Urteil im Münchner Mafia-Prozess: Haftstrafen für zwölf Mitglieder der „Black Axe“
Im bundesweit ersten großen Verfahren gegen die nigerianische Mafia hat das Landgericht München I nach 15 Monaten ein Urteil gefällt. Die zwölf Angeklagten wurden zu Freiheitsstrafen zwischen drei Jahren und vier Monaten sowie achteinhalb Jahren verurteilt. Insgesamt summieren sich die Strafen auf 54 Jahre und sechs Monate.
Nach Überzeugung des Gerichts haben sich alle Beschuldigten im Alter von 34 bis 55 Jahren an der Bildung einer kriminellen Vereinigung beteiligt. Vier von ihnen wurden zusätzlich wegen 37 Fällen schwerer Geldwäsche schuldig gesprochen.
Betrug über vorgetäuschte Liebesbeziehungen
Im Mittelpunkt des Verfahrens stand vor allem die Betrugsmasche des sogenannten Love Scammings. Dabei täuschen Täter ihren Opfern online eine Liebesbeziehung vor, um sie später zur Überweisung von Geld zu bewegen. Nach den Feststellungen des Gerichts stammten die angeklagten Gelder aus solchen Betrugsdelikten, die auch als Romance Fraud bekannt sind.
Im Münchner Prozess wurden zahlreiche Einzelfälle behandelt. Allein eine Frau soll rund 235.000 Euro an Betrüger überwiesen haben, nachdem ihr eine Beziehung vorgegaukelt worden war. Laut Anklage traten die Täter dabei etwa unter erfundenen Identitäten auf, zum Beispiel als angeblich in Syrien stationierter Soldat mit dem Namen „Thomas Meyer“.
Die „Black Axe“-Organisation gilt als Teil der nigerianischen Mafia, deren Mitgliederzahl weltweit auf etwa 30.000 geschätzt wird. Dass die Gruppe auch von Deutschland aus verstärkt aktiv sein soll, wurde erst durch eine großangelegte Razzia im Jahr 2024 breiter bekannt. Nach Angaben des Bayerischen Landeskriminalamts gibt es hierzulande vermutlich eine dreistellige Zahl an Mitgliedern, wobei Bayern als Schwerpunkt gilt.

Der Prozess war äußerst umfangreich: Nach Gerichtsangaben erstreckte er sich über 91 Verhandlungstage. In dem Mammutverfahren mit zwölf Angeklagten und 24 Verteidigern wurden mehr als 150 Zeugen vernommen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber