Nordrhein-Westfalen

Dom-Eintritt in Köln: So fällt das Urteil am ersten Tag

Premiere mit Pannen und Fragen: Wie reagierten die ersten zahlenden Dom-Besucher – und wie chaotisch lief der Start vor Ort?

01.07.2026, 14:31 Uhr

Eintritt im Kölner Dom startet mit kleinen Pannen

Kurz vor 10 Uhr betraten am Morgen die ersten zahlenden Besucher den Innenraum des Kölner Doms. Eine Ukrainerin namens Julia und ihr Sohn, die derzeit in Istanbul leben, waren damit die ersten Gäste, die für den Zutritt ein Ticket lösen mussten. Dass der Dom zuvor immer kostenlos zugänglich gewesen war, wussten sie nach eigenen Angaben nicht. Den neuen Preis empfand Julia dennoch als angemessen: Für ein so beeindruckendes Bauwerk sei er fair.

Mit dieser Einschätzung standen sie nicht allein da. Auch der US-Tourist Michael hielt den Eintritt für mehr als gerechtfertigt. Solche historischen Gebäude zu erhalten, koste viel Geld und viel Arbeit, sagte er. In den USA gebe es nichts Vergleichbares, betonte er mit Blick auf Alter und Architektur des Doms.

Ähnlich äußerte sich Julian aus Malta. In vielen Ländern sei es üblich, für den Erhalt bedeutender Kirchen einen Beitrag zu leisten. Sein Ticket hatte er vorab online gekauft, der Zugang verlief für ihn ohne Schwierigkeiten.

Ganz reibungslos lief der Start allerdings nicht. Zum Beginn der Einlasskontrollen um 10 Uhr bildete sich eine kleine Warteschlange. Ursache waren unter anderem Probleme beim Scannen der Tickets. Nach einer kurzen Anlaufphase entspannte sich die Lage jedoch schnell.

Dompropst Guido Assmann räumte ein, dass nicht von Beginn an alles perfekt funktioniere. Unter anderem müssten noch weitere Schilder mit klaren Hinweisen angebracht werden. Solche Startprobleme seien aber normal und würden sich mit der Zeit einspielen.

Verwirrung gab es zunächst auch bei Besuchern, die zum Beten in den Dom wollten. Eine Kölnerin versuchte, den Haupteingang zu nutzen, obwohl der kostenlose Zugang dafür nur über den Nordeingang auf der Seite des Hauptbahnhofs möglich ist. Sie wurde entsprechend dorthin verwiesen.

Auch am Nordeingang kam es zeitweise zu Schlangen. Mitarbeitende mussten dort immer wieder erklären, wer zum Haupteingang oder zum Ticketportal gehen müsse. Wer angab, ausschließlich beten oder eine Kerze anzünden zu wollen, wurde weiterhin ohne Ticket hereingelassen. Das Domkapitel hatte im Vorfeld betont, man wolle keine Kontrolle der Beweggründe durchführen, sondern setze auf Vertrauen.

Über den kostenlosen Nordeingang ist allerdings nur ein kleiner, begrenzter Bereich des Doms zugänglich. Im Innenraum berichtete ein Besucher, eine Frau habe eine Absperrung überklettert, offenbar um den restlichen Teil der Kirche ohne Ticket zu besichtigen. Assmann sprach dabei von einem Einzelfall und zeigte sich überzeugt, dass sich die große Mehrheit an die Regeln halten werde.

Im frei zugänglichen Bereich war nach Beobachtungen vor Ort tatsächlich vor allem Andacht zu sehen. Insgesamt wirkte die Atmosphäre im Dom ruhiger als sonst, auch der Besucherandrang fiel offenbar geringer aus als noch am Vortag.

Ein Grund dafür könnte sein, dass einige Menschen den Dom bewusst noch am Tag zuvor besucht hatten, um den vorerst letzten kostenlosen Eintritt zu nutzen. So machte es auch ein Ehepaar aus der Region Frankfurt. Der Mann empfand zwölf Euro als eher zu hoch. Seine Frau zeigte dagegen Verständnis: Der Dom müsse unterhalten werden, und auch im Ausland zahle man häufig Eintritt.

Ulrike aus Süddeutschland sah das ähnlich. Bei einem so monumentalen Bauwerk sei ein Beitrag grundsätzlich nachvollziehbar. Trotzdem hatte auch sie den Dom noch am Vortag kostenlos besucht. Als Christin fände sie es überlegenswert, ob Kirchenmitglieder, die Kirchensteuer zahlen, weiterhin freien Eintritt erhalten sollten.

Ein Kölner mittleren Alters zeigte zwar Verständnis dafür, dass grundsätzlich Geld verlangt wird, hielt aber insbesondere den Preis von zwölf Euro für zu hoch. Die Kirche verweise zwar auf hohe Unterhaltskosten, sei seiner Meinung nach jedoch selbst wohlhabend.

Der große Innenraum des Kölner Doms war bislang stets kostenfrei zugänglich. Gebühren wurden bisher nur für Angebote wie die Schatzkammer oder den Aufstieg zur Aussichtsplattform erhoben. Das Domkapitel hatte jedoch bereits vor einigen Monaten mitgeteilt, dass seit 2019 Defizite entstanden seien und man deshalb auf zusätzliche Einnahmen angewiesen sei.

Skeptisch äußerte sich ein Touristenführer, der gelegentlich auch Gruppen durch den Dom begleitet. Für Familien mit wenig Geld könne der Besuch nun schwierig werden, sagte er. Gerade bei mehreren Personen summiere sich der Betrag schnell, sodass sich manche einen Besuch künftig wohl zweimal überlegen würden.

Im Verlauf des Tages wurden nach Angaben von Dompropst Assmann rund 500 Online-Tickets sowie etwa 2.400 Karten an der neuen Zentralkasse verkauft. Die Vor-Ort-Tickets sind am Roncalliplatz 2 auf der Südseite des Doms erhältlich.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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