Verstappen hadert vor dem Heimrennen von Red Bull
Von Heimspiel-Stimmung ist bei Max Verstappen vor dem Grand Prix von Österreich in Spielberg nichts zu spüren. Der viermalige Formel-1-Weltmeister machte deutlich, dass Red Bull derzeit vor allem ein zentrales Problem hat: die fehlende Leistung des Autos. Entsprechend liege der volle Fokus darauf, den Wagen spürbar zu verbessern.
Neben den sportlichen Sorgen belasten den Niederländer auch die anhaltenden Diskussionen über seine Zukunft. Kurz vor dem Rennen am Sonntag (15.00 Uhr/Sky) berichtete die englische Daily Mail über angeblich laufende Gespräche mit McLaren. Im Raum steht demnach sogar ein möglicher Cockpit-Tausch mit Oscar Piastri, möglicherweise schon 2027. Verstappen, derzeit nur WM-Siebter und in dieser Saison noch ohne Sieg, wird seit Längerem mit einem vorzeitigen Abschied von Red Bull in Verbindung gebracht.
Ein Wechsel zu McLaren gilt in den Gerüchten auch deshalb nicht als völlig aus der Luft gegriffen, weil sein engster Vertrauter Gianpiero Lambiase dort anfangen soll.
Kein klares Bekenntnis über das Saisonende hinaus
Verstappens Manager Raymond Vermeulen hatte zuletzt betont, dass man den gemeinsamen Weg mit Red Bull grundsätzlich fortsetzen und Verstappens Karriere idealerweise dort beenden wolle – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass das Team weiter in der Lage ist, Rennen zu gewinnen.
Medien spekulieren, dass Verstappen Red Bull zum Jahresende verlassen könnte, falls er bis zum Start der Sommerpause nicht mindestens Rang zwei in der WM belegt. Bei nur noch vier ausstehenden Läufen bis dahin erscheint dieses Ziel angesichts des Rückstands auf Spitzenreiter Mercedes und Verstappens aktueller Position im Klassement fast unerreichbar.
Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies versuchte in Spielberg zu beruhigen. Er sagte, er frage Verstappen nicht jede Woche nach dessen Zukunft, und verwies darauf, dass der Niederländer intern klargemacht habe, weitermachen zu wollen. Gleichzeitig sei aber ebenso klar, dass Verstappen ein konkurrenzfähiges Auto erwartet. Angst vor einem Abschied seines Topfahrers habe er nach eigener Aussage derzeit nicht.
Vermeulen bestätigte zwar erneut, dass es eine Ausstiegsklausel gibt, nannte aber keine Details. Solche Regelungen habe es schon früher gegeben, gezogen worden seien sie jedoch nie. Man sei Red Bull stets loyal geblieben und wolle das auch künftig sein. Trotzdem fehlt weiterhin ein uneingeschränktes Bekenntnis Verstappens über das Saisonende hinaus. Sein Anspruch bleibt eindeutig: Er will nicht Teil des viertbesten Teams sein, sondern wieder ganz vorne angreifen.
Red Bull liegt nur noch außerhalb der Top Drei
In der Konstrukteurswertung rangiert Red Bull nach den tiefgreifenden Regeländerungen nur noch hinter Mercedes, Ferrari und McLaren. Zwar wurde der Rückstand zur Spitze zuletzt etwas kleiner, doch Verstappen weiß, wie schwierig gerade der letzte Schritt zurück in den Kampf um Siege ist.
Trotz zahlreicher personeller Abgänge bescheinigte er seinem Team, mit hoher Intensität zu arbeiten. Intern werde alles darangesetzt, das Auto schneller zu machen. Das Problem: Auch die Konkurrenz legt im Saisonverlauf weiter zu. Red Bull muss daher nochmals deutlich nachbessern, wenn der eigene Starfahrer langfristig gehalten werden soll.
Bleibt Mercedes überhaupt eine realistische Alternative?
Schon im vergangenen Jahr war über einen möglichen Wechsel Verstappens zu Mercedes spekuliert worden. Ob das weiterhin eine ernsthafte Option ist, bleibt offen. George Russell erklärte in Spielberg jedenfalls, dass er auch 2027 für den deutschen Hersteller fahren werde.
Kimi Antonelli gilt ohnehin als gesetzt. Der erst 19 Jahre alte Italiener führt nach fünf Siegen in sieben Rennen die Gesamtwertung an und wird klar als Zukunftsfigur der Silberpfeile gesehen.
Hoffnung auf das größte Upgrade des Jahres
Auf dem Red-Bull-Ring hat Verstappen bereits vier Grand Prix und drei Sprintrennen gewonnen. Angesichts der aktuellen Formkrise und erwarteter Temperaturen von bis zu 36 Grad erscheint ein weiterer Erfolg am Wochenende allerdings eher unwahrscheinlich.
Immerhin bringt Red Bull nach eigenen Angaben ein umfangreiches Entwicklungspaket an den RB22 – das bislang größte Upgrade des Jahres. Verstappen hofft, dass sich die Neuerungen direkt positiv auswirken.
Seit inzwischen elf Saisons fährt er für den Rennstall und hat in dieser Zeit 71 Siege sowie 48 Polepositions geholt.
Verstappen vermisst das echte Racing
Der Niederländer wirkt derzeit wenig gelöst. Vor allem mit dem neuen Energie-Management fremdelt er weiterhin. Regeländerungen verlangten zwangsläufig eine andere Herangehensweise beim Fahren, erklärte er.
Sein eigener Anspruch ist jedoch unverändert: Verstappen will wieder kompromisslos attackieren, das Maximum aus dem Auto holen und seine Rivalen unter Druck setzen. Gerade weil ihm das im Moment nicht gelingt, schweift sein Blick schon zu anderen Rennen.
Besonders gern würde er an diesem Wochenende auch beim traditionsreichen 24-Stunden-Rennen von Spa fahren. Verstappen sagte, er habe bereits angeregt, die Veranstaltung im kommenden Jahr möglichst nicht auf ein Formel-1-Wochenende zu legen.
Seine Begeisterung für Einsätze im Langstreckensport bleibt ungebrochen. Am Aufwand habe sich für ihn im Grunde nichts geändert – nur die Erfolgserlebnisse fehlen derzeit. Ganz auf Spa verzichten muss er aber nicht: In drei Wochen gastiert die Formel 1 selbst in Spa-Francorchamps in den Ardennen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber