Millionen ausgegeben, aber kein Baustart: Grüne kritisieren Stillstand beim Münchner Konzerthaus
Die bayerischen Grünen werfen der Staatsregierung beim geplanten Münchner Konzerthaus mangelnden Fortschritt und hohe Ausgaben vor. Nach Angaben der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Claudia Köhler sind seit 2015 bereits rund 43,7 Millionen Euro in das Projekt geflossen, ohne dass vor Ort mit dem Bau begonnen worden sei. Etwa 5,5 Millionen Euro davon entfielen demnach auf Mieten und Pacht.
Kritik an der Hinhaltetaktik
Grundlage der Zahlen ist eine Antwort des Kunstministeriums auf eine Anfrage der Grünen. Köhler bemängelte, bloßes Abwarten verursache vor allem weitere Kosten. Zugleich schade das Fehlen konkreter Fortschritte dem Vertrauen in das Projekt – auch mit Blick auf potenzielle Geldgeber. Sie fordert Ergebnisse der angekündigten Markterkundung sowie belastbare Zeit- und Kostenpläne.
Das Konzerthaus ist vor allem als künftige Heimat des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks vorgesehen. Die Staatsregierung hatte das Vorhaben 2017 als bedeutendes Bauprojekt vorgestellt. Entstehen soll es im Werksviertel im Münchner Osten. In der Folge geriet das Projekt jedoch ins Stocken, nachdem die veranschlagten Kosten stark angestiegen waren und zeitweise bis zu einer Milliarde Euro im Raum standen. Danach wurde die Planung verkleinert.
Ministerium prüft neue Modelle
Kunstminister Markus Blume erklärte auf Anfrage, die Markterkundung habe gezeigt, dass ein Konzerthaus in vergleichbarer Qualität auch für etwa die Hälfte der zuletzt diskutierten Summe realisierbar sein könnte. Derzeit würden unterschiedliche Modelle für die Umsetzung geprüft, darunter auch Varianten mit privaten Investoren. Mit dem BRSO befinde man sich in einem konstruktiven Austausch.
Nach Angaben Blumes soll möglichst bald Klarheit über den weiteren Verlauf des Projekts geschaffen werden. Entscheidend sei, dass offene Fragen zur verkleinerten Planung zwischen dem Freistaat und dem Grundstückseigentümer rasch geklärt werden. Zum Jahreswechsel hatte das Ministerium eine Fertigstellung erst für die Mitte der 2030er Jahre in Aussicht gestellt.
Grüne sehen kulturellen Rückschritt
Für die kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Sanne Kurz, wird die Zeit knapp. Sie spricht von einem erheblichen Mangel an Spielstätten für kulturelle Spitzenangebote in München. Eine starke Breitenkultur sei auf leistungsfähige Orte für Spitzenkultur angewiesen. Kurz kritisierte Ministerpräsident Markus Söder scharf und erklärte, München habe kulturell einst mit Metropolen wie Wien, Paris oder London mithalten können. Inzwischen bewege sich Bayern jedoch aus ihrer Sicht in eine deutlich niedrigere Liga.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion