Bilderbuchauftakt beim Oktoberfest
Das Münchner Oktoberfest ist mit sonnig-mildem Herbstwetter und bester Stimmung in seine 191. Ausgabe gestartet. Nach Angaben der Festleitung kamen allein am ersten Tag rund 450.000 Menschen auf das Gelände. Trotz des zum Auftakt üblichen dichten Gedränges sprechen Polizei und Rettungskräfte von einem insgesamt ruhigen und friedlichen ersten Wochenende.
Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) sprach von einem „Bilderbuchstart“. Für das erste Wochenende rechne man mit knapp einer Million Besucherinnen und Besuchern. Einen besseren Auftakt könne man sich kaum wünschen.
Fahrgeschäft stoppt – Gäste hängen kurz kopfüber fest
Für Aufsehen sorgte am ersten Abend das Fahrgeschäft „Predator“. Dort hingen Fahrgäste für einige Minuten kopfüber fest. Nach Angaben des Betreibers Willy Kaiser dauerte die Evakuierung insgesamt etwa fünf Minuten. Rund 120 Sekunden hätten die Menschen tatsächlich über Kopf ausgeharrt, die restliche Zeit sei benötigt worden, um alle sicher aus den Sitzen zu holen und auf den Boden zu bringen.
Auslöser war laut Betreiber ein Sensor, der das Karussell stoppte. Dieser wurde inzwischen ausgetauscht. Nach einer erneuten TÜV-Prüfung ohne Beanstandung wurde das Fahrgeschäft noch am Abend wieder freigegeben. Vor allem Jugendliche klagten danach laut Wiesn-Sanitätern über leichten Schwindel und Kreislaufprobleme.
Auch abseits der Fahrgeschäfte gab es ungewöhnliche Einsätze: Ein 25 Jahre alter Besucher aus Berlin brach sich beim Armdrücken den Arm. Der Sanitätsdienst der Aicher Ambulanz behandelte am ersten Tag nach neuen Zahlen 666 Patientinnen und Patienten – vor allem wegen Alkoholvergiftungen, chirurgischer Verletzungen und Kreislaufproblemen.
Oberbürgermeister sagt Auftritt wegen Kreislaufproblemen ab
Von Kreislaufproblemen betroffen war auch Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne). Nach seinem gelungenen Wiesn-Einstand sagte er das Anzapfen in der Bräurosl beim traditionellen Gay Sunday ab. Laut seinem Sprecher ging er lieber nach Hause, um zum Wochenstart wieder fit zu sein.
Am Samstag hatte Krause seine Anstich-Premiere noch souverän gemeistert: Mit nur zwei Schlägen eröffnete er das Fest und bekam dafür viel Applaus. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), politischer Konkurrent und Ehrengast, äußerte sich anerkennend.
Dichtes Gedränge und volle Zelte
Das Oktoberfest läuft noch bis zum 4. Oktober und zieht jedes Jahr mehr als sechs Millionen Gäste an. Schon am Eröffnungstag war das Gelände vielerorts stark gefüllt, mehrere Festzelte mussten am Nachmittag wegen Überfüllung vorübergehend schließen. Manche Besucher hatten bereits in der Nacht vor den Eingängen ausgeharrt und liefen bei Öffnung des Geländes direkt zu den Zelten, um sich gute Plätze zu sichern.
Krause und Söder werben gemeinsam für Olympia
Obwohl die Wiesn gern als politikfreie Zone beschrieben wird, wurde das erste Treffen von Krause und Söder mit Spannung erwartet. Söder, der traditionell die erste Maß vom Oberbürgermeister erhält, zeigte sich zufrieden mit dem Umgang beider Politiker miteinander. Das gelte nicht nur für den Festauftakt, sondern auch für die Bewerbung Münchens als deutsche Olympia-Stadt.
Beide lobten die Zusammenarbeit ausdrücklich. Zur Entscheidung über die Bewerbung am 26. September wollen sie gemeinsam nach Baden-Baden reisen. Falls München den Zuschlag erhält, brachte Krause eine gemeinsame Fahrt in der Olympia-Looping-Achterbahn ins Gespräch. Söder ergänzte scherzhaft, dann könne man auch noch zusammen in die Geisterbahn steigen.
Prominente feiern in den Zelten mit
Wie jedes Jahr zog die Wiesn auch zahlreiche bekannte Gesichter an. Im Käferzelt stießen Spieler, Trainer und Verantwortliche des FC Bayern auf den klaren Sieg gegen Union Berlin an. Mit dabei waren auch Stürmer Harry Kane und Ex-Präsident Uli Hoeneß.
Im Schottenhamel wurden unter anderem Bayern-Profi Joshua Kimmich mit seiner Frau Lina, Herzog Franz von Bayern sowie der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, Lahav Shani, gesehen. Auch Florian Silbereisen, DJ Ötzi sowie Marianne und Michael feierten auf dem Fest. Schauspieler Ralf Moeller zapfte in einem anderen Zelt ebenfalls ein Fass an – auch er mit zwei Schlägen.
Traditioneller Trachten- und Schützenzug am zweiten Wiesntag
Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Tradition. Mehr als 9.000 Trachtler und Schützen zogen durch München bis zum Festgelände. Zehntausende Zuschauer säumten die Straßen und verfolgten den Umzug mit Musikkapellen, Spielmannszügen und festlich geschmückten Brauereigespannen.
Verschärftes Sicherheitskonzept nach Problemen im Vorjahr
Nach kritischen Situationen infolge von Überfüllung im vergangenen Jahr hat die Stadt das Sicherheitskonzept überarbeitet. Eine neue Koordinierungsstelle auf dem Festgelände soll Besucherströme beobachten, bewerten und bei Bedarf lenken.
Zusätzlich kommen mehr als 50 KI-gestützte Kameras zum Einsatz, um gefährliche Menschenansammlungen frühzeitig zu erkennen. An stark frequentierten Tagen beobachtet ein sogenannter Crowdspotter die Lage und kann bei Bedarf auch per Lautsprecherdurchsage eingreifen.
Hunderte Einsatzkräfte vor Ort
Rund 600 Polizeikräfte sowie Hunderte Ordnerinnen und Ordner sichern das Volksfest. Auch mit Blick auf frühere Drohnenvorfälle sieht sich die Polizei gut vorbereitet.
Unterstützung erhalten die Münchner Ermittler erneut aus dem In- und Ausland. Bereits am ersten Abend griffen spezialisierte Fahnder aus Lissabon und Frankfurt am Main bei einem Diebstahl und einer sexuellen Belästigung ein und nahmen Verdächtige vorläufig fest. Insgesamt registrierte die Polizei am ersten Tag gut 55 Straftaten – und damit etwas weniger als im Vorjahr.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber