Bayern

Quaggamuschel im Chiemsee: Jetzt wird’s ernst

Unsichtbare Gefahr im Chiemsee? Die Quaggamuschel breitet sich rasant aus – jetzt soll ein Monitoring Folgen für Fische klären.

05.10.2026, 04:23 Uhr

Die Quaggamuschel breitet sich im Chiemsee weiterhin deutlich aus. Um die Auswirkungen auf das dortige Ökosystem genauer zu erfassen und daraus auch Schlüsse für andere Seen in Oberbayern zu ziehen, wollen der Bezirk Oberbayern, die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und die Fischereigenossenschaft Chiemsee ein wissenschaftliches Beobachtungsprogramm einrichten. Wie der Bezirk mitteilt, hat der Bezirksausschuss dem Vorhaben am 1. Oktober zugestimmt.

Im Rahmen des Monitorings sollen unter anderem die Bestandsdichte der Muscheln in unterschiedlichen Tiefen, der Chlorophyll- und Sauerstoffgehalt des Wassers sowie mögliche Folgen für die Fischpopulationen untersucht werden. Der Start des Projekts ist nach aktuellem Stand für Anfang 2027 vorgesehen. Finanziert werden soll es mit Fördermitteln der Regierung von Oberbayern.

2024 erstmals im Chiemsee nachgewiesen

Erst 2024 wurde die Quaggamuschel erstmals im Chiemsee festgestellt. Mittlerweile gibt es auch Nachweise im Starnberger See und im Simssee. Im Ammersee wurden außerdem genetische Spuren der invasiven Art gefunden. Da die Muschel große Mengen Plankton aus dem Wasser filtert, kann sie das Nahrungsgefüge heimischer Arten stark verändern. Nach Angaben des Bezirks könnten insbesondere Jungfische und die Renke darunter leiden.

Appell an Wassersportler

Die ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum stammende Muschel breitet sich seit geraumer Zeit in europäischen Binnengewässern aus. Als wichtigster Übertragungsweg gilt der Wassersport, weil Larven und Jungtiere leicht in Restwasser oder an feuchter Ausrüstung haften bleiben. Die Art vermehrt sich sehr stark, verdrängt einheimische Organismen und kann zudem Wasserleitungen sowie Bootsantriebe beeinträchtigen.

An vielen Seen werden Wassersportler deshalb bereits dazu aufgefordert, ihre Ausrüstung – vom Schlauchboot bis zur Tauchausrüstung – vor jedem Wechsel in ein anderes Gewässer sorgfältig zu prüfen. Wichtig ist dabei, Restwasser vollständig zu entfernen, das Material abseits des Ufers heiß abzuspülen und es vor dem nächsten Einsatz mindestens fünf Tage trocknen zu lassen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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