Wadephul wirbt in Afrika für mehr deutsche Investitionen – und macht trotz Krisen Mut
Johann Wadephul hat in Lagos einen für einen Außenminister eher ungewöhnlichen Termin absolviert: In Nigerias Wirtschaftsmetropole traf er Influencerinnen und Influencer, darunter einen Musiker, einen Kulturunternehmer und eine Filmemacherin. Auf die Frage, was sie mit Deutschland verbinden, nannten die jungen Kreativen unter anderem die Berlinale und die Berliner Fashion Week.
Für Wadephul war das ein passender Anknüpfungspunkt. Nach dem Gespräch sagte er, Europa und Deutschland könnten vom Ideenreichtum dieser Generation viel lernen.
Der Außenminister reist derzeit durch Mauretanien, Nigeria und Südafrika und wird dabei von Wirtschaftsvertretern begleitet. Sein Treffen in Lagos nutzte er auch für einen Appell an deutsche Unternehmen: Wer in Afrika investieren wolle, müsse flexibler werden. Wadephul setzt damit auch auf dem Kontinent auf eine Außenpolitik, die wirtschaftliche Interessen stärker einbezieht.
Afrika gilt ihm als Kontinent der Chancen. Es ist bereits seine dritte Reise dorthin in diesem Jahr. Nach Besuchen in Kenia und Äthiopien im Januar sowie in Marokko im April warb er nun erneut für mehr deutsches Engagement. Seine Botschaft fiel deutlich aus: Politik und Wirtschaft müssten beweglicher werden. „Alle müssen sich bewegen. Alle müssen flexibler werden. Und das gilt auch für die deutsche Wirtschaft“, sagte er. Wer heute nicht in Afrika präsent sei, riskiere entscheidende Chancen zu verpassen.
Warum Afrika für die Bundesregierung wichtig ist
Neue Märkte erschließen
Vor dem Hintergrund der protektionistischen Handels- und Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump sucht die Bundesregierung weltweit nach zusätzlichen Wirtschaftspartnern. Nigeria steht dabei besonders im Fokus: Mit mehr als 240 Millionen Einwohnern ist das Land Afrikas bevölkerungsreichster Staat, verfügt über den größten Binnenmarkt des Kontinents und zählt zu seinen größten Volkswirtschaften. Wegen des niedrigen Durchschnittsalters gilt Nigeria zudem als vielversprechender Zukunftsmarkt.
Bereits heute ist Nigeria nach Südafrika der zweitwichtigste Handelspartner Deutschlands in Subsahara-Afrika. Rund 80 deutsche Unternehmen sind dort vertreten, größere neue Investitionen blieben zuletzt aber aus.
Rohstoff- und Energiepartnerschaften ausbauen
Ein weiteres Ziel der Reise ist der Aufbau neuer Partnerschaften bei Rohstoffen und Energie. Deutschland will bei Seltenen Erden, kritischen Rohstoffen und in der Energieversorgung weniger abhängig von China werden. Mauretanien, das Wadephul zuvor besucht hat, bietet nach Einschätzung von Experten große Potenziale – auch bei erneuerbaren Energien und grünem Wasserstoff.
In Nigeria ist der Energiesektor bislang der Schwerpunkt der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Das Land ist Afrikas größter Ölproduzent und finanziert sich zu einem erheblichen Teil über den Export von Rohöl. Seit 2008 gibt es eine vom Auswärtigen Amt geführte deutsch-nigerianische Energiepartnerschaft, 2022 wurde in Abuja zudem ein deutsch-nigerianisches Wasserstoffbüro eröffnet.
Allerdings ist China in Nigeria bereits stark präsent. Peking ist ein wichtiger bilateraler Handelspartner und baut seine Investitionen unter anderem in Infrastruktur, Bergbau, Mobilfunk und Rüstung aus.
Südafrika, das Wadephul am Donnerstag besuchen will, ist mit knapp 600 deutschen Unternehmen und als mit Abstand wichtigster Handelspartner Deutschlands in Afrika ein „zentraler Ankerpunkt“ für die deutsche Wirtschaft. Auch dort sieht der Außenminister vor allem in der Energiebranche und im Rohstoffsektor große Chancen für eine engere Zusammenarbeit.
Neue Fluchtbewegungen verhindern
Wadephul stellt zudem deutsches Engagement für mehr Sicherheit sowie im Kampf gegen Extremismus und Terrorismus in Aussicht. Dahinter steht auch das Interesse, neue größere Fluchtbewegungen in Richtung Europa zu verhindern.
Westafrika und die Sahelzone befinden sich nach mehreren Militärputschen seit Jahren in einer Dauerkrise. Deutschland setzt deshalb auf eine intensivere Sicherheitszusammenarbeit mit Mauretanien und Nigeria. Denn die Instabilität in der Sahelregion und terroristische Gewalt wirken zunehmend auch auf Nigeria über.
Zugleich versuchte Wadephul, deutschen Unternehmen Sorgen vor der Sicherheitslage zu nehmen. Bei seinem Besuch in Nigeria sagte er, er sei zuversichtlich, dass gemeinsam mit den Polizeibehörden im Land für ausreichende Sicherheit gesorgt werden könne und wirtschaftliches Engagement dadurch nicht eingeschränkt werde. Die Chancen auf dem Kontinent zu übersehen, wäre aus seiner Sicht „grob fahrlässig“.
Politische Partner gewinnen
Aus Sicht der Bundesregierung sind Mauretanien, Nigeria und Südafrika wichtige Partner bei der Bewältigung internationaler Krisen und in multilateralen Organisationen wie den Vereinten Nationen. Das gewinnt zusätzlich an Bedeutung, weil sich die USA aus mehreren UN-Organisationen zurückgezogen haben.
Nigeria gilt als politische Führungsmacht in Westafrika, die sich in regionalen und internationalen Foren engagiert. Wadephul wollte deshalb in Abuja auch das Sekretariat der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas besuchen. Das Gespräch fiel jedoch aus Zeitgründen aus, stattdessen reiste die Delegation direkt ins Außenministerium weiter, um Wadephuls Amtskollegin Bianca Odumegwu-Ojukwu zu treffen.
Südafrika wiederum ist seit Langem ein Schlüsselpartner Deutschlands in Afrika. Wadephul verweist auf eine gemeinsame demokratische Wertebasis. Als entschiedener Verfechter des Multilateralismus und einziges afrikanisches Mitglied der G20 komme dem Land besonderes Gewicht zu.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber