Politik

Wadephul in Nigeria: Darum zählt Afrika jetzt

Was plant Wadephul in Nigeria wirklich? Der Außenminister sucht den Draht zu Westafrikas Schlüsselmacht.

22.07.2026, 04:30 Uhr

Es ist kein alltäglicher Programmpunkt für Johann Wadephul: In Lagos, dem wirtschaftlichen Zentrum Nigerias, trifft der deutsche Außenminister auf Influencerinnen und Influencer – darunter einen Musiker, einen Kulturunternehmer und eine Filmemacherin. Auf die Frage, was ihnen zu Deutschland einfällt, nennen die jungen Kreativen unter anderem die Berlinale und die Berliner Fashion Week.

Für Wadephul ist das ein willkommener Anknüpfungspunkt. Nach dem Gespräch betont er, Europa und Deutschland könnten vom Einfallsreichtum und der Kreativität dieser Generation viel mitnehmen.

Der Minister reist derzeit durch Mauretanien, Nigeria und Südafrika, begleitet von Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft. Sein Treffen mit den Kreativen verbindet er mit einem klaren Appell an deutsche Unternehmen: Wer in Afrika investieren wolle, müsse flexibler werden. Wadephul setzt damit auch auf dem Kontinent auf eine Außenpolitik, die wirtschaftliche Interessen stärker einbindet.

Afrika versteht er als Kontinent der Chancen. Das ist ein wesentlicher Grund, warum er in diesem Jahr bereits zum dritten Mal dorthin reist. Nach Besuchen in Kenia und Äthiopien im Januar sowie in Marokko im April wirbt er nun erneut für mehr deutsches Engagement. Seine Botschaft: Sowohl Politik als auch Wirtschaft müssten beweglicher werden. Wer heute in Afrika nicht präsent sei, laufe Gefahr, wichtige Möglichkeiten zu verpassen.

Warum Afrika für Berlin wichtig ist

Neue Märkte erschließen

Angesichts einer zunehmend protektionistischen Handels- und Zollpolitik der USA sucht die Bundesregierung weltweit nach zusätzlichen Wirtschaftspartnern. Nigeria rückt dabei besonders in den Fokus: Mit mehr als 240 Millionen Einwohnern ist es das bevölkerungsreichste Land Afrikas, verfügt über den größten Binnenmarkt des Kontinents und zählt zu dessen stärksten Volkswirtschaften. Die junge Bevölkerung macht das Land zudem zu einem attraktiven Zukunftsmarkt.

Außenminister Wadephul reist nach Mauretanien
Außenminister Johann Wadephul (CDU) äußert sich in der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott beim Besuch eines UN-Projekts zur Extremismusprävention und Deradikalisierung. Quelle: Soeren Stache/dpa

Schon jetzt ist Nigeria nach Südafrika der zweitwichtigste Handelspartner Deutschlands in Subsahara-Afrika. Rund 80 deutsche Unternehmen sind dort bereits aktiv, größere neue Investitionsprojekte blieben zuletzt jedoch aus.

Rohstoffe und Energie sichern

Ein weiteres Ziel der Reise ist der Aufbau neuer Partnerschaften bei Rohstoffen und Energie. Deutschland will bei seltenen Erden, kritischen Mineralien und künftigen Energieträgern weniger abhängig von China werden. Mauretanien, das Wadephul zuvor besucht hat, gilt aus Expertensicht als Land mit großem Potenzial – sowohl bei Rohstoffen als auch bei erneuerbaren Energien und grünem Wasserstoff.

Auch in Nigeria spielt die Energiebranche eine zentrale Rolle in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Das Land ist Afrikas größter Ölproduzent und erzielt einen erheblichen Teil seiner Staatseinnahmen über den Rohölexport. Seit 2008 besteht eine deutsch-nigerianische Energiepartnerschaft unter Federführung des Auswärtigen Amts. 2022 wurde in Abuja zudem ein deutsch-nigerianisches Wasserstoffbüro eröffnet.

Allerdings ist China in Nigeria längst stark vertreten. Peking zählt zu den wichtigsten Handelspartnern des Landes und baut seine Investitionen unter anderem in Infrastruktur, Bergbau, Telekommunikation und Verteidigung weiter aus.

Südafrika, das Wadephul im Anschluss besuchen will, ist mit knapp 600 deutschen Unternehmen und als mit Abstand wichtigster Handelspartner Deutschlands in Afrika ein zentraler Bezugspunkt. Vor allem in der Energie- und Rohstoffwirtschaft sieht der Außenminister dort zusätzliche Chancen für eine engere Kooperation.

Migration und Instabilität eindämmen

Wadephul stellt außerdem deutsches Engagement für mehr Sicherheit sowie im Kampf gegen Extremismus und Terrorismus in Aussicht. Dahinter steht auch das Interesse, neue größere Fluchtbewegungen nach Europa zu verhindern.

Westafrika und die Sahelzone befinden sich nach mehreren Militärputschen seit Jahren in einer anhaltenden Krise. Deutschland setzt deshalb auf eine intensivere Sicherheitszusammenarbeit mit Mauretanien und Nigeria. Denn die Instabilität der Sahelregion und terroristische Gewalt wirken zunehmend auch auf Nigeria über.

Politische Partner gewinnen

Aus Sicht der Bundesregierung sind Mauretanien, Nigeria und Südafrika zudem wichtige Partner bei der Bewältigung internationaler Krisen und in multilateralen Foren wie den Vereinten Nationen. Das gewinnt an Bedeutung, weil sich die USA aus verschiedenen UN-Organisationen zurückgezogen haben.

Nigeria wird dabei als politische Führungsmacht in Westafrika gesehen, die in regionalen und internationalen Gremien eine aktive Rolle spielt. Deshalb will Wadephul in Abuja auch das Sekretariat der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas besuchen.

Südafrika wiederum gilt seit langem als Schlüsselpartner Deutschlands in Afrika. Wadephul verweist auf eine gemeinsame demokratische Wertebasis. Als entschiedener Verfechter des Multilateralismus und einziges afrikanisches Mitglied der G20 komme dem Land ein besonderes Gewicht zu.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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