Fußball

St. Pauli stürzt ab – Wolfsburg darf weiter träumen

Drama am Millerntor: St. Pauli stürzt nach dem 1:3 gegen Wolfsburg ab – der VfL klammert sich an die Relegations-Hoffnung.

16.05.2026, 17:30 Uhr

St. Pauli steigt nach Niederlage gegen Wolfsburg ab – Fans trösten, Umbruch zeichnet sich ab

Der Traum vom Bundesliga-Verbleib ist für den FC St. Pauli geplatzt, während der VfL Wolfsburg weiter auf die Rettung hoffen darf. Zwei Jahre nach dem Aufstieg muss der Kiezclub nach dem 1:3 (0:1) im direkten Duell mit den Niedersachsen den Gang in die 2. Bundesliga antreten. Wolfsburg sicherte sich am letzten Spieltag zumindest den Platz in der Relegation.

Besonders bewegend wurde der Abschluss am Millerntor nach dem Schlusspfiff: Die Ehrenrunde geriet für St. Pauli zur emotionalen Abschiedsrunde. Während die Spieler niedergeschlagen an den Tribünen vorbeigingen, spendeten die Fans Trost und stimmten „You’ll never walk alone“ an.

Große Enttäuschung bei St. Pauli

Vor 29.546 Fans im ausverkauften Millerntor brachte Konstantinos Koulierakis die Gäste in der 37. Minute in Führung. Nach dem Seitenwechsel sorgte der eingewechselte Abdoulie Ceesay (57.) zwar für den Ausgleich, doch ein unglückliches Eigentor von St.-Pauli-Keeper Nikola Vasilj (64.) stellte die Weichen endgültig auf Wolfsburger Erfolg. Christian Eriksen vergab in der 77. Minute sogar noch einen Handelfmeter, als er nur die Latte traf. Dzenan Pejcinovic machte mit dem 3:1 (80.) alles klar.

Nach dem Abpfiff war die Niedergeschlagenheit bei den Hamburgern deutlich zu sehen. Einige Spieler lagen oder saßen erschöpft und fassungslos auf dem Rasen, Trainer Alexander Blessin versuchte zu trösten. Abwehrchef Hauke Wahl stand mit gesenktem Kopf und Tränen in den Augen auf dem Feld, während von den Rängen „St. Pauli, St. Pauli“ zu hören war.

„Ich glaube, dass die Fans einfach einen unfassbaren Job gemacht haben, nicht nur in den letzten Jahren, sondern vor allem in dieser Saison“, sagte Wahl. Der Schmerz über den Abstieg sei enorm: „Es tut unfassbar weh.“ Blessin sprach von „totaler Leere“ und sagte: „Es tut weh.“ Auch Kapitän Jackson Irvine zeigte sich tief getroffen, blieb aber selbstkritisch: „26 Punkte sind nicht genug für die Liga. Wir waren nicht gut genug.“

Gute Leistung beim Bundesliga-Abschied

Dabei hatte St. Pauli lange ordentlich dagegengehalten. Nach einer eher verhaltenen Anfangsphase entwickelte sich ab der 20. Minute ein offenes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Auch nach der Pause begegneten sich beide Mannschaften lange auf Augenhöhe. Erst mit dem 1:3 machte sich bei den Gastgebern spürbar Resignation breit.

Wolfsburg muss in die Relegation

Das 0:2 des 1. FC Heidenheim gegen Mainz 05 änderte an der Lage der Nordclubs nichts mehr. Heidenheim steigt als Tabellen-17. zusammen mit Schlusslicht St. Pauli ab. Wolfsburg, Heidenheim und St. Pauli waren punktgleich in den letzten Spieltag gegangen.

Für den VfL geht die Saison nun in die Verlängerung. Am Donnerstag und an Pfingstmontag kämpft das Team gegen den Dritten der 2. Bundesliga um den letzten freien Platz in der kommenden Bundesliga-Saison. Als Gegner kommen die SV Elversberg, Hannover 96 oder der SC Paderborn infrage.

VfL-Trainer Dieter Hecking wollte sich unmittelbar nach dem Spiel noch nicht mit dem möglichen Gegner beschäftigen. Mit Blick auf seine Vergangenheit räumte er aber ein, dass er Hannover 96 lieber aus dem Weg gehen würde.

Abstieg kommt nicht überraschend

So schmerzhaft der Abstieg auch ist, völlig unerwartet kam er nicht. Zwar ging St. Pauli punktgleich mit Wolfsburg und Heidenheim in den finalen Spieltag, doch sowohl die Tordifferenz als auch die Formkurve sprachen gegen die Hamburger. Die Niederlage gegen den VfL war bereits das zehnte Spiel in Serie ohne Sieg. Schon in der Hinrunde hatte es eine Phase mit neun Niederlagen nacheinander gegeben.

Bemerkenswert war, dass die Vereinsführung um Präsident Oke Göttlich und Sportchef Andreas Bornemann trotz der Krise an Trainer Blessin festhielt. In einer ähnlichen Situation hätten andere Bundesligisten wohl längst einen Trainerwechsel vollzogen.

Blessin konnte den Trend nicht mehr drehen

In der Vorsaison hatte Blessin mit begrenzten Mitteln noch den Klassenerhalt geschafft und den Verein nach dem Aufstieg erstmals seit 1996 in der Bundesliga gehalten. In dieser Spielzeit lief jedoch vieles gegen den FC St. Pauli.

Mit nur 29 Treffern stellte der Club die schwächste Offensive der Liga. Zwar wurden etliche schnelle Spieler für Umschaltsituationen geholt, doch ein echter Torjäger fehlte. Im Winter wurde auf dieses Problem nicht mehr reagiert.

Hinzu kam, dass die Defensive nicht mehr so stabil war wie noch 2024/2025. Damals kassierte St. Pauli nur 41 Gegentore, diesmal waren es 18 mehr. Auch Verletzungen warfen das Team immer wieder zurück. Wichtige Spieler wie Kapitän Irvine fehlten über längere Zeit.

Umbruch nach dem Abstieg erwartet

Nach dem Abstieg steht dem Kiezclub nun ein größerer Neustart bevor. Vieles deutet darauf hin, dass sich die Wege von Verein und Trainer Blessin trennen werden, auch wenn Präsident Göttlich vor dem Spiel noch betont hatte, es gebe keine anderen Signale. Blessin selbst sagte nach Abpfiff lediglich, dass Gespräche geführt würden – in diesem Moment sei das für ihn aber kein Thema.

Die vergangenen beiden Jahre im Abstiegskampf haben sichtbare Spuren hinterlassen. Blessin hatte selbst zuletzt eingeräumt, wie viel Kraft ein solcher Kampf koste. Auf dem Bundesliga-Trainermarkt dürften nach Saisonende mehrere Stellen frei werden, und der 52-Jährige wird bereits mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht.

Auch im Kader drohen Abgänge

Nicht nur auf der Trainerbank könnte sich viel verändern. Auch der Kader dürfte nach dem Abstieg auseinanderbrechen. Leistungsträger wie Irvine, Torwart Vasilj, Abwehrchef Hauke Wahl oder Defensiv-Allrounder Eric Smith, der gegen Wolfsburg krank fehlte, dürften nur schwer zu halten sein.

Bei Vasilj ist der Abschied sogar schon konkret: Der Torwart kündigte an, dass die Partie gegen Wolfsburg nach „fünf wunderbaren Jahren“ sein letztes Spiel für den FC St. Pauli gewesen sei. Kapitän Irvine will den Weg dagegen weiter mitgehen und künftig vorangehen.

Auf Sportchef Andreas Bornemann warten damit schwierige Wochen. Wahrscheinlich muss er einen neuen Trainer suchen, den Kader neu aufbauen und die Voraussetzungen schaffen, damit St. Pauli künftig wieder Grund zum Feiern hat – dann allerdings in der 2. Bundesliga.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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