Niedersachsen

Trauer um Weinberg: Holocaust-Überlebender stirbt mit 101

Er überlebte Auschwitz und Todesmärsche – jetzt ist Albrecht Weinberg tot. Mit dieser Protest-Aktion sorgte er zuletzt für Aufsehen.

12.05.2026, 19:13 Uhr

Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg ist im Alter von 101 Jahren gestorben. Noch im März hatte er in Leer gemeinsam mit Hunderten Gästen seinen 101. Geburtstag gefeiert – verbunden mit der Premiere des Dokumentarfilms über sein Leben mit dem Titel „Es ist immer in meinem Kopf“. Wie die Stadt Leer mitteilte, starb Weinberg am Dienstag. Zuvor hatte die Ostfriesenzeitung berichtet.

Nach den Worten von Leers Bürgermeister Claus-Peter Horst hatte Weinberg seit seiner Rückkehr aus New York in seine ostfriesische Heimat vor 14 Jahren mit außergewöhnlicher Kraft und großem Einsatz über die Verbrechen der NS-Zeit gesprochen. Immer wieder habe er eindringlich davor gewarnt, die Erinnerung verblassen zu lassen.

Für die Stadt bedeute sein Tod einen schweren Verlust. Nach Angaben der Verwaltung war Weinberg als Kind gemeinsam mit seiner Familie auf Anordnung der Nationalsozialisten unter anderem in Leer zur Viehhalle getrieben worden. Besonders bitter: Der Befehl dazu war einst in jenem Rathaus erteilt worden, in dem Weinberg Jahrzehnte später zum Ehrenbürger ernannt wurde.

Drei Konzentrationslager und mehrere Todesmärsche überlebt

Weinberg überstand die Konzentrationslager Auschwitz, Mittelbau-Dora im Harz und Bergen-Belsen bei Celle sowie mehrere Todesmärsche. Seine jüdische Familie wurde von den Nationalsozialisten fast vollständig ausgelöscht. 2012 kehrte er zusammen mit seiner Schwester aus den USA nach Ostfriesland zurück. Seither sprach er auch an Schulen über den Holocaust und setzte sich bis zuletzt entschlossen gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus ein.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Weinberg als einen Menschen, der sich nach der Shoah mit großer Beharrlichkeit für Freiheit und Demokratie eingesetzt habe. Deutschland schulde ihm dafür tiefen Dank, hieß es in einer Mitteilung. Besonders sein Engagement an Schulen, wo er jungen Menschen von seinem Schicksal berichtete, sei von großer Bedeutung gewesen.

Bundesverdienstkreuz aus Protest zurückgegeben

Weinberg hatte sich in den vergangenen Jahren wiederholt besorgt über den wachsenden Rechtsextremismus in Deutschland geäußert. Nachdem ein Antrag der Union zur Migrationspolitik im Bundestag mit Stimmen der AfD beschlossen worden war, gab er aus Protest sein Bundesverdienstkreuz an den Bundespräsidenten zurück. Steinmeier erklärte nun, dieser Schritt sei schmerzhaft gewesen, habe aber zugleich allen den Auftrag gegeben, sich entschlossen für die Demokratie einzusetzen.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hatte Weinbergs Wirken anlässlich seines 101. Geburtstags hervorgehoben. Weinberg erinnere daran, dass Menschenwürde, Respekt und gegenseitige Verantwortung die Grundlage des Zusammenlebens seien. Sein Einsatz sei zugleich Mahnung, die Erinnerung an die Verbrechen wachzuhalten und sich aktiv für Demokratie, Freiheit und Menschlichkeit starkzumachen.

Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, bezeichnete Weinberg auf der Plattform X als einen Menschen voller Würde, Herzlichkeit, Humor und unerschütterlicher Stärke.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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