Bayern

Wagners überraschende Kehrtwende nach Friedman-Absage

Bayreuths Friedman-Ausladung löste einen Eklat aus. Jetzt bricht Festspiel-Chefin Wagner ihr Schweigen.

03.07.2026, 14:54 Uhr

Bayreuther Festspiele: Katharina Wagner räumt Fehler bei Friedman-Ausladung ein

Katharina Wagner, Leiterin der Bayreuther Festspiele, hat die zwischenzeitliche Ausladung von Michel Friedman für eine Gedenkveranstaltung als schweres internes Versäumnis bezeichnet. In der „Süddeutschen Zeitung“ sprach sie von einem erheblichen Mangel an interner Abstimmung und einer „fatalen Fehleinschätzung“. Weitere Details wollte sie nicht nennen, betonte aber, dass die Verantwortung letztlich bei ihr liege. Zugleich erklärte sie, der Vorgang tue ihr „von Herzen leid“.

Für Aufsehen hatte gesorgt, dass Friedman zunächst für eine Gedenkfeier zu Ehren jüdischer Musiker eingeladen worden war, die in der NS-Zeit verfolgt wurden, dann aber wieder ausgeladen wurde. Der Publizist machte den Vorgang selbst öffentlich und äußerte scharfe Kritik. Nach anhaltendem Druck kündigten die Festspiele an, die Veranstaltung nun doch stattfinden zu lassen.

Geplant ist die Gedenkfeier jetzt für den 26. Juli vor der Premiere von Richard Wagners Oper „Rienzi“ im Friedrichsforum in Bayreuth. Allerdings wird Dirigent Christian Thielemann nicht teilnehmen. Zudem seien noch organisatorische Fragen offen.

Wagner: Gedenken soll bewusst in der Eröffnungswoche stattfinden

Wagner sagte der Zeitung, die Veranstaltung müsse bewusst in der Eröffnungswoche stattfinden, also dann, wenn Bayreuth besonders stark im öffentlichen und medialen Fokus stehe. Friedman habe sie eingeladen, weil sie das Jubiläum nicht nur festlich begehen wolle. Zwar biete die 150-jährige Geschichte der Festspiele Anlass zum Feiern, zugleich sei ihr aber auch die problematische Vergangenheit des Hauses und der Familie Wagner sehr bewusst.

Michel Friedman
Publizist Michel Friedman war erst ein- und dann wieder ausgeladen worden. (Archivbild) Quelle: Felix Hörhager/dpa

Von Friedman erwarte sie ausdrücklich eine kritische Rede. Wäre es nur um eine angenehme, unkritische Veranstaltung gegangen, hätte sie ihn nach eigenen Worten gar nicht erst eingeladen.

Absage zunächst aus Sicherheitsgründen intern beschlossen

Die vorübergehende Streichung der Veranstaltung erklärte Wagner damit, dass der kaufmännische Geschäftsführer unter dem Eindruck der eskalierenden internationalen Krisen alle noch nicht veröffentlichten Veranstaltungen zunächst abgesagt habe – darunter auch diese Gedenkfeier.

Sie selbst habe jedoch an dem Termin mit Friedman festhalten wollen. Dass die Veranstaltung nun doch umgesetzt werde, sei deshalb folgerichtig. Rückblickend räumte sie ein, man hätte Friedman frühzeitig informieren und direkt auf ihn zugehen müssen. Die angeführten Sicherheitsbedenken seien dabei keine Anordnung von Behörden gewesen, sondern interne Einschätzungen der Festspiele.

Belastete Geschichte der Festspiele bleibt Thema

Richard Wagner, der Gründer der Bayreuther Festspiele, verfasste antisemitische Texte und äußerte sich wiederholt judenfeindlich. Später galten die Festspiele als eng mit nationalistischen und völkischen Strömungen verbunden, schließlich auch mit dem Nationalsozialismus. Adolf Hitler zählte in Bayreuth zu den regelmäßigen Gästen. Winifred Wagner, die Großmutter der heutigen Festspiel-Chefin und damalige Leiterin, galt als überzeugte Anhängerin Hitlers.

Katharina Wagner betonte, in Bayreuth werde nicht bestritten, dass Hitler Wagner verehrte. Auch deshalb habe man „Rienzi“ ins Programm genommen, um sich dem Werk und seiner historischen Aufladung kritisch zu stellen.

Zugleich sprach sich Wagner für eine weitergehende Aufarbeitung der Familien- und Festspielgeschichte aus. Aus ihrer Sicht sei es wichtig, auch bislang nicht zugängliche historische Unterlagen aus anderen Zweigen der Familie öffentlich verfügbar zu machen. Dass dieses Material bisher nicht ausgewertet werden könne und unklar sei, was dort womöglich noch verborgen liege, empfinde sie als Mangel.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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