Zwei Tote nach Brand im Krankenhaus Ludwigslust
Beim Brand im Dachstuhl eines Krankenhauses in Ludwigslust nahe Schwerin sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben des Landkreises Ludwigslust-Parchim handelt es sich bei den Opfern um Patienten. Eine weitere Person erlitt eine Rauchgasvergiftung und wurde in ein Krankenhaus nach Schwerin gebracht.
Zunächst hatte die Polizei am frühen Morgen noch von mehr als 30 Verletzten gesprochen. Diese Zahl wurde später deutlich nach unten korrigiert. Hintergrund war laut Behörden, dass in der frühen Einsatzphase zunächst zahlreiche Menschen gemeldet worden waren, die medizinisch untersucht werden sollten. Im Verlauf der Untersuchungen konnten viele jedoch als unverletzt eingestuft werden. Eine vollständige Erfassung aller Betroffenen sei oft erst später möglich, weil Einsatzkräfte zunächst Menschen retten, Verletzte versorgen und Gefahren beseitigen müssten.
Feuer in Zimmer der Gefäßchirurgie ausgebrochen
Nach aktuellen Erkenntnissen brach das Feuer um 4.29 Uhr in einem Patientenzimmer auf der Gefäßchirurgie-Station aus. Dort soll einer der beiden später Verstorbenen gelegen haben, der zweite wohl in einem Nachbarzimmer. Bei einem der Opfer handelt es sich laut Polizei um einen 85 Jahre alten Mann. Der zweite Tote war zunächst noch nicht identifiziert, fest steht aber, dass es sich ebenfalls um einen Mann handelt. Die Angehörigen wurden informiert.
Am Morgen galten die Lage und der Einsatz zeitweise als äußerst dynamisch. Flammen und dichter Rauch waren aus dem Dach des Gebäudes zu sehen.
Gesamte Klinik zunächst geräumt
Patienten und Beschäftigte wurden aus dem Gebäude in Sicherheit gebracht. Nach Angaben von Klinikleiter Alexander Groß war das gesamte Krankenhaus zwischenzeitlich vollständig evakuiert worden. Zum Zeitpunkt des Brandes befanden sich laut aktuellen Angaben etwa 100 Menschen im Gebäude – darunter gut 80 Patientinnen und Patienten sowie rund 20 Mitarbeitende.
Wegen des guten Brandschutzes konnten nicht betroffene Stationen später wieder freigegeben werden. Dort werden inzwischen viele Patientinnen und Patienten weiter versorgt. Einige Patienten wurden in die Partnerklinik nach Hagenow verlegt, weitere Verlegungen im Tagesverlauf wurden nicht ausgeschlossen.
Die Evakuierung habe sehr gut funktioniert, sagte der Klinikleiter. Alles sei ruhig und kontrolliert abgelaufen. Alle Patienten seien versorgt. Zudem seien alle Ärztinnen und Ärzte des Hauses im Einsatz, auch jene ohne regulären Dienst. Für Angehörige wurde eine Hotline eingerichtet: +49 3874 433 502.
Einsatz am späten Vormittag beendet
Am Vormittag standen noch mehrere Feuerwehrfahrzeuge mit Blaulicht vor der Klinik, das Gelände war abgesperrt. Auch Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes waren vor Ort. Das Feuer war zu diesem Zeitpunkt bereits gelöscht, Nachlöscharbeiten liefen jedoch noch. Gegen 11.30 Uhr wurde der Einsatz schließlich für beendet erklärt.
Nach Abschluss der Löscharbeiten suchten Einsatzkräfte mit Drohnen nach möglichen Glutnestern. In der Spitze waren rund 90 Feuerwehrkräfte sowie etwa 40 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz.
Radiologie nicht betroffen – Schäden am Herzkatheter-Labor
Nicht betroffen war nach Angaben des Landkreises die zunächst gefährdete Radiologie der Klinik. Löschwasser beschädigte jedoch die Technik des Herzkatheter-Labors im Stockwerk unter dem Brandherd. Wie groß der Schaden insgesamt ist, soll nun in den kommenden Tagen und Wochen geprüft werden. Die Polizei zieht einen Brandursachenermittler hinzu.
Landrat Stefan Sternberg (SPD) kündigte an, dass innerhalb von 24 Stunden ein Notdach über dem betroffenen Bereich errichtet werden soll. Die Arbeiten sollten noch am Mittag beginnen, um die Funktionsfähigkeit eines zentralen Klinikbereichs möglichst schnell wiederherzustellen. Sternberg sagte, der Brand habe einen Teil des Hauses getroffen, der zur „zentralen Herzkammer“ des Klinikums gehöre – ein schwerer Schlag für einen der modernsten Gebäudeteile.
Schwesig und Drese vor Ort
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Sozialministerin Stefanie Drese (beide SPD) machten sich vor Ort ein Bild der Lage. Schwesig sprach den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus. „Meine Trauer und mein Mitleid gilt den Angehörigen der Opfer“, sagte sie bei einer Pressekonferenz. Zugleich dankte sie den Einsatzkräften und betonte, dass die Stadt einmal mehr gezeigt habe, zusammenzustehen. So habe verhindert werden können, dass noch Schlimmeres passiere.
Auch im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern wurde während der laufenden Sitzung mit einem Moment des Innehaltens an die Verstorbenen erinnert.
Landrat Sternberg sprach von einem sehr schweren Morgen für alle Beteiligten und zeigte sich tief betroffen.
Einziges Krankenhaus der Stadt
Das Klinikum verfügt laut eigener Internetseite über 160 Betten. Es ist das einzige Krankenhaus in Ludwigslust und stellt als Akutklinik unter anderem die Grund- und Regelversorgung in der Region sicher. Gemeinsam mit den Standorten Hagenow und Crivitz gehört es zu den LUP-Kliniken.
Immer wieder tödliche Brände in Kliniken
Brände in Krankenhäusern fordern immer wieder Todesopfer. Im September 2025 starb ein 26-jähriger Patient bei einem Feuer auf einer psychiatrischen Station der Universitätsmedizin Rostock. Im Juni 2025 kamen im Hamburger Marienkrankenhaus drei Patienten im Alter von 84, 85 und 87 Jahren ums Leben, 34 weitere wurden verletzt. Laut Ermittlern hatte dort ein dementer Mitpatient sein Kopfkissen angezündet.
Im Januar 2024 starben bei einem Brand im Klinikum Uelzen in Niedersachsen fünf Menschen. Das Feuer wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft wahrscheinlich von einem psychisch auffälligen Patienten verursacht, der dabei selbst ums Leben kam. Auch in Ludwigslust hatte es bereits in den Jahren 2022 und 2025 gebrannt, zuletzt im August 2025 in einem Serverraum.
Nach Angaben des Bundesverbands Technischer Brandschutz (bvfa) ereigneten sich im Jahr 2025 bundesweit 116 Krankenhausbrände mit vier Todesopfern und 129 Verletzten. Für 2024 registrierte der Verband 114 Klinikbrände mit sieben Todesopfern und 148 Verletzten. Brandstiftung, vorsätzlich oder fahrlässig, ist demnach mit zuletzt rund 50 Prozent der aufgeklärten Fälle die häufigste Brandursache in deutschen Krankenhäusern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber