Andy Burnham ist zum neuen Vorsitzenden der britischen Regierungspartei Labour ernannt worden. Der frühere Bürgermeister von Greater Manchester soll am Montag von König Charles III. offiziell mit der Regierungsbildung beauftragt werden und damit neuer Premierminister werden.
Burnham folgt auf Keir Starmer, der bereits im Juni seinen Rücktritt angekündigt hatte. Er war der einzige Kandidat für den Parteivorsitz und gilt nun als zentrale Hoffnung der Labour-Partei, die tiefe Regierungskrise in Großbritannien zu beenden.
In seiner ersten Rede als Parteichef erklärte Burnham, es sei seine Mission, „die Hoffnung zurückzubringen“. Labour könne die Partei sein, „die mehr Macht in die Hände der Menschen legt, Wachstum in jeder Postleitzahl vorantreibt und jedes Herz mit Hoffnung erfüllt“.
Die offizielle Ernennung durch den König ist für Montag vorgesehen. Dann sollen auch die Ministerposten vergeben werden. Burnham wird damit der siebte Regierungschef innerhalb von zehn Jahren. Sein Vorgänger Starmer war gut zwei Jahre nach dem großen Labour-Wahlsieg im Sommer 2024 politisch dramatisch gescheitert.
Burnham dankte seinem Vorgänger ausdrücklich. Starmer habe Labour wieder in die Lage versetzt, das Leben der Menschen zu verändern, sagte er. Auf diesem Fundament wolle er aufbauen. Zugleich kündigte Burnham an: „Ich habe einen Plan“ – und versprach, stets nah an den Menschen zu bleiben.
Zurück zu den Labour-Wurzeln
Burnham will Labour wieder stärker sozialdemokratisch ausrichten. Nach seinen Vorstellungen soll die Partei zu ihren Wurzeln zurückkehren und Menschen sowie Regionen stärker in den Mittelpunkt rücken. Großbritannien habe in den 1980er Jahren politisch und wirtschaftlich falsche Abzweigungen genommen, als politische Macht zentralisiert und wirtschaftliche Macht privatisiert worden sei, sagte Burnham. Er wolle nun einen anderen Kurs einschlagen als in den vergangenen vier Jahrzehnten.
Zugleich versprach er, Labour werde unter seiner Führung wieder klar erkennbar sein. Die Menschen sollten nachvollziehen können, welche politische Linie er verfolge und warum bestimmte Entscheidungen getroffen würden. Unter dem finanziellen Druck der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sowie angesichts des Aufstiegs der Rechtspopulisten hatte Starmer mehrere Entscheidungen getroffen, die in der Partei als Abkehr vom traditionellen sozialen Markenkern gesehen wurden.
Mitentscheidend für das Scheitern der Starmer-Regierung war die dramatische Niederlage bei den Regional- und Kommunalwahlen im Mai. Davon profitierte vor allem die rechtspopulistische Partei Reform UK, die in landesweiten Umfragen teils deutlich vorne liegt. Burnham soll für Labour nun die Wende bringen. Der frühere Minister, der von 2001 bis 2017 im Parlament saß, gilt vielen als charismatischer als Starmer.
Ein Premierminister für alle
Burnham kündigte an, Labour unter seiner Führung geeinter aufzustellen, den Fokus stärker auf praktische Lösungen statt auf interne Spaltungen zu legen und die Zusammenarbeit mit anderen Parteien auszubauen. Er wolle Premierminister „für den Norden und den Süden, den Osten, den Westen, für Schottland, Wales und Nordirland“ sein.
Bereits im August wolle Burnham in allen Teilen des Vereinigten Königreichs unterwegs sein, um Präsenz zu zeigen und den Kontakt zu den Menschen im ganzen Land zu suchen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber