das Wichtigste sei.

Flutlicht, Gänsehaut und besondere Stimmung
Viel bedeutender seien für sie die Emotionen und der sportliche Kampf. Sie habe nichts unversucht gelassen, sagte Werth, und genau das habe sich großartig angefühlt – auch wenn ihr früh klar gewesen sei, dass es wohl nicht für den Sieg reichen würde.
Besonders schwärmte sie von der Stimmung im Stadion. Unter Flutlicht habe in Aachen eine Atmosphäre geherrscht, die eher an ein Fußballspiel erinnert habe. Zwei Jahrzehnte nach dem viel gefeierten Pferdesport-Sommermärchen bei der WM 2006 an gleicher Stelle erlebte Werth erneut einen Abend, der ihr in Erinnerung bleiben dürfte.
Fry und Glamourdale erneut unschlagbar
Die alte und neue Weltmeisterin Charlotte Fry brachte das Erlebnis mit wenigen Worten auf den Punkt: „Das war einfach wow.“ Mit Glamourdale sicherte sich die Britin, wie schon tags zuvor im Grand Prix Special, erneut Gold. Silber ging an die Dänin Cathrine Laudrup-Dufour mit Freestyle.
Fry beschrieb ihre Kür als eines der schönsten Gefühle überhaupt. In diese besondere Atmosphäre einzureiten, sei überwältigend gewesen. Die 40-Jährige, die bereits 2022 Weltmeisterin geworden war, lobte ihr Pferd überschwänglich: Glamourdale habe sich keinen einzigen Fehler erlaubt.
Hemmer verzichtet auf weiteren Start
Auf einen möglichen weiteren Medaillenkampf verzichtete Katharina Hemmer. Die deutsche Team-Weltmeisterin, die im Grand Prix Special bereits Einzel-Bronze gewonnen hatte, trat in der Kür am Samstagabend nicht an. Als Grund nannte sie eine vorausgegangene Verletzungspause ihres Pferdes Denoix. Unter diesen Umständen sei das Paar nicht so vorbereitet gewesen, wie sie es sich für eine WM-Kür gewünscht hätte.
Für die beiden männlichen deutschen Starter spielte der Kampf um die Medaillen keine Rolle. WM-Debütant Raphael Netz kam mit Camelot auf Platz acht, Frederic Wandres belegte mit Bluetooth Rang 15.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber