Marianne Koch blickt auf 95 bewegte Jahre zurück
Marianne Koch gehörte in den 1950er- und 1960er-Jahren zu den großen Stars des deutschen Kinos. Sie drehte mit internationalen und deutschen Filmgrößen wie Clint Eastwood und Curd Jürgens, zog sich später jedoch bewusst aus der Branche zurück, um sich ganz der Medizin zu widmen. Als Ärztin, Moderatorin und Autorin begann sie in Deutschland ein neues Kapitel. Kurz vor ihrem 95. Geburtstag am 19. August erscheint nun ihr neues Buch „Mutig sein! – Erinnerungen an abenteuerliche 95 Jahre“, das am 13. August veröffentlicht wird.
Dem Älterwerden begegnet die gebürtige Münchnerin nach eigenen Angaben gelassen. Angesichts ihrer Vitalität wirkt ihre Bemerkung, sie könne „noch ganz gut laufen und denken“, beinahe bescheiden. Trotzdem sei es für sie ein „merkwürdiges Gefühl“, so alt zu werden. Ganz ungewöhnlich sei ein hohes Alter in ihrer Familie allerdings nicht: Schon ihre Mutter und ihre Großmutter wurden 94 Jahre alt.
Ihren Geburtstag möchte sie ohne großes Aufheben verbringen: „Gemütlich“, im kleinen Kreis mit ihrer Familie und ihrem kleinen Hund. Seit mehr als fünf Jahrzehnten lebt Koch am Starnberger See.
In ihrem knapp 150 Seiten starken Buch blickt die Medizinerin auf ihr Leben zurück und zieht Bilanz, ohne eine vollständige Autobiografie vorlegen zu wollen. Stattdessen erzählt sie heitere wie ernste Episoden aus einem außergewöhnlich vielseitigen Leben und gewährt mit privaten Kinderfotos auch Einblicke in ihr Familienalbum. Ihr Resümee fällt klar aus: Sie habe viel Glück gehabt – und das vorherrschende Gefühl beim Rückblick sei Dankbarkeit.
Schauspielerei als Nebenjob begonnen
Dass Marianne Koch einmal mit der Schauspielerei Geld verdienen würde, war nach dem Abitur 1949 in München zunächst nicht vorgesehen. Eigentlich begann sie ein Medizinstudium und nahm Filmrollen nur nebenbei an – zunächst mit kleineren Rollen in den Semesterferien.
Nach dem Physikum im Jahr 1952 legte sie ihr Studium vorübergehend auf Eis, um sich auf die Filmarbeit zu konzentrieren. Ohne klassische Schauspielausbildung wurde sie für Millionen Kinobesucher zu einem Idol der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahre.
Sie stand mit bekannten Namen wie Heinz Rühmann, O.W. Fischer, Gregory Peck und Curd Jürgens vor der Kamera und begeisterte das Publikum mit Charme und Ausstrahlung. Ihren entscheidenden Durchbruch schaffte sie 1955 mit Helmut Käutners Film „Ludwig II.“, in dem sie Prinzessin Sophie spielte, die Schwester von Sisi. Für ihre Rolle in „Des Teufels General“ erhielt sie den Bundesfilmpreis.
Bis 1970 wirkte sie in rund 70 Kinoproduktionen mit. Auch im internationalen Kino hinterließ sie Spuren: Im Sergio-Leone-Klassiker „Für eine Handvoll Dollar“ war sie an der Seite von Clint Eastwood zu sehen.
In ihrem neuen Buch erinnert sie sich auch an die Reisen, die ihre Filmkarriere mit sich brachte – an Begegnungen mit anderen Kulturen und sogar an eine Einladung beim früheren thailändischen Königspaar Bhumibol und Sirikit.
Rückkehr an die Uni
Trotz Glamour und Erfolg fand Marianne Koch im Filmgeschäft auf Dauer nicht die Erfüllung, die sie suchte. 1973 kehrte sie, inzwischen Mutter von zwei Söhnen, an die Universität zurück. Wenige Jahre später beendete sie ihr Medizinstudium mit der Promotion.
1985 eröffnete sie in München eine internistische Praxis. Heute beschreibt sie ihre Zeit als Schauspielerin rückblickend eher als längere Episode ihres Lebens. Den Abschied vom Film habe sie nach eigener Aussage „nicht eine Sekunde“ bereut.
Bekanntes Gesicht im Fernsehen
Auch dem Fernsehpublikum blieb Marianne Koch über Jahrzehnte präsent. Besonders eng verbunden ist ihr Name mit der ARD-Sendung „Was bin ich?“, in der sie seit den 1960er-Jahren zum Rateteam um Moderator Robert Lembke gehörte. Mit ihren treffsicheren Fragen war sie dort ebenso fester Bestandteil wie das legendäre Schweinderl, in dem die Fünf-Mark-Stücke für die Kandidaten landeten.
Zudem moderierte sie acht Jahre lang die von Radio Bremen produzierte Talkshow „3 nach 9“. Für diese Arbeit wurde sie 1976 mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet.
Leidenschaftliche Medizinerin
Ihr eigentliches Herzensfeld war und ist jedoch die Medizin. Marianne Koch schrieb mehrere Gesundheitsratgeber, unter anderem zu den Themen Immunsystem und gesundes Altern. Ein Vierteljahrhundert lang gehörte sie außerdem zum Team der „Gesundheitssprechstunde“ im Bayerischen Rundfunk.
Anlässlich ihres bevorstehenden 95. Geburtstags würdigte BR-Intendantin Katja Wildermuth Koch als „herausragende Expertin, Moderatorin, Ärztin und Schauspielerin“, die Generationen von Menschen erreicht und das Publikum des Bayerischen Rundfunks über viele Jahrzehnte mit Kompetenz, Klugheit und Empathie begleitet habe. Erst vor einem Jahr verabschiedete sich Koch auf eigenen Wunsch von der Sendung und von ihren Hörerinnen und Hörern.
Von 1997 bis 2011 stand sie 14 Jahre lang an der Spitze der Deutschen Schmerzliga und ist der Organisation bis heute als Ehrenpräsidentin verbunden. Für ihr langjähriges Engagement erhielt sie 2019 die Paracelsus-Medaille, die höchste Ehrung der Bundesärztekammer.
Ihre Tipps für ein gutes Älterwerden
Wenn es um Gesundheit geht, setzte Marianne Koch stets auch persönlich auf konsequente Eigenverantwortung und ein gutes Vorbild. Für ein möglichst langes und aktives Leben empfiehlt sie eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Eiweiß und Kalzium, genügend Schlaf, eine positive Haltung zum Alter, Interesse an der Welt, Lust auf Neues sowie enge soziale Kontakte.
Neugier und Offenheit für Neues sieht sie selbst als wichtige Eigenschaften ihres Lebenswegs. Rückblickend sagt sie, sie habe immer großes Interesse und ein gutes Gespür für andere Menschen gehabt – etwas, das ihr auch als Ärztin geholfen habe. Sie sei stets neugierig gewesen, habe gerne gelernt und Neues ausprobiert. Und ja, auch mutig sei sie gewesen.
Diesen Mut, so erzählt sie, habe ihr vor allem die Mutter mitgegeben. Deren Botschaft lautete: „Traut euch!“ – selbst dann, wenn einmal etwas schiefgeht. Genau darin spiegelt sich auch der Titel ihres neuen Buches: „Mutig sein!“
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber