Das Münchner Oktoberfest ist mit viel Sonne, guter Stimmung und großem Andrang in seine 191. Ausgabe gestartet. Nach Angaben der Festleitung kamen allein am ersten Tag rund 450.000 Besucherinnen und Besucher. Wiesn-Chef Christian Scharpf sprach von einem „Bilderbuchstart“ und einer gelösten, fröhlichen Atmosphäre. Für das erste Wochenende rechnet die Stadt mit knapp einer Million Gästen. Die Wiesn dauert bis 4. Oktober; jedes Jahr kommen insgesamt mehr als sechs Millionen Menschen auf das größte Volksfest der Welt.
Auch der neue Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) erwischte zunächst einen gelungenen Auftakt: Seine erste Anstich-Premiere meisterte er souverän, das erste Fass war mit zwei Schlägen offen. Dafür gab es viel Applaus – und sogar anerkennende Worte von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).
Am Sonntag musste Krause dann jedoch eine kurze Pause einlegen. Nach seiner Teilnahme am Trachten- und Schützenzug durch die Münchner Innenstadt sagte er das Anzapfen in der Bräurosl beim traditionellen Gay Sunday wegen Kreislaufproblemen ab. Nach Angaben seines Sprechers war der Vorfall aber nicht gravierend: Krause habe sich nicht ganz wohlgefühlt und sei deshalb lieber nach Hause gegangen, um am Montag wieder fit zu sein.
Ruhiger Verlauf trotz voller Zelte
Trotz des dichten Gedränges auf dem Festgelände sprechen Polizei und Rettungskräfte von einem insgesamt ruhigen ersten Wochenende. Mehrere Zelte mussten am Samstag bereits am Nachmittag wegen Überfüllung zeitweise schließen. Schon in der Nacht hatten die ersten Besucherinnen und Besucher vor den Eingängen gewartet und waren nach der Öffnung teils im Laufschritt zu den Zelten geeilt, um sich Plätze zu sichern.
Für Aufsehen sorgte am ersten Abend das Fahrgeschäft „Predator“, das wegen einer technischen Störung kurz stillstand. Nach Angaben des Betreibers dauerte der Evakuierungseinsatz rund fünf Minuten; die Fahrgäste hingen davon etwa 120 Sekunden kopfüber fest. Ein Sensor hatte das Karussell gestoppt, wurde inzwischen ausgetauscht, anschließend prüfte der TÜV die Anlage und gab sie wieder frei. Vor allem Jugendliche klagten danach über Schwindel und Kreislaufprobleme.
Der Sanitätsdienst der Aicher Ambulanz behandelte am ersten Tag 666 Patientinnen und Patienten – vor allem wegen Alkoholvergiftungen, chirurgischer Verletzungen und Kreislaufbeschwerden. Kurios: Ein 25 Jahre alter Berlin-Besucher brach sich beim Armdrücken den Arm.
Krause und Söder zeigen Einigkeit bei Olympia
Politisch mit Spannung erwartet worden war zum Wiesn-Auftakt das Zusammentreffen von Krause und Söder. Der CSU-Chef zeigte sich zufrieden mit der Zusammenarbeit – nicht nur beim Anstich, sondern auch bei der Bewerbung Münchens als deutsche Olympia-Stadt. Beide betonten eine sehr gute und verlässliche Zusammenarbeit; Söder merkte zugleich an, dass dies nicht immer selbstverständlich gewesen sei.
Zur Entscheidung über die deutsche Bewerbung am 26. September wollen beide gemeinsam nach Baden-Baden fahren. Für den Fall, dass München den Zuschlag bekommt, brachte Krause sogar eine gemeinsame Fahrt in der Olympia-Looping-Achterbahn ins Spiel. Söder scherzte daraufhin, dann könne man auch noch zusammen in die Geisterbahn steigen.
Promis in den Festzelten, Tradition am zweiten Wiesn-Tag
Auf der Wiesn feierten zum Start auch zahlreiche Prominente. Im Käferzelt stießen Spieler, Trainer und Verantwortliche des FC Bayern nach dem klaren Sieg gegen Union Berlin an; mit dabei waren unter anderem Harry Kane und Uli Hoeneß.
Im Schottenhamel wurden unter anderem Joshua Kimmich mit Ehefrau Lina, Herzog Franz von Bayern und Münchner-Philharmoniker-Chefdirigent Lahav Shani gesehen. Auch Florian Silbereisen, DJ Ötzi sowie Marianne und Michael mischten sich unter die Gäste. Schauspieler Ralf Moeller zapfte in einem anderen Zelt ebenfalls ein Fass an – ebenfalls mit zwei Schlägen.
Der zweite Wiesn-Tag stand ganz im Zeichen der Tradition: Mehr als 9.000 Trachtler und Schützen zogen durch München zum Festgelände. Zehntausende Zuschauer säumten die Straßen, um das große Spektakel mit Musikkapellen, Brauereigespannen und Festzügen zu verfolgen.
Schärferes Sicherheitskonzept
Nach teils kritischen Szenen wegen Überfüllung im Vorjahr hat die Stadt ihr Sicherheitskonzept nachgeschärft. Eine neue Koordinierungsstelle soll Besucherströme auf dem Gelände beobachten, bewerten und bei Bedarf lenken.
Zudem kommen mehr als 50 KI-gestützte Kameras zum Einsatz, um gefährliche Menschenansammlungen frühzeitig zu erkennen. An besonders vollen Tagen beobachtet zusätzlich ein sogenannter Crowdspotter die Lage und macht bei Bedarf Durchsagen.
Rund 600 Polizistinnen und Polizisten sowie Hunderte Ordner sind rund um das Fest im Einsatz. Nach Angaben der Polizei ist man auch mit Blick auf die jüngsten Drohnen-Vorfälle gut vorbereitet. Die Beamten meldeten am ersten Wiesn-Tag gut 55 Straftaten, etwas weniger als im Vorjahr.
Unterstützung erhielten die Münchner Ermittler auch von spezialisierten Taschendiebfahndern aus Lissabon und Frankfurt am Main, die bereits bei einem Diebstahl und einer sexuellen Belästigung eingriffen und Tatverdächtige vorläufig festnahmen.
Zudem wird gegen einen Ordner ermittelt, der bei einer Auseinandersetzung einen 28 Jahre alten Wiesn-Gast mit dem Kopf voran zu Boden gebracht haben soll. Gegen ihn steht der Vorwurf der Körperverletzung im Raum. Zudem wird geprüft, ob er weiterhin als Ordner eingesetzt werden kann.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber