Berlin

Trotz Terrorangst: So wild wird die Hitze-Parade

Nach der CSD-Tragödie steigt in Berlin die nächste Mega-Party – mit massivem Polizeischutz. Warum es plötzlich ganz still wird.

15.08.2026, 17:20 Uhr

„Rave The Planet“ in Berlin: Zehntausende feiern trotz Hitze – 39 Festnahmen, Polizei spricht von störungsarmem Verlauf

Trotz großer Hitze und angespannter Sicherheitslage haben im Berliner Tiergarten Zehntausende Menschen bei der Technoparade „Rave The Planet“ gefeiert. Bei Temperaturen um die 35 Grad tanzten die Besucher auf der Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule stundenlang zu elektronischer Musik.

Die Veranstaltung, die offiziell als Demonstration unter dem Motto „Imagine Love“ angemeldet ist, gilt als erste Großveranstaltung in dem Bereich seit dem islamistischen Anschlag am Rande des Christopher Street Day vor drei Wochen. Entsprechend hoch waren die Anforderungen an Polizei und Organisatoren: Neben dem Schutz vor möglichen Gefahren spielte auch die Belastung durch die extreme Hitze eine zentrale Rolle.

Polizei mit großem Aufgebot im Einsatz

Für die Parade galten verschärfte Sicherheitsmaßnahmen. Rund 1.500 Polizeikräfte waren im Einsatz. Zusätzlich überwachte ein Hubschrauber das Geschehen aus der Luft, auch Drohnen sollten zur Absicherung der bis in den Abend laufenden Veranstaltung eingesetzt werden.

Im Umfeld des Tiergartens wurden zahlreiche Straßen und Wege gesperrt, teils zusätzlich durch Poller gesichert. Polizeikräfte patrouillierten zu Fuß und zu Pferd durch das Gelände. Auch der Nahverkehr war eingeschränkt: Die S-Bahn hielt nicht mehr am Brandenburger Tor, ebenso wurden die U-Bahnhöfe Brandenburger Tor und Bundestag nicht bedient.

Schweigeminute erinnert an die Opfer

Die Veranstalter rechneten mit bis zu 300.000 Teilnehmern. Nach Angaben der Polizei waren gegen 17.30 Uhr bereits Zehntausende Menschen vor Ort. Bevor die Musik richtig einsetzte, wurde es jedoch zunächst still: Mit einer Schweigeminute gedachten die Menschen der Opfer des jüngsten Terroranschlags.

Bei der Auftaktkundgebung rief Dr. Motte alias Matthias Roeingh, Mitbegründer von „Rave The Planet“, dazu auf, an Liebe zu denken – für sich selbst und für andere. Daraus könne, so seine Hoffnung, vielleicht sogar ein Beitrag zum Weltfrieden entstehen.

Auch andere Redner setzten Zeichen der Solidarität. Julia Miosga vom Berliner CSD-Verein appellierte an die Menschen, mutig zu bleiben und Haltung zu zeigen. Anna-Maria Seifert vom Karneval der Kulturen betonte die Stärke Berlins, wenn Menschen gemeinsam zusammenkämen.

Anschlag im Tiergarten wirkt nach

Am 25. Juli war es am Rande des CSD in Berlin zu einem islamistischen Attentat gekommen. Nachdem tagsüber noch Hunderttausende am Brandenburger Tor gefeiert hatten, raste am Abend ein Täter in einem Waldstück im Tiergarten mit einem Van in eine Menschengruppe und griff danach mutmaßlich mit einer Machete weitere Menschen an. Eine Frau kam ums Leben, mindestens 31 Menschen wurden teils schwer verletzt. Einen Tag später wurde der Angreifer von der Polizei erschossen.

Viele Besucher der Technoparade hatten diese Ereignisse noch im Kopf. Dennoch wollten sie sich die Stimmung nicht nehmen lassen, Gemeinschaft erleben und bewusst ein positives Signal setzen.

Kampf gegen die Hitze

Neben der angespannten Sicherheitslage machte vor allem das Wetter den Menschen zu schaffen. Zwar wurden im Schatten etwa 35 Grad gemessen, auf dem Asphalt rund um den Großen Stern und auf der Straße des 17. Juni war es jedoch noch deutlich heißer.

Für etwas Erfrischung sorgte die Polizei mit einem Wasserwerfer nahe der Siegessäule, der regelmäßig Wasser in die Menge sprühte. Auch einige der Musik-Trucks verteilten kühlenden Wassernebel. Zusätzlich halfen Schläuche mit feinen Öffnungen dabei, die Feiernden abzukühlen. Viele versorgten sich außerdem mit reichlich Getränken.

Veranstalter mahnen zur Vernunft

Schon vorab hatten die Organisatoren die Besucher aufgefordert, auf sich selbst zu achten. Ellen Dosch-Roeingh erklärte, man könne niemandem Vorschriften machen, sondern nur an die Vernunft der Menschen appellieren.

Am Abend zog die Polizei eine erste positive Bilanz. Die Veranstaltung sei gemessen an der hohen Teilnehmerzahl bislang „störungsarm“ verlaufen, hieß es von einem Sprecher. Bis zum Veranstaltungsende gegen 22.00 Uhr wurden nach Polizeiangaben 39 Menschen vorübergehend festgenommen.

Demnach gab es vereinzelt Straftaten, darunter Betrugsdelikte, Beleidigungen, Bedrohungen, gefährliche Körperverletzungen sowie Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Parallel lief in Berlin auch eine „Fuckparade“, die sich nach Angaben der Veranstalter gegen Kommerzialisierung und die Verdrängung von Subkulturen richtete. Daran beteiligten sich laut Polizei in der Spitze etwa 3.000 Menschen. Größere Störungen wurden zunächst nicht bekannt.

Feuerwehr: Lage noch recht entspannt

Auch die Berliner Feuerwehr sprach am Abend von einer noch recht entspannten Lage. Bis etwa eine Stunde vor dem Ende der Parade habe es Einsätze im niedrigen zweistelligen Bereich gegeben, bei denen Menschen vom Rettungsdienst in umliegende Kliniken gebracht wurden.

Die Feuerwehr verstärkte ihren Einsatz wegen der Veranstaltung deutlich: Zu den regulär rund 600 Kräften kamen laut Sprecher Vinzenz Kasch weitere 200 Helfer hinzu, viele davon ehrenamtlich. Außerdem war ein Sanitätsdienst des Veranstalters vor Ort, dazu sollten fünf Unfallhilfestellen bereitstehen.

Im vergangenen Jahr hatte es bei der Veranstaltung, damals bei Regen, zahlreiche medizinische Einsätze gegeben. Nach Angaben der Feuerwehr handelte es sich dabei meist um typische Probleme bei Großveranstaltungen, oft im Zusammenhang mit Alkohol oder Drogen.

Viel Wasser, Schatten und Elektrolyte

Für viele Besucher galt deshalb vor allem ein Motto: viel trinken, möglichst Wasser. Zahlreiche Raver zogen sich zwischendurch in den Schatten der Bäume im Tiergarten zurück. Manche hatten auch Wasserspray dabei.

So berichteten Conny und Julia aus Köln, sie hätten große Mengen Wasser im Rucksack. Die Abkühlung durch den Wasserwerfer fanden sie großartig – selbst wenn dabei der Glitzer im Gesicht in Mitleidenschaft gezogen werde.

Auch Frank und Nicolas aus Frankreich setzten auf Wasser und Elektrolyte. Frank, der schon bei der früheren Loveparade dabei war, betonte, dass es bei dem Event um weit mehr als nur Feiern gehe: Es sei auch ein Ausdruck von Kultur und Liebe zur elektronischen Musik.

Melanie aus Solingen entschied sich wegen der Temperaturen für ein glitzerndes Bikini-Outfit, das an eine Discokugel erinnern sollte. Ihre Begründung: Wenn es so heiß werde, sei weniger Stoff einfach mehr.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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