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Chaos nach Unfall: Polens Fernzüge massiv verspätet

Nach einem Zugunglück legen Polens Lokführer den Bahnverkehr lahm: Warum sie plötzlich jeden Übergang im Schritttempo nehmen.

11.09.2026, 08:13 Uhr

Bummelaktion von Lokführern sorgt in Polen für massive Verspätungen

In Polen hat eine gezielte Langsamfahrt von Lokführern landesweit erhebliche Verspätungen im Bahnverkehr ausgelöst. Nach Angaben der polnischen Bahn PKP waren am Freitagvormittag 90 Prozent der Fernzüge verspätet. Im Schnitt lagen die Züge demnach rund 30 Minuten hinter dem Fahrplan. Zwar endete die Aktion wie angekündigt um 12.00 Uhr, doch vielerorts wirkten sich die Verzögerungen auch danach noch aus.

Offizielle Gründe für die Störungen nannte die Bahn zunächst nicht. Auffällig ist die Lage dennoch, denn anders als in Deutschland gilt der Bahnverkehr in Polen normalerweise als vergleichsweise pünktlich, und Zugausfälle sind eher selten.

Die Lokführergewerkschaft hatte ihre Mitglieder dazu aufgerufen, am Freitag zwischen Mitternacht und Mittag sämtliche Bahnübergänge nur mit 20 Kilometern pro Stunde zu passieren. Hintergrund ist ein schweres Unglück vom Mittwoch: An einem unbeschrankten Bahnübergang prallte ein Intercity mit einem Betonmischer zusammen. Dabei kam eine Frau ums Leben, zehn weitere Menschen wurden verletzt.

Viele ungesicherte Bahnübergänge als Risiko

Auch auf wichtigen Strecken gibt es in Polen zahlreiche Bahnübergänge ohne Schranken. Dort weisen oft nur ein Andreaskreuz und Blinklichter auf herannahende Züge hin. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass es allein im vergangenen Jahr knapp 180 Unfälle an Bahnübergängen gegeben habe.

Gewerkschaftschef Leszek Mietek zog nach der halbtägigen Aktion eine positive Bilanz. Nach seinen Angaben habe der Protest nach vielen vergeblichen Vorstößen endlich die Aufmerksamkeit der Politik auf die Sicherheitsprobleme gelenkt. Für den 2. Oktober sei nun ein Treffen in einem Arbeitskreis mit dem Infrastrukturministerium geplant, bei dem Lösungen erarbeitet werden sollen. Mietek sprach von einem „Akt der Verzweiflung“ und betonte, es sei schlimm, dass erst ein Todesopfer und zahlreiche Verletzte nötig gewesen seien, um Bewegung in die Debatte zu bringen.

Die polnische Bahn hatte angekündigt, rechtliche Schritte gegen Organisationen und Personen zu prüfen, die möglicherweise für die Beeinträchtigungen verantwortlich seien. Mietek wies den Vorwurf eines Streiks zurück. Es habe sich vielmehr um eine Maßnahme gehandelt, die aus Sicht der Lokführer dem Arbeitsschutz diene. Nach polnischem Arbeitsrecht könne ein Beschäftigter eine Tätigkeit verweigern, wenn sie seine Gesundheit gefährde.

Der Gewerkschaftschef erinnerte in diesem Zusammenhang auch an den Lokführer des verunglückten Intercitys. Der Mann liegt nach dem Zusammenstoß mit Brüchen der Wirbelsäule und weiteren schweren Verletzungen weiterhin im Krankenhaus.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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