Nordrhein-Westfalen

Geheimes Waffenarsenal: Prozess in Remscheid startet

Versteckte Räume, Hunderte Waffen: Jetzt beginnt der Prozess um eines der größten illegalen Arsenale Deutschlands.

06.07.2026, 04:00 Uhr

Prozessauftakt in Wuppertal

Vor dem Landgericht Wuppertal hat der Prozess um ein außergewöhnlich großes Waffenlager in Remscheid und mutmaßlichen illegalen Handel mit Kriegswaffen mit einem Geständnis begonnen. Der Verteidiger eines 35-jährigen Angeklagten erklärte zum Auftakt, sein Mandant räume die Vorwürfe ein, die Anklage sei insoweit zutreffend.

Der Anwalt des 38-jährigen Mitangeklagten sagte, sein Mandant sei grundsätzlich aussagebereit. Die beiden älteren Angeklagten begrüßten sich auf der Anklagebank nach Gerichtsangaben sehr herzlich. Die Verteidiger des 60-jährigen Hauptangeklagten regten zunächst ein Rechtsgespräch an. Ob und wie sich ihr Mandant einlässt, sollte vom Ergebnis dieses nicht öffentlichen Gesprächs abhängen.

Drei Angeklagte, Haftstrafen bis zu zehn Jahren möglich

Die Staatsanwaltschaft hat drei Männer im Alter von 60, 38 und 35 Jahren angeklagt. Ihnen werden Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz vorgeworfen. Im Fall einer Verurteilung drohen bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe.

Nach dem Rechtsgespräch teilte der Vorsitzende Richter Alexander Schräder mit, welche Strafrahmen das Gericht bei umfassenden Geständnissen für angemessen halten würde: Für den 60-jährigen Hauptangeklagten nannte er sieben bis acht Jahre Haft, für den 38-Jährigen drei Jahre und drei Monate bis vier Jahre sowie für den 35-Jährigen zwei bis drei Jahre Freiheitsstrafe.

Nach Darstellung der Anklage soll der 60-Jährige zahlreiche Kriegswaffen, Schusswaffen und große Mengen Munition zum Weiterverkauf gelagert haben. Ihm wird zudem vorgeworfen, dem 38-jährigen Mitangeklagten sechs Maschinenpistolen und einen Revolver samt Munition verkauft zu haben. Diese Waffen sollen später teils gemeinsam mit dem 35-Jährigen weiterveräußert worden sein.

Rund 300 scharfe Waffen, Handgranaten und fast 100.000 Schuss Munition

Bei den Durchsuchungen in Remscheid stellten Ermittler nach Angaben der Staatsanwaltschaft rund 300 scharfe Schusswaffen sicher. Darunter waren 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen, darunter auch Präzisionsgewehre, 11 Revolver sowie 13 Panzerabwehrwaffen. Hinzu kamen 38 Handgranaten und fast 100.000 Schuss Munition.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft handelt es sich um einen der größten Kriegswaffenfunde der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland. Die Ermittler vermuten als mögliche Abnehmer Kunden aus dem Bereich der organisierten Kriminalität.

Ein Oberstaatsanwalt betonte vor Prozessbeginn zudem die erhebliche Gefahr des Fundes: Mit den sichergestellten Handgranaten und Sprengmitteln hätte man viele Menschen töten oder verletzen können, bis hin zu Amoktaten, Terroranschlägen oder anderen gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Arsenal im Wohnhaus und hinter Geheimtüren

Zum Prozessauftakt verlas ein Oberstaatsanwalt fast eine Stunde lang die Liste der im Haus des Hauptangeklagten entdeckten Gegenstände. Das Spektrum reichte von Pistolen und Revolvern über Maschinenpistolen bis zu Sturmgewehren und Schalldämpfern. Genannt wurden unter anderem Waffen und Teile von Herstellern wie Walther, Mauser, Luger, Beretta, Browning, Sig Sauer, Ceska, Rheinmetall, Colt, Kalaschnikow, Heckler & Koch sowie Smith & Wesson.

Auch Schießstifte, Butterflymesser, Stahlruten, Elektroschock-Taschenlampen und Schlagringe sollen sich in dem Angebot des 60-Jährigen befunden haben. Ein Teil der sichergestellten Waffen war nach Behördenangaben unvollständig oder unbrauchbar, daneben wurden zahlreiche Einzelteile gefunden.

Bereits im Herbst des vergangenen Jahres waren verdeckt eingesetzte Polizisten in einem Gebäudekomplex in der Remscheider Innenstadt zunächst auf eine umfangreiche Sammlung von Militaria und legalen Dekorationswaffen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gestoßen, die wie ein privates Museum wirkte. Dahinter fanden die Ermittler jedoch verborgene Nebenräume mit Zwischenwänden, getarnten Türen und versteckten Schließmechanismen.

Hinter einem Tresor und hinter einer Vitrine lagen nach Ermittlerangaben zwei Geheimtüren, die nur mit einem versteckten Mechanismus geöffnet werden konnten. In einem zusätzlichen Geheimraum im Keller stießen die Beamten hinter einer weiteren Vitrine auf 29 Maschinengewehre und drei Panzerbüchsen. Weitere Munition lag im Hohlraum eines Türrahmens verborgen.

Ermittlungen durch verdeckten Waffenkauf ausgelöst

Ins Rollen kamen die Ermittlungen, nachdem verdeckte Ermittler über einen Mittelsmann einen illegalen Waffenkauf einfädeln konnten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde inzwischen zudem ein Zeuge in Polen ausfindig gemacht, der den umfangreichen Handel, auch mit Kriegswaffen, bestätigt haben soll. Demnach sollen entsprechende Waffen an den Hauptangeklagten verkauft worden sein. Aus Sicht der Ermittler deutet die Aussage sogar auf ein noch größeres Ausmaß des Handels hin.

Der Zugriff auf den Hauptbeschuldigten erfolgte im vergangenen Jahr auf der Autobahn 1 bei Remscheid. Spezialkräfte stoppten seinen Wagen, anschließend durchsuchten rund 200 Einsatzkräfte ab dem 26. Oktober 2025 das Wohnhaus und weitere Bereiche über mehrere Tage hinweg und entdeckten dabei immer neue Waffenverstecke.

Hauptangeklagter hatte Vorwürfe bislang nur teilweise eingeräumt

Während die Staatsanwaltschaft von einem umfangreichen Waffenhandel ausgeht, hatte der 60-Jährige die Vorwürfe vor Prozessbeginn nur teilweise eingeräumt. Nach seinen Angaben sei ein großer Teil der Waffen Teil seiner privaten Sammlung gewesen und nicht zum Verkauf bestimmt. Lediglich einzelne Stücke habe er veräußert.

In einem Raum fanden die Ermittler eine Werkbank sowie Werkzeug, mit dem ältere, unbrauchbar gemachte Waffen möglicherweise wieder schussfähig gemacht worden sein könnten. Dort lag auch eine Maschinenpistole. Der Hauptangeklagte ist ausgebildeter Kfz-Mechaniker und verfügt nach früheren Angaben über Kenntnisse als Büchsenmacher.

NS-Relikte entdeckt, kein Hinweis auf rechtsextreme Gesinnung

Im Keller des Gebäudekomplexes wurden außerdem Hakenkreuz-Flaggen, SS-Uniformen und weitere Relikte aus der NS-Zeit sowie aus der früheren Sowjetunion gefunden. Der Staatsschutz wurde eingeschaltet, stellte nach bisherigen Angaben jedoch keine Anhaltspunkte für eine rechtsextreme Gesinnung des 60-Jährigen fest.

Das Bundeskriminalamt bewertet den illegalen Waffenhandel als eines der größten Risiken für die innere Sicherheit in Deutschland. Für das Verfahren sind bis zum 23. September zehn Verhandlungstage angesetzt. Fortgesetzt wird der Prozess am 15. Juli. Für alle Angeklagten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen