Bayern

Darum wächst Bayerns Bevölkerung weiter

Trotz niedriger Geburtenrate wächst die Bevölkerung weiter kräftig – vor allem dank Zuzug aus dem Ausland. Besonders im Süden des Freistaats schießen die Einwohnerzahlen überraschend deutlich nach oben.

27.04.2026, 12:54 Uhr

Bayerns Einwohnerzahl wird nach einer aktuellen Vorausberechnung in den kommenden 20 Jahren weiter steigen – allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden. Wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in Fürth mitteilte, soll die Bevölkerung im Freistaat von 13,25 Millionen Menschen im Jahr 2024 auf 13,53 Millionen im Jahr 2044 anwachsen. Das entspräche einem Plus von 2,1 Prozent.

Herrmann verwies dabei auch auf Standortvorteile des Freistaats. Bayern habe mit 4,2 Prozent im März 2026 die niedrigste Arbeitslosenquote aller Bundesländer. Auch bei Ausländern mit 9,0 Prozent und bei ausländischen Frauen mit 10,0 Prozent liege der Freistaat bundesweit vorn. Zudem sei die Kriminalitätsbelastung im Ländervergleich am niedrigsten; in München, Nürnberg und Augsburg falle sie laut Herrmann sogar geringer aus als in allen anderen deutschen Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern.

Wachstum vor allem im Süden

Das Wachstum verteilt sich jedoch nicht gleichmäßig. Besonders im Süden Bayerns wird mit einem kräftigen Anstieg gerechnet. Vor allem Schwaben, Niederbayern und Oberbayern legen den Prognosen zufolge deutlich zu. Auch für Mittelfranken und die Oberpfalz werden leichte Zuwächse erwartet. Dagegen dürfte die Einwohnerzahl in Unterfranken und Oberfranken sinken, allerdings nicht so stark, wie noch vor einem Jahrzehnt angenommen wurde.

In der Landeshauptstadt München soll die Bevölkerung bis 2044 um 4,7 Prozent auf 1,58 Millionen Menschen steigen. Der benachbarte Landkreis Erding gewinnt demnach 4,9 Prozent. Auch mehrere Städte wachsen weiter: Regensburg um 3,3 Prozent, Erlangen um 4,1 Prozent, Augsburg um 3,8 Prozent und Nürnberg immerhin noch um 0,6 Prozent.

Die Staatsregierung versucht nach Angaben Herrmanns, der Konzentration auf Ballungsräume mit ihrer Ansiedlungspolitik entgegenzuwirken. Rund 2.500 Arbeitsplätze seien bereits aus dem Raum München in andere Regionen verlagert worden, bis 2030 sollen weitere 2.500 folgen.

Unterschiedliche Entwicklung in Oberfranken

Gerade in Oberfranken zeigt sich ein sehr differenziertes Bild. Während sich Städte wie Bamberg und Coburg sowie der Landkreis Forchheim mit moderaten Verlusten von unter einem Prozent vergleichsweise stabil halten, fällt der Rückgang im Osten der Region deutlich stärker aus. Der Landkreis Wunsiedel verliert laut Berechnung 8,7 Prozent, die Stadt Hof 4,4 Prozent und der Landkreis Hof 6,2 Prozent.

Insgesamt betrifft der Schrumpfungsprozess nach Angaben des Statistischen Landesamts rund 23 Prozent der 2.056 Gemeinden in Bayern. Mehr als ein Drittel der Kommunen wächst, der Rest bewegt sich in etwa um die Nulllinie.

Ohne Zuwanderung würde Bayern schrumpfen

Gleichzeitig reicht die Zahl der Geburten nicht aus, um die Sterbefälle auszugleichen. Nach Angaben Herrmanns starben 2024 in Bayern rund 144.100 Menschen, während etwa 114.000 Kinder geboren wurden. Ohne Zuwanderung aus anderen Bundesländern und dem Ausland würde die Bevölkerung bis 2044 um mehr als sechs Prozent schrumpfen.

Seit Jahren ziehen deutlich mehr Menschen nach Bayern als den Freistaat verlassen, wobei der größte Teil der Zuzüge aus dem Ausland kommt. Besonders hoch war der Nettozuzug ausländischer Staatsangehöriger im Jahr 2022 mit 217.255 Personen. 2025 lag dieses Plus dagegen nur noch bei 22.599 – der niedrigste Wert seit mehr als zehn Jahren. Ein wesentlicher Grund für den außergewöhnlich hohen Wert von 2022 dürfte die Flucht vieler Ukrainerinnen und Ukrainer nach Deutschland gewesen sein.

Weniger Kinder, deutlich mehr Ältere

Zum wachsenden Problem könnte nach Einschätzung des Ministeriums die Altersstruktur werden. Bis 2044 wird die Zahl der unter 20-Jährigen in Bayern voraussichtlich um 38.000 sinken. Besonders stark fällt der Rückgang zunächst bei den Kleinsten aus: Die Zahl der Kinder unter sechs Jahren soll bis 2029 um 61.000 auf 688.000 zurückgehen, bevor sie sich später wieder etwas erholt. Nach Einschätzung Herrmanns dürfte sich damit die Betreuungssituation in den Kitas eher entspannen.

Zugleich altert die Bevölkerung deutlich. Das Durchschnittsalter steigt in den Ballungsräumen um 1,5 Jahre auf 44,8 Jahre, im ländlichen Raum auf 46,9 Jahre. Die Zahl der Menschen über 67 Jahre nimmt bis 2044 um 687.000 zu. Dann werden auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter 41 Rentner kommen. 2024 lag dieses Verhältnis noch bei 100 zu 30.

Die Bevölkerungsentwicklung hat damit weitreichende Folgen – etwa für Renten, Kinderbetreuung, Pflege und die Krankenhausplanung. Während Bayern insgesamt moderat wächst, stehen viele Regionen zugleich vor den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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