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Tour-Sturz! Ist Lipowitz‘ Saison jetzt vorbei?

Schock bei der Tour: Nach dem Schlüsselbeinbruch droht dem deutschen Radstar das bittere Saison-Aus. Was jetzt noch möglich ist

22.07.2026, 05:21 Uhr

Beim Red-Bull-Team war die Stimmung rund um das Teamhotel Campanile Findrol Savoie Leman trotz des sportlichen Erfolgs gedrückt. Zwar sorgte Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel mit seinem zweiten Etappensieg in Serie für einen Höhepunkt, doch der schwere Sturz des deutschen Hoffnungsträgers Florian Lipowitz überschattete alles.

Als das Peloton zur 17. Etappe in Chambery aufbrach, lag Lipowitz noch immer im Krankenhaus. Sein zweites Frankreich-Abenteuer endete damit nicht in Paris, sondern schon am Fuße der Alpen in einer Klinik. Teamchef Ralph Denk sagte beim Start, der 25-Jährige sei „mega enttäuscht“ und werde voraussichtlich noch eine Nacht im Krankenhaus bleiben.

Lipowitz war wenige Stunden nach seinem Sturz-Aus am gebrochenen Schlüsselbein operiert worden. Der Schwabe war im Einzelzeitfahren in einer heiklen Rechtskurve in der Nähe des Genfersees gestürzt und gegen den Bordstein gerutscht. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch realistische Chancen auf eine Podiumsplatzierung.

Saison für Lipowitz weitgehend ausgebremst

Es wird mit einer Pause von mindestens sechs Wochen gerechnet. Ob und wie seine Saison danach weitergeht, ist noch offen. Denk geht allerdings davon aus, dass Lipowitz in diesem Jahr noch einmal auf das Rad und womöglich auch bei Rennen zurückkehren wird.

Für die Vuelta vom 22. August bis 13. September oder die WM in Montreal vom 20. bis 27. September dürfte die Zeit aber kaum reichen. Möglich erscheinen höchstens spätere Herbst-Eintagesrennen in Italien, etwa die Lombardei-Rundfahrt am 10. Oktober.

Nach Einschätzung von Denk hatte Lipowitz in der Kurve sehr viel Tempo drauf – wohl zu viel. Einen anderen Beteiligten macht der Teamchef nicht verantwortlich. Zugleich warf er die Frage auf, ob der Gehsteig an dieser Stelle besser hätte abgesichert werden können. Auch zusätzliche Trainingszeit auf dem Kurs hätte womöglich geholfen.

Gemischte Gefühle trotz Evenepoels Erfolg

Die gedrückte Stimmung war auch am Abend im Team deutlich zu spüren. Evenepoel stellte bei seiner Ansprache nach dem Etappensieg zuerst Lipowitz in den Mittelpunkt. Der Belgier sprach von einem großen Verlust für das Team, vor allem aber für Lipowitz selbst und für all die Opfer, die dieser gebracht habe, um bei der Tour dabei zu sein. „Wir werden ihn vermissen“, sagte der Gesamtzweite hinter Tadej Pogacar.

Ähnlich hatte sich zuvor schon Denk geäußert. Man verliere Lipowitz nicht nur im Kampf ums Podium, sondern auch menschlich im Teamalltag. Deshalb sei trotz des Tageserfolgs keine echte Euphorie aufgekommen.

Tour verlief für Lipowitz von Beginn an unglücklich

Für den Deutschen endet damit eine Rundfahrt, die ohnehin nicht nach Wunsch verlief. Die Diskussionen über die Rollenverteilung an der Spitze des Teams begleiteten Red Bull von Beginn an. Lipowitz und Evenepoel waren als gleichberechtigte Kapitäne gestartet, ihr Verhältnis wurde von außen genau beobachtet.

Evenepoel setzte früh ein Zeichen, als er Lipowitz nach der ersten großen Pyrenäen-Etappe öffentlich scharf für fehlende Unterstützung kritisierte. Danach betonte das Team zwar immer wieder, wie gut die Stimmung sei. Doch die Debatte um die Führungsfrage dürfte Spuren hinterlassen haben.

Sportlich konnte sich Lipowitz im Vergleich zum Vorjahr kaum wie erhofft präsentieren. Spätestens auf der schweren Bergetappe zum Plateau de Solaison wurde deutlich, dass er nicht an sein Niveau aus der vergangenen Tour anknüpfen konnte: Dort musste er Pogacar und Evenepoel ziehen lassen – obwohl ihm an langen Anstiegen eigentlich besonders viel zugetraut worden war.

Denk verteidigte dennoch die Doppelstrategie des Teams. Mit Blick auf den möglichen zweiten Gesamtrang durch Evenepoel sagte er, man sei froh, diesen Ansatz gewählt zu haben. Zugleich verwies er auf den besonderen Druck, unter dem Lipowitz diesmal gestanden habe. Er sei mit einer „Riesen-Erwartungshaltung von ganz Radsport-Deutschland“ in die Tour gegangen. Evenepoel habe ihm eher Druck genommen als zusätzlichen erzeugt.

Red Bull setzt nun voll auf Evenepoel

Innerhalb des Teams richtet sich der Fokus nun komplett auf Evenepoel. Der Belgier liegt im Gesamtklassement mit 4:32 Minuten Rückstand auf Spitzenreiter Pogacar auf Rang zwei.

„Wir werden das Podium sicher nicht kampflos aufgeben. Es kommen noch schwere Bergetappen, also wird es ein harter Kampf. Aber wir haben mit Remco einen sehr starken Fahrer“, sagte Denk.

Auf die Frage, ob vielleicht sogar noch mehr möglich sei, blieb der Teamchef realistisch: Für den direkten Zweikampf mit Pogacar sehe er derzeit keine Chance, sagte Denk sinngemäß. Man müsse aber bereit sein, falls im weiteren Rennverlauf noch etwas passiere.

Wie Red Bull bei künftigen Grand Tours mit einer ähnlichen Doppelspitze plant, ließ Denk offen. Zunächst wolle man die Strecken der kommenden großen Rundfahrten abwarten. Erst danach werde entschieden, wie die Strategie aufgebaut wird.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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