Berlin

Hammer-Auktion: Brunnen aus Kolbe-Museum bringt 4 Millionen

Vor seiner Villa stand einst dieser Brunnen – nun offenbart er ein NS-Verbrechen. Jetzt wurde das Raubgut zurückgegeben.

04.06.2026, 21:56 Uhr

Tänzerinnen-Brunnen von Georg Kolbe in Berlin für vier Millionen Euro versteigert

Der sogenannte Tänzerinnen-Brunnen von Georg Kolbe, der bislang im Garten des Georg Kolbe Museums in Berlin zu sehen war, ist bei der Sommerauktion des Hauses Grisebach für vier Millionen Euro verkauft worden. Damit lag der Zuschlag deutlich über der ursprünglichen Schätzung von 1 bis 1,5 Millionen Euro. Das Werk aus Bronze und Travertin stammt aus dem Jahr 1922 und gilt als NS-Raubgut.

Das Museum im Berliner Westend musste den Brunnen deshalb an die Erben der früheren Eigentümerfamilie zurückgeben. Unmittelbar nach der Auktion blieb offen, wer das Kunstwerk erworben hat und ob es weiterhin im Garten des Museums stehen kann.

Früherer Besitzer starb nach Deportation

Nach Angaben des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf hatte Kolbe den Brunnen einst für die Villa von Heinrich Stahl geschaffen. Stahl war Direktor der Victoria-Versicherung und später Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. In der NS-Zeit wurde seine Familie gezwungen, das Haus, vor dem der Brunnen stand, weit unter Wert zu veräußern.

Heinrich Stahl und seine Ehefrau Jenny wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert. Heinrich Stahl überlebte das Konzentrationslager nicht. Seine Frau überstand die Verfolgung und wanderte nach dem Krieg in die USA aus.

Der Enkel Werner Stahl hatte 2001 zwar auf Ansprüche auf den Brunnen verzichtet. Später stellte sich jedoch heraus, dass dieser Schritt nicht für die gesamte Familie galt. Das Georg Kolbe Museum bot daraufhin an, das Werk vollständig an die Erbengemeinschaft zurückzugeben.

Zunächst Rückgabe, danach Verkauf

Das Museum erklärte, sein vorrangiges Ziel sei eine faire und gerechte Lösung gemeinsam mit den Nachfahren des ursprünglichen Eigentümers gewesen. Dieses Ziel sei erreicht worden, nachdem die Erben von Heinrich Stahl das Restitutionsangebot angenommen hätten.

Anschließend entschieden sich die Erben dafür, den Brunnen in Berlin versteigern zu lassen. Das Museum hatte bereits vorab mitgeteilt, dass eine eigene erfolgreiche Teilnahme an der Auktion kaum möglich sei, da weder ein Ankaufsetat noch andere finanzielle Mittel zur Verfügung stünden.

Neuer Höchstwert für ein Kolbe-Werk

Schon im vergangenen Jahr hatte Grisebach mit der Skulptur Stehende Frau von Georg Kolbe einen Rekord erzielt: 1,4 Millionen Euro. Nach Angaben des Auktionshauses war das damals der höchste Preis, der bis dahin für eine Skulptur des Künstlers bezahlt worden war. Mit den nun erzielten vier Millionen Euro wurde dieser Wert klar übertroffen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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