Wirtschaft

Start-up-Milliarden: Berlin und BaWü entthronen Bayern

Ein Milliarden-Deal schießt Baden-Württemberg auf Rang 2 – doch ausgerechnet kleine Start-ups droht jetzt das Abseits.

22.07.2026, 05:15 Uhr

Start-ups in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2026 nach Berechnungen der Beratungsgesellschaft EY rund 5,3 Milliarden Euro an Risikokapital erhalten. Das sind 14 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig ging die Zahl der Finanzierungsrunden jedoch zurück: Bundesweit wurden nur noch 354 Abschlüsse gezählt, ein Minus von elf Prozent.

Berlin wieder vorn

Im Ländervergleich steht Berlin wieder an der Spitze und löst damit Bayern ab. Junge Unternehmen aus der Hauptstadt sammelten zusammen knapp 1,7 Milliarden Euro ein, was einem Plus von zehn Prozent entspricht. Mit 95 Finanzierungsrunden entfiel auch die höchste Zahl an Deals auf Berlin. Einen erheblichen Anteil daran hatte das Rüstungs-Start-up STARK, das allein 500 Millionen Euro an frischem Kapital erhielt.

Neura Robotics hebt Baden-Württemberg auf Rang zwei

Auf Platz zwei liegt Baden-Württemberg mit einem Finanzierungsvolumen von fast 1,6 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Sprung von 475 Prozent. Ausschlaggebend dafür war vor allem ein Großdeal: Das Robotikunternehmen Neura Robotics warb rund 1,2 Milliarden Euro ein.

Bayern fiel dagegen auf den dritten Rang zurück. Dort summierten sich die Investitionen auf etwas mehr als 1,1 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 46 Prozent entspricht. Laut EY ist es dennoch eine Premiere im Startup-Barometer, dass mit Berlin, Baden-Württemberg und Bayern gleich drei Bundesländer jeweils auf Start-up-Investitionen in Milliardenhöhe kommen.

Geldgeber meiden größere Risiken

Den Rückgang bei der Zahl der Finanzierungsrunden führen die Studienautoren auf ein verändertes Verhalten der Investoren zurück. Demnach konzentriert sich das Kapital zunehmend auf wenige große und als vergleichsweise sicher geltende Unternehmen. Entsprechend stieg der Anteil von Transaktionen mit einem Volumen von jeweils mehr als 50 Millionen Euro von 55 auf 67 Prozent des gesamten investierten Kapitals.

Thomas Prüver, Partner bei EY-Parthenon, bezeichnet den Anstieg des investierten Kapitals zwar grundsätzlich als positives Zeichen. Zugleich betont er jedoch, dass die Lage bei der Finanzierung angespannt bleibe. Vor allem kleinere und jüngere Start-ups hätten es im Wettbewerb um Investoren häufig schwer. "Innovation entsteht nicht allein durch einzelne Vorzeigeunternehmen, sondern vor allem durch eine breite und lebendige Gründerszene."

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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