Der Kölner Dom wird ab dem 1. Juli für Touristen zwölf Euro Eintritt kosten. Mit der neuen Gebühr sollen nach Angaben des Domkapitels die gestiegenen Ausgaben für Pflege, Sicherheit und den laufenden Betrieb des Weltkulturerbes gedeckt werden.
Für Gottesdienstbesucher, Betende und Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins bleibt der Zugang kostenlos. Auch bestimmte Bereiche für Opferlichter und stilles Gebet sollen weiter frei zugänglich sein.
Wer beten möchte, kann den Dom weiterhin über den Nordeingang am Hauptbahnhof betreten und dort einen kleinen Bereich kostenlos nutzen. Für den Zugang über den westlichen Haupteingang ist dagegen ein Ticket nötig, das zur Besichtigung des gesamten Doms berechtigt. Nach Angaben des Domkapitels wird am Nordeingang nicht kontrolliert, ob jemand tatsächlich beten möchte. Man wolle den Menschen vertrauen und keine „Gesinnungsprüfung“ vornehmen. Dompropst Guido Assmann räumte ein, dass das ausgenutzt werden könne. Zugleich sagte er, etwa 99 Prozent der Besucher seien Touristen.
An mehreren Tagen im Jahr soll der Dom für alle kostenfrei bleiben: vom 6. Januar bis zum darauffolgenden Sonntag, außerdem am 1. Mai, am 3. Oktober sowie zur Dreikönigswallfahrt Ende September.
Neu sind auch Details zu den Ausnahmen: Kinder bis 13 Jahre müssen keinen Eintritt zahlen. Das gilt künftig auch für die Turmbesteigung und die Schatzkammer, für die sie bislang bezahlen mussten. Ebenfalls von der Gebühr ausgenommen sind Menschen mit Schwerbehinderung. Ermäßigungen zum halben Preis gibt es für Schüler und ihre Begleitpersonen, Studierende, Auszubildende sowie Menschen mit Sozialpässen in Nordrhein-Westfalen.
Tickets können online sowie an einem Ticketschalter am Roncalliplatz 2 gekauft werden.
Bislang war der große Innenraum des Kölner Doms grundsätzlich kostenlos zugänglich. Eintritt wurde bisher nur für einzelne Angebote wie die Schatzkammer oder den Aufstieg zur Aussichtsplattform verlangt, der zuletzt acht Euro kostete.
Das Domkapitel begründet den Schritt auch mit der wirtschaftlichen Lage. Seit 2019 habe der Dom sechs Jahre in Folge Defizite gemacht. Diese Verluste seien lange aus Rücklagen ausgeglichen worden. Inzwischen sei aber absehbar, dass die Reserven aufgebraucht würden, erklärte Domrendant Clemens van de Ven.
Dompropst Assmann verwies zudem auf die Debatte der vergangenen Wochen. Neben Kritik habe es auch viel Verständnis gegeben. Er zeigte sich überzeugt, dass die neue Regelung den Alltag im Dom spürbar beruhigen und das Gotteshaus wieder stärker als sakralen Raum erfahrbar machen könne.
Die Einführung des Eintrittspreises war bereits Anfang März angekündigt worden und hatte in Köln eine heftige Diskussion ausgelöst. Befürworter verweisen darauf, dass auch andere bekannte Kirchen Eintritt verlangen. So kostet der Besuch der St. Paul’s Cathedral in London für Erwachsene 27 Pfund, für die Westminster Abbey werden 31 Pfund fällig, die Sagrada Familia in Barcelona verlangt 26 Euro. Auch in Deutschland gibt es vergleichbare Beispiele: Für den Berliner Dom werden 15 Euro verlangt, für die Sebalduskirche in Nürnberg fünf Euro.
Es gibt jedoch auch prominente Gegenbeispiele: Notre-Dame in Paris ist trotz der teuren Restaurierung nach dem Brand von 2019 kostenlos zugänglich, ebenso der Petersdom in Rom. Kritiker befürchten deshalb, dass der Kölner Dom seine Rolle als frei zugängliches Herz der Stadt verlieren könnte.
Zu den prominenten Befürwortern des Eintrittspreises zählen laut Domkapitel unter anderem Gerhard Richter und Guido Cantz. Gegen die Gebühr hatten sich dagegen unter anderem Hape Kerkeling, Alice Schwarzer und Karl Lauterbach ausgesprochen.
Zusätzliche Kritik gibt es an der Höhe des Preises. Barbara Schock-Werner, frühere Dombaumeisterin und heutige Vorsitzende des Zentral-Dombau-Vereins, hatte vor der Bekanntgabe betont, wichtig sei ein Eintritt von unter zehn Euro. Nun werden es zwölf Euro.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion