150 Jahre Bayreuther Festspiele: Das sollte man zum Jubiläum wissen
Die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth genießen seit jeher einen Ruf von internationalem Rang – auch wegen, vielleicht sogar gerade wegen ihrer besonderen Eigenheiten. Wer kein ausgesprochener Opernfan ist, zum 150-jährigen Jubiläum aber dennoch mitreden möchte, sollte diese Punkte kennen. Am Samstag, 25. Juli, beginnt die neue Festspielsaison.
Anstrengend, eng und oft sehr heiß
Ein Opernhaus, das ausschließlich einem einzigen Komponisten gewidmet ist, bleibt bis heute eine Ausnahmeerscheinung. In Bayreuth orientiert man sich noch immer stark an Richard Wagners ursprünglichen Vorstellungen. Dazu gehört auch ein Umstand, den viele Besucher unmittelbar zu spüren bekommen: Eine Klimaanlage gibt es nicht.
Wenn draußen hochsommerliche Temperaturen herrschen, wird der Aufenthalt im Festspielhaus schnell zur schweißtreibenden Angelegenheit. Ob Abendgarderobe oder festliches Make-up – nach einiger Zeit geraten alle an ihre Grenzen. Immerhin trifft es dort jeden gleichermaßen, ganz unabhängig davon, ob man prominenter Gast oder langjähriger Sparer für ein teures Ticket ist.
Auch der Sitzkomfort hält sich in Grenzen. Die Reihen sind eng, viel Bewegungsfreiheit gibt es nicht. Wer zu oft verrutscht oder raschelnd nach einem Bonbon greift, muss mit missbilligenden Blicken rechnen. Für viele Besucher ist ein Wagner-Abend schließlich beinahe eine ernste Zeremonie.
Berühmt für den besonderen Klang
Was Bayreuth weltweit berühmt gemacht hat, ist vor allem die außergewöhnliche Akustik des Festspielhauses. Der Klang wirkt, als komme er aus dem ganzen Raum – tatsächlich stammt er aus dem verdeckten Orchestergraben, der für ein einzigartiges Hörerlebnis sorgt.

Hinzu kommt der bewusst schlicht gehaltene Zuschauerraum. Ablenkung soll möglichst vermieden werden, damit die volle Aufmerksamkeit der Musik und der Bühne gilt. Für Sängerinnen, Sänger und Dirigenten ist diese besondere Klangwelt allerdings auch eine Herausforderung. Dirigent Christian Thielemann beschrieb das einmal sinngemäß so, dass man in Bayreuth ganz anders hören müsse als anderswo.
Bayreuth war und ist Familiensache
Die Geschichte der Festspiele ist eng mit der Familie Wagner verknüpft. Streit, Machtkämpfe und Rivalitäten gehörten dort immer wieder dazu. Dass die Festspiele heute eine feste Institution sind, war zu Richard Wagners Lebzeiten keineswegs selbstverständlich. Erst seine Witwe Cosima Wagner sorgte dafür, dass aus dem Projekt eine dauerhafte Einrichtung wurde.
Bis heute standen Nachfahren des Komponisten an der Spitze des Festivals, derzeit ist es seine Urenkelin Katharina Wagner. Die Besetzung dieser Position war in der Familie immer wieder Anlass für Konflikte, aber auch für Versöhnungen. Gerade diese starke Bindung an die Gründerfamilie gilt vielen als Besonderheit Bayreuths.
Allerdings hat sich das Machtgefüge verändert. Bund und Freistaat Bayern reden inzwischen maßgeblich mit. Nach Einschätzung von Beobachtern wird Katharina Wagner zwar öffentlich als Gesicht der Festspiele wahrgenommen, tatsächlich aber haben die staatlichen Geldgeber erheblichen Einfluss.
Ein weiteres Detail: Bis in dieses Jahr hinein hatte auf dem Grünen Hügel keine Regisseurin gearbeitet, die nicht den Namen Wagner trug. Nur Cosima und Katharina Wagner inszenierten dort bislang. Zum Jubiläum ändert sich das mit Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka, die sich mit "Rienzi" beschäftigen.
Treffpunkt für Politik und Prominenz
Die Ankunft der Ehrengäste zur Premiere gehört in Bayreuth traditionell zum Spektakel. Auch wenn der Glamour nicht an große Filmfestivals heranreicht, ist die Aufmerksamkeit jedes Jahr groß. In der Vergangenheit sorgten Namen wie Charles III., Michail Gorbatschow oder Königin Silvia von Schweden für Gesprächsstoff.
Heute kommen die bekanntesten Gäste vor allem aus der deutschen Politik. Angela Merkel machte als bekennende Wagner-Liebhaberin die Festspiele über Jahre zu einem festen Termin. Olaf Scholz verzichtete auf einen Besuch, Bundeskanzler Friedrich Merz wird dagegen bereits zum zweiten Mal erwartet. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zählt regelmäßig zu den Gästen.
Beim Programm bleibt Bayreuth streng
Große inhaltliche Vielfalt sucht man in Bayreuth nicht. Der Spielplan ist traditionell eng gesteckt, denn aufgeführt werden im Kern nur Werke Richard Wagners. Ein Vorstoß, das Festival stärker zu öffnen und etwa auch Humperdincks "Hänsel und Gretel" einzubeziehen, stieß deshalb vor zwei Jahren auf viel Unverständnis.
Zum festen Repertoire gehören der vierteilige "Ring des Nibelungen", "Der fliegende Holländer", "Lohengrin", "Tannhäuser", "Tristan und Isolde", "Die Meistersinger von Nürnberg" und "Parsifal".
Gerade "Parsifal" nimmt in Bayreuth eine Sonderstellung ein. Das Werk zählt zu den meistgespielten Opern der Festspiele, nicht zuletzt, weil es bis Ende 1913 ausschließlich dort aufgeführt werden durfte. Wagner hatte das Spätwerk eigens für Bayreuth geschaffen und bestimmt, dass es nur an diesem Ort gespielt werden solle. Erst nach Ablauf der Schutzfrist fiel dieses Monopol weg – sehr zum Ärger der Familie.
In seltenen Fällen wird das Programm erweitert. Zum 150. Jubiläum erklingt am Samstag, 25. Juli, auch Beethovens Neunte. Außerdem feiert am Sonntag, 26. Juli, Wagners frühe Oper "Rienzi" Premiere. Nach Angaben der Verantwortlichen soll das jedoch eine Ausnahme bleiben; ab dem kommenden Jahr kehrt Bayreuth wieder zum gewohnten Kanon zurück.
Wer mit Wagner noch nicht allzu vertraut ist, muss sich nicht gleich durch alle Textbesonderheiten kämpfen. Für Einsteiger eignen sich oft schon die Ouvertüren – oder das große Finale des "Ring", wenn auf der Bühne alles in Flammen aufgeht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber