Steffen Krach hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe erneut entschieden zurückgewiesen. Der Berliner SPD-Spitzenkandidat erklärte am späten Donnerstagabend, die Anschuldigungen träfen nicht zu. Er sei sehr zuversichtlich, dass die Ermittlungen zeigen würden, dass die Vorwürfe unbegründet seien.
Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Hannover erstmals öffentlich erläutert, worum es in dem Verfahren geht. Demnach besteht ein Anfangsverdacht der Vorteilsannahme in zwei Fällen. Außerdem wird wegen möglicher wettbewerbsbeschränkender Absprachen bei Ausschreibungen ermittelt, verbunden mit dem Verdacht auf Verletzung von Geschäftsgeheimnissen und der Geheimhaltungspflicht.
Krach erklärte dazu, seinem Anwalt sei mitgeteilt worden, dass gegen ihn nur ein einziges Ermittlungsverfahren geführt werde. Im Kern gehe es um zwei Punkte: zum einen um eine Spende eines Unternehmers an den SPD-Landesverband Berlin, die er angeblich bei zwei Gelegenheiten im Zusammenhang mit einem behördlichen Verfahren eingefordert haben soll. Zum anderen gehe es um die behauptete unzulässige Weitergabe eines Bieterangebots als Geschäftsgeheimnis im Zusammenhang mit einem Bieterverfahren für eine Immobilie. Beide Vorwürfe wies Krach erneut zurück.
Ermittlungen mit Bezug zu Hannover
Nach früheren Angaben Krachs stehen die Ermittlungen im Zusammenhang mit seiner Zeit als Präsident der Region Hannover. Wegen seines Wahlkampfs in Berlin hatte er sich ab dem 23. März 2026 von diesem Amt beurlauben lassen. Bereits im Sommer 2025 war er als Spitzenkandidat für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus nominiert worden, die in etwas mehr als einer Woche stattfindet.
Bekannt wurde das Verfahren am Mittwoch. Dabei wurden Krachs Wohnung in Berlin, seine Büroräume in Hannover sowie die Landesgeschäftsstelle der Berliner SPD durchsucht. Laut Staatsanwaltschaft laufen die Ermittlungen seit dem 3. September.
Vor den neuen Angaben der Behörde hatte Krach erklärt, nach seiner Einschätzung gehe es konkret um ein Vergabeverfahren zur Nachnutzung eines Klinikgeländes in der Region Hannover. Als Regionspräsident war er Vorsitzender des Aufsichtsrats der Klinik. Zwei Unternehmen konkurrierten damals um den Zuschlag.
Nach Krachs Darstellung überwies einer der Bieter noch während des laufenden Verfahrens 9.900 Euro an die Berliner SPD, deren kommissarischer Vorsitzender er zu diesem Zeitpunkt bereits war. Er habe die Spende umgehend zurücküberweisen lassen. Dies sei nach seinen Angaben um den Jahreswechsel 2025/2026 geschehen.
Brisant ist der Fall, weil Krach sich im Vergabeverfahren dafür eingesetzt hatte, genau diesem Unternehmen den Zuschlag zu geben. Er begründete das mit seinem Ziel, an dem Standort ein Regionales Gesundheitszentrum aufzubauen, das er der Bevölkerung zugesagt habe. Das von ihm unterstützte Unternehmen habe dies zugesichert und umfangreiche Investitionen in Aussicht gestellt. Der Aufsichtsrat entschied am 19. Februar 2026 jedoch anders und vergab den Zuschlag an den Konkurrenten. Krach erklärte, er habe sich bei der Abstimmung enthalten.
Die Vertragsverhandlungen seien von der Geschäftsführung des Klinikums Region Hannover geführt worden, nicht von ihm selbst, betonte Krach. Mit dem betreffenden Unternehmer habe er nach eigener Aussage keinen persönlichen Kontakt gehabt. Der letzte Austausch liege etwa zwei bis zweieinhalb Jahre zurück. Während des Vergabeverfahrens habe es keinerlei direkten Kontakt gegeben. Nach eigener Darstellung besitzt er nicht einmal dessen Handynummer.
SPD in Umfragen weiter abgeschlagen
Für Krach kommt das Verfahren politisch zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Berliner SPD liegt in Umfragen ohnehin deutlich zurück. In einem am Freitagmorgen veröffentlichten ZDF-Politbarometer Extra kommt die Partei in der Hauptstadt auf 10 Prozent. In einer bereits am Donnerstagabend veröffentlichten Infratest-dimap-Erhebung im Auftrag der ARD waren es 12 Prozent. Damit liegt die SPD nur auf Rang fünf hinter Linken, CDU, AfD und Grünen.
Allerdings wurden die Daten für die ZDF-Erhebung von Montag bis Donnerstag erhoben, die der ARD von Montag bis Mittwoch – also jeweils zumindest teilweise noch vor dem Bekanntwerden der Ermittlungen gegen Krach am Mittwoch.
Aus der SPD erhielt Krach am Donnerstag Unterstützung. Parteichef Lars Klingbeil sagte bei einem Wahlkampftermin in Berlin-Charlottenburg, Krach habe den Rückhalt und die Solidarität der Partei. Er kenne ihn seit vielen Jahren und schätze ihn sehr. Zugleich betonte Klingbeil, die SPD wolle in den verbleibenden zehn Tagen bis zur Wahl noch deutlich aufholen.
Krach selbst setzte seinen Wahlkampf am Donnerstagabend fort. Zunächst trat er bei einer Veranstaltung zur Berliner Bewerbung um die Expo 2035 auf. Später nahm er an einer Diskussionsrunde von „Fridays for Future“ mit der Aktivistin Luisa Neubauer teil. Zu den Vorwürfen äußerte er sich dort nur kurz. An seiner Absicht, den Wahlkampf fortzuführen, änderten die Mitteilungen der Staatsanwaltschaft nach seinen Worten nichts.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber