Microsoft baut seine milliardenschweren Investitionen in Nordrhein-Westfalen weiter aus und plant ein weiteres Rechenzentrum für Künstliche Intelligenz im Rheinischen Revier. In Grevenbroich soll ein zusätzlicher Server-Standort entstehen. Es wäre das vierte Projekt des US-Konzerns in der Region, nachdem bereits 2024 Vorhaben in Bedburg, Bergheim und Elsdorf bekanntgeworden waren.
Für das Projekt in Grevenbroich hat Microsoft nach eigenen Angaben bereits einen Kaufvertrag für ein bislang landwirtschaftlich genutztes Grundstück unterzeichnet. Nach Angaben der Stadt ist die Fläche 23 Hektar groß. Der Vertrag steht allerdings noch unter dem Vorbehalt einer Baugenehmigung. Das Rheinische Revier westlich von Köln befindet sich wegen des Kohleausstiegs in einem tiefgreifenden Strukturwandel.
Zur Höhe der Investition in Grevenbroich nennt Microsoft keine konkrete Summe. Möglich erscheint ein Betrag im hohen dreistelligen Millionenbereich oder sogar rund eine Milliarde Euro. Für die drei bereits 2024 angekündigten Rechenzentrumsprojekte hatte der Konzern insgesamt 3,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Ein Teil davon fließt allerdings auch in die Erweiterung eines bestehenden Microsoft-Standorts in Frankfurt sowie in Schulungsprogramme, die den Umgang mit Künstlicher Intelligenz verbessern sollen.
Betrieb wohl erst in den 2030er Jahren
Für die Standorte in Bedburg und Bergheim liegen die Baugenehmigungen bereits vor, in Elsdorf wird die Freigabe noch erwartet. In Bedburg und Bergheim könnte ein Teilbetrieb bereits 2028 starten. Die drei zuerst geplanten Standorte sollen sich gegenseitig absichern, sodass bei einem Ausfall auf einen anderen Standort zurückgegriffen werden kann. Welche genaue Rolle Grevenbroich in diesem Verbund übernehmen soll, ist bislang noch offen. Wenn alles planmäßig verläuft, könnte das neue Rechenzentrum Anfang der 2030er Jahre in Betrieb gehen.
Nachfrage nach Rechenleistung wächst stark
Mit der fortschreitenden Digitalisierung nimmt die Bedeutung externer Server weiter zu. Gleichzeitig steigen die Datenmengen rasant, und KI-Anwendungen treiben den Bedarf an besonders schneller Datenverarbeitung zusätzlich an. Microsoft richtet seinen Blick dabei vor allem auf Industriekunden aus Nordrhein-Westfalen. Die Entscheidung für einen vierten Standort begründet der Konzern mit der hohen Nachfrage.
Microsoft-Deutschlandchefin Agnes Heftberger bezeichnete Nordrhein-Westfalen als eine strategisch wichtige Region für Cloud- und KI-Angebote. Die Erweiterung in Grevenbroich bedeute zusätzliche Investitionen in die örtliche Infrastruktur sowie in die Menschen, die dort leben und arbeiten.
Tausende Arbeitsplätze möglich
An zwei der bislang bekannten drei Standorte wird damit gerechnet, dass jeweils mehrere hundert direkte Arbeitsplätze für den Betrieb entstehen. Hinzu könnten jeweils rund 2500 Jobs bei weiteren Unternehmen kommen, die sich im Umfeld der Rechenzentren ansiedeln. Auch für Grevenbroich mit seinen rund 69.000 Einwohnern könnte das Projekt zu einem ähnlichen Beschäftigungsschub führen. Für den dritten Standort in Elsdorf wird ebenfalls mit positiven Effekten auf den Arbeitsmarkt gerechnet, die Kommune nennt bislang aber keine konkrete Zahl.
Reaktionen aus Politik und Wirtschaft
Grevenbroichs Bürgermeister Klaus Krützen (SPD) sieht in dem Vorhaben ein wichtiges Signal für das gesamte Rheinische Revier. Der Strukturwandel brauche konkrete Projekte, Investitionen und Zukunftsperspektiven. Zugleich hofft Krützen, dass die Ansiedlung über den Standort hinaus Aufmerksamkeit erzeugt und weitere Unternehmen auf die Stadt aufmerksam macht.
Auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) bewertet die Investitionsankündigung positiv. Sie sieht darin ein Zeichen, dass der Wandel im Rheinischen Revier gelinge. Der Schritt zeige, wie aus dem Ausstieg aus der Kohle neue Perspektiven im Bereich digitaler Infrastruktur und KI entstehen könnten.
KI-Rechenzentren auch anderswo geplant
Nicht nur im Rheinischen Revier laufen Planungen für große KI-Serverstandorte. Im Januar hatte der US-Investor Blackstone ein Projekt im westfälischen Lippetal angekündigt. Finanzkreisen zufolge beläuft sich das Vorhaben auf rund vier Milliarden Euro, die Fertigstellung wird ebenfalls in den frühen 2030er Jahren erwartet. Nach Unternehmensangaben befindet sich das Projekt in der Planungs- und Genehmigungsphase.
Noch größer ist ein Vorhaben in Brandenburg: In Lübbenau will die Schwarz-Gruppe einen KI-Serverstandort im Wert von rund elf Milliarden Euro errichten.
NGO warnt vor Klimarisiken
Während viele politische Akteure solche Projekte begrüßen, gibt es aus Teilen der Zivilgesellschaft auch Skepsis. Kritisch gesehen wird vor allem der hohe Energiebedarf von Rechenzentren. Kilian Vieth-Ditlmann von der NGO Algorithm Watch betont, entscheidend sei, woher die zusätzliche Energie komme und wie effizient sowie nachhaltig die Anlagen betrieben würden. Aus seiner Sicht gefährdet der ungebremste Ausbau weiterer Rechenzentren in Deutschland die Klimaziele.
Er fordert, neue Rechenzentren nur dann zu genehmigen, wenn sie in jeder einzelnen Stunde mit zusätzlich erzeugter erneuerbarer Energie betrieben werden können – und nicht nur rechnerisch im Jahresdurchschnitt.
Microsoft verweist hingegen auf eigene Nachhaltigkeitsansätze. Die Rechenzentren der nächsten Generation sollen unter anderem ein neues Kühlsystem nutzen, das ohne Wasserverdunstung auskommt. Ist der Kühlkreislauf einmal befüllt, müsse nahezu kein Wasser mehr nachgefüllt werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber