Mehr als zwei Jahre nach der Entführung der beiden Block-Kinder aus Dänemark sind Christina Block und die zentrale Zeugin aus Israel vor dem Landgericht Hamburg erneut aufeinandergetroffen. Die 53-jährige Unternehmerin saß auf der Anklagebank nur gut einen Meter von der 51-Jährigen entfernt, die im Verfahren unter dem Namen „Olga“ auftritt.
Nach Angaben der Zeugin hatten sich beide im Jahr vor der Tat angefreundet. Auch Christina Block hatte bereits erklärt, die Israelin sei eine Vertraute gewesen. Die 51-Jährige sagte nun vor Gericht: „Wir hatten wirklich eine enge Verbindung miteinander.“
Tränen bei der Schilderung der Vorgeschichte
Die Frau, die nach eigener Aussage damals für eine israelische Cyber-Sicherheitsfirma arbeitete, berichtete auf Englisch von ihrer Rolle rund um die Rückholaktion in der Silvesternacht 2023/24. Sie schilderte auch die Vorgeschichte innerhalb der Familie, darunter den Tod der Großmutter Christa Block und deren Beerdigung.
Als die Zeugin sagte, der Vater Stephan Hensel habe erneut untersagt, dass die Kinder kommen dürften, wurde sie emotional. Unter Tränen sprach sie von der Situation, woraufhin die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt die Verhandlung kurz unterbrach.
Anklage: gewaltsame Entführung aus Dänemark
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll eine israelische Sicherheitsfirma die beiden jüngsten Kinder von Christina Block vom Wohnort ihres Vaters in Dänemark entführt haben. Dabei soll Gewalt angewendet worden sein. Der damals zehnjährige Junge und das 13-jährige Mädchen sollen anschließend auf einen Bauernhof in Baden-Württemberg gebracht worden sein. Von dort aus habe Christina Block die Kinder später nach Hamburg geholt.
Der Tochter des „Block House“-Gründers Eugen Block wird vorgeworfen, den Auftrag für die Entführung erteilt zu haben. Sie weist die Vorwürfe zurück und betont ihre Unschuld.
Die Staatsanwaltschaft sieht die Zeugin selbst als Beschuldigte. Laut Anklage war sie „die rechte Hand“ des Chefs der Sicherheitsfirma. Damit sie in Hamburg aussagen konnte, wurde ihr sicheres Geleit zugesagt.
Observation mit Kameras und Aliasnamen
Die Zeugin sagte, anfangs habe es vor allem darum gegangen, möglichst viele Informationen für ein Verfahren im Sorgerechtsstreit zu sammeln. Das Team habe im Internet recherchiert und zudem zwei Kameras in der Nähe des Hauses in Dänemark installiert. Etwa einen Monat lang seien Live-Bilder zunächst in Tel Aviv und später in Hamburg verfolgt worden.
Außerdem sei man selbst nach Dänemark gefahren, um das Haus zu observieren. Nach Angaben der 51-Jährigen wohnten die mutmaßlichen Entführer 2023 im zur Block-Gruppe gehörenden Hotel Grand Elysée in Hamburg unter falschen Namen. Ihr selbst sei dabei der Aliasname „Doris White“ zugewiesen worden.
Beerdigung der Großmutter als Wendepunkt
Nach Aussage der Zeugin eskalierte die Lage im Sommer 2023, als die Kinder nicht zur Beerdigung der Großmutter kommen durften. Zugleich habe im Umfeld der Beteiligten die Sorge bestanden, der Vater könne mit den Kindern untertauchen.
Eugen Block habe demnach verlangt, dass die Kinder zur Mutter zurückkehrten, und Druck auf den ebenfalls angeklagten Familienanwalt ausgeübt. Dieser habe den Druck an das Team aus Israel weitergegeben. Die Zeugin sagte dazu: „Wir dachten auch, sie sollten bei der Mutter sein.“
Christina Block soll über Plan informiert gewesen sein
Die 51-Jährige belastete Christina Block auch mit Blick auf die eigentliche Rückholaktion. Nach ihrer Aussage habe die Angeklagte gewusst, dass die Kinder aus Dänemark nach Deutschland gebracht werden sollten. Ende Dezember 2023 sei Christina Block bei einem Treffen des Teams im Hotel kurz dabei gewesen und habe eine Tasche mit Dingen übergeben, die den Kindern vertraut gewesen seien.
In der Tasche hätten sich unter anderem ein Teddybär, ein kleines Kissen und ein Pullover befunden. Die Zeugin sagte weiter, Christina Block habe dem Team gedankt sowie Glück und Erfolg gewünscht.
Fahrt zur Grenze in der Silvesternacht
Am 31. Dezember sei sie zusammen mit ihrem Chef in einem Wohnmobil an die dänische Grenze gefahren, berichtete die Zeugin. Auf einem Parkplatz seien sie in zwei Autos umgestiegen und anschließend mit den weiteren Beteiligten zum Wohnort des Vaters gefahren.
Wie die Kinder konkret ergriffen wurden, schilderte die 51-Jährige nicht. Sie sagte aber, den Kindern sei während der Fahrt nach Süddeutschland die von der Mutter vorbereitete Tasche gegeben worden. Zudem habe man ihnen erklärt, dass sie zu ihrer Mutter gebracht würden.
Erst Ablehnung, dann Nähe auf dem Bauernhof
Während der stundenlangen Fahrt habe das Team viel mit den Kindern gesprochen. Nach Aussage der Zeugin habe die 13-Jährige gesagt: „Ich will nicht mehr Deutsch sprechen, ich hasse Deutschland, ich hasse meine Mutter!“
Am folgenden Tag sei es auf dem Bauernhof zum ersten Treffen von Christina Block mit ihren Kindern nach mehr als zwei Jahren gekommen. Zunächst habe sie durch die Tür etwas Streit gehört, sagte die Zeugin. Später sei es still geworden. Als die Tür wieder aufgegangen sei, hätten Mutter und Kinder eng beieinander auf dem Bett gesessen und glücklich gewirkt. Die Entwicklung habe sich erstaunlich schnell verändert, ließ die Zeugin über eine Dolmetscherin mitteilen.
Nach der Abreise von Christina Block mit den Kindern nach Hamburg seien sie und die übrigen Teammitglieder nach Israel zurückgekehrt. Seitdem habe sie Christina Block nicht mehr gesehen.
Prozess mit sieben Angeklagten wird fortgesetzt
Die Befragung der Zeugin soll in der kommenden Woche von Mittwoch bis Freitag fortgesetzt werden. Christina Blocks Verteidiger Ingo Bott kündigte an, seine Mandantin werde sich zu einem späteren Zeitpunkt zu der Aussage erklären.
In dem Verfahren gibt es insgesamt sieben Angeklagte. Auch Blocks Lebensgefährte, der frühere Sportmoderator Gerhard Delling, steht wegen Beihilfe vor Gericht und bestreitet die Vorwürfe. Das Gericht wies zudem einen Antrag von Verteidigern zweier Angeklagter zurück, ihre Mandanten wegen der Belastung des langen Verfahrens von der Anwesenheitspflicht zu befreien.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion