Anklage nach mutmaßlicher jahrelanger Misshandlung in Salzgitter
In Salzgitter soll eine junge Frau über mehrere Jahre hinweg mit brutalen Mitteln misshandelt worden sein. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Braunschweig wurden nun vier Personen angeklagt. Ihnen werden unter anderem schwere Körperverletzung und weitere gravierende Straftaten vorgeworfen.
Bei den Beschuldigten handelt es sich um ein Ehepaar im Alter von 50 und 63 Jahren sowie um die 29-jährige Tochter der Frau und deren 54 Jahre alten Partner. Nach dem Stand der Ermittlungen sollen sie die Frau über rund viereinhalb Jahre körperlich schwer misshandelt und immer wieder erniedrigt haben.
Opfer soll in ein Abhängigkeitsverhältnis geraten sein
Die betroffene Frau war den beiden angeklagten Frauen laut Staatsanwaltschaft seit langer Zeit bekannt und mit ihnen eng verbunden, fast wie in einer Familie. Wegen ihrer Unselbstständigkeit sei sie jedoch zunehmend in eine starke Abhängigkeit geraten.
Den Ermittlern zufolge begannen die beiden Frauen irgendwann, angebliche Fehler wie Unpünktlichkeit mit Gewalt zu ahnden. Dazu sollen Ohrfeigen und Schläge in den Bauch gehört haben. Nach Darstellung der Anklage entwickelten beide ein starkes Bedürfnis, die Frau zu kontrollieren und zu unterwerfen.
Schwere Misshandlungen mit Gegenständen
Für die Übergriffe sollen verschiedene Gegenstände benutzt worden sein, darunter Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hämmer und Nägel. Der Frau sollen dadurch erhebliche Schmerzen zugefügt worden sein. Zudem wirft die Anklage den Beschuldigten vor, ihr Zähne gezogen und Verbrennungen verursacht zu haben. Auch sexualisierte Gewalt soll Teil der Taten gewesen sein.
Nach Angaben der Ermittler fanden die Beschuldigten immer neue Anlässe, um das Opfer zu quälen, zu demütigen oder zu verstümmeln. In mehreren Fällen sollen auch die beiden Männer beteiligt gewesen sein. Die Frau habe sich mit der Zeit in einem gebrochenen und wehrlosen Zustand befunden und kaum noch Schmerzreaktionen gezeigt, offenbar um weitere Misshandlungen zu vermeiden.
33 Fälle in der Anklage
Die Staatsanwaltschaft listet insgesamt 33 Einzelfälle auf, die teils gemeinsam begangen worden sein sollen. Bereits im März war bekannt geworden, dass das Amtsgericht Salzgitter Haftbefehle gegen die drei Familienmitglieder erlassen hatte. Bis auf den Lebensgefährten der Tochter befinden sich die Angeklagten in Untersuchungshaft.
Zu den Vorwürfen haben sie sich bislang nicht geäußert. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Ob es zu einem Prozess kommt, muss nun das Landgericht entscheiden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber