Wolf Biermann greift Israels Regierung scharf an
Der Liedermacher Wolf Biermann hat sich anlässlich der Veröffentlichung seiner Tagebücher deutlich gegen das Vorgehen der israelischen Regierung im Gazastreifen gestellt. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur sagte er, bei den aktuellen Handlungen handle es sich zwar nicht um einen Genozid, sehr wohl aber um ein Kriegsverbrechen – „ohne Wenn und Aber“. Das schmerze viele Menschen weltweit, ihn jedoch „doppelt und dreifach“.
Biermann hat jüdische Wurzeln, seine Familie wurde im Holocaust ermordet. Entsprechend scharf fiel seine Kritik an Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dessen Regierung aus.
Scharfe Vorwürfe gegen Netanjahu
Nach Biermanns Worten lebten die „schlimmsten und gefährlichsten Antisemiten“ derzeit in Israel selbst. Mit Blick auf Netanjahu und dessen Kabinett sagte er, sie seien dabei, das Land in einen „reaktionären, brutalen Unterdrückerstaat“ zu verwandeln. Seine Hoffnung auf ein demokratisches, menschliches Israel sei dahin.
Mit Bezug auf Goethes Faust II sprach Biermann zudem von „Lemuren“ in Israel. In dem Werk sind das Totengeister, die dem Teufel dienen.
Tagebücher zur Frankfurter Buchmesse
Am 7. Oktober stellt Biermann auf der Frankfurter Buchmesse unter dem Titel „Ihr löscht das Feuer mit Benzin“ Auszüge aus seinen Tagebuchaufzeichnungen vor. Darin beschäftigt er sich vor allem mit seiner Zeit in der DDR sowie mit den Jahren nach seiner Ausbürgerung bis zum Fall der Mauer 1989.
Der Künstler wird am 15. November 90 Jahre alt. Einen Tag später, am 16. November, jährt sich seine Ausbürgerung aus der DDR zum 50. Mal.
Bücher, Alben und Filmstart
Aus diesem Anlass erscheinen neben den Tagebüchern auch ein Lyrikband und ein neu aufgelegtes Kinderbuch. Zudem veröffentlicht Biermann zwei neue Musikalben und geht auf Tournee.
Außerdem feiert am 29. Oktober der biografische Dokumentarfilm „Biermann“ des Regisseurs Jens Meurer Premiere.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber