Dr. Martin Gruber und seine Mutter Lisbeth rollen beim Fanfest von "Der Bergdoktor" am Wilden Kaiser standesgemäß im grünen Mercedes-Oldtimer vor — verkörpert von Hans Sigl und Monika Baumgartner. Schon dieser Auftritt sorgt für die vertraute Stimmung der beliebten ZDF-Reihe, die seit 2008 läuft und aktuell in ihre 20. Staffel geht.
Serienwelt am Wilden Kaiser
Gedreht wird in der Region rund um Ellmau, Going, Söll und Scheffau. Dort liegen die bekannten Schauplätze der Serie: die Praxis von Dr. Gruber, in der er meist nur kurz anzutreffen ist, sowie der Gruberhof, auf dem die Familie gemeinsam Krisen und schöne Momente erlebt. Auch Martin und sein Bruder Hans zieht es dort immer wieder ins familiäre Umfeld zurück.
Zweimal im Jahr lädt die Region zu großen Fantreffen ein. Laut Tourismusverband kommen dabei bis zu 5.000 Besucherinnen und Besucher zusammen, um die Stars der Serie aus nächster Nähe zu sehen. Als Dank gibt es ein abwechslungsreiches Programm mit Musik, Quiz, Selfies, kleinen Späßen, Gewinnaktionen und viel Humor. Auch beim jüngsten Bergfest in Hochsöll ließen sich die Fans vom kühlen Regenwetter nicht abschrecken.
Viel Witz auf der Bühne
Besonders gut kam der Auftritt von Hans Sigl und Mark Keller an. Die beiden lieferten sich auf der Bühne ein temporeiches Zusammenspiel aus Neckereien, Anekdoten, Slapstick und Selbstironie. Keller machte sich dabei auch über seine eigene Laufbahn lustig und spielte humorvoll auf seine Rolle als Dr. Alexander Kahnweiler an, in der er seinen Sinn für Komik regelmäßig zeigen kann.

Monika Baumgartner sprach bei einer lockeren Frühstücksrunde mit drei Fans darüber, dass sie gern noch lange Teil der Serie bleiben würde, sich aber ebenso freue, hin und wieder andere Rollen übernehmen zu können. Ronja Forcher sorgte mit einem Quiz für Unterhaltung und verloste eine gemeinsame Gondelfahrt. Am Ende des Festes wurde außerdem ein "Bergdoktor"-Superfan gekürt — die Gewinnerin war aus Nordfriesland angereist.
Fans aus nah und fern
Die Besucher kamen aus vielen Teilen Deutschlands und sogar darüber hinaus, etwa aus Frankfurt, Passau, Bad Homburg, Halle an der Saale oder der Oberlausitz. Sandra und Tom aus Hannover erzählten, sie hätten ohnehin Urlaub in der Gegend gemacht und sich spontan für das Fest entschieden. Seit Jahren verfolgten sie die Serie regelmäßig. Für sie machen vor allem die interessanten Figuren und die eindrucksvolle Landschaft den Reiz aus. Die Schauspieler einmal live zu erleben, sei für sie etwas Besonderes gewesen.
Bedeutender Faktor für den Tourismus
Für die Region ist "Der Bergdoktor" längst mehr als nur eine Fernsehserie. Vor allem im Sommertourismus spielt das Format eine große Rolle, betonte Philipp Ernsting vom Tourismusverband Wilder Kaiser. Viele Gäste verbinden ihren Aufenthalt mit Besuchen der bekannten Drehorte und einem Urlaub in den Bergen.
Zum Erfolg der Reihe tragen mehrere Elemente bei: emotionale und spannende Geschichten, charmante Figuren, humorvolle Inszenierung, Diskussionen über einzelne Handlungsstränge — und nicht zuletzt die markante Alpenkulisse des Wilden Kaiser.
Vom belächelten Format zum Dauererfolg
Entscheidend für die Entwicklung der Serie ist jedoch auch Hauptdarsteller Hans Sigl. Rückblickend erzählt er, dass anfangs lediglich vier Staffeln geplant gewesen seien. Außerdem habe es einige Zeit gedauert, bis das Publikum die Serie wirklich für sich entdeckt habe. Zu Beginn sei "Der Bergdoktor" stark mit Klischees verbunden gewesen und habe vielen als kitschig gegolten. Erst nach mehreren Staffeln habe sich das Format auch bei jüngeren Zuschauergruppen fest etabliert.
Sigl berichtet zudem, dass es anfangs nicht immer leicht gewesen sei, Schauspielkollegen für Gastrollen zu gewinnen, weil das Image der Serie noch zu angestaubt gewesen sei. Heute habe sich das komplett verändert — inzwischen bekundeten viele selbst Interesse an einem Auftritt. Der Weg dorthin sei allerdings mit viel Arbeit verbunden gewesen.
Als wichtigen Schritt bezeichnet Sigl die Umstellung von 45- auf 90-minütige Folgen. Dadurch hätten sich die Geschichten deutlich besser und ausführlicher erzählen lassen.
Als ihm die Rolle damals angeboten wurde, habe er die Drehbücher der ersten beiden Episoden gelesen und das Projekt sofort reizvoll gefunden. Gleichzeitig habe er von Beginn an versucht, gegen die gängigen Klischees anzuspielen. Mit Erfolg: Wenn Dr. Martin Gruber am Wilden Kaiser unterwegs ist, schalten heute regelmäßig bis zu sieben Millionen Menschen ein.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber