Wirtschaft

Weniger Bier, mehr Hitze: Kippt jetzt die Hopfen-Ernte?

Ohne Hopfen kein Biergeschmack – doch ausgerechnet Deutschlands Weltmarktführer steuern auf eine bittere Krise zu.

26.08.2026, 16:14 Uhr

Deutsche Hopfenbauern unter Druck durch sinkenden Bierabsatz

Deutschlands Hopfenanbauer geraten angesichts des weltweit nachlassenden Bierkonsums zunehmend in wirtschaftliche Bedrängnis. Nach Angaben des Verbands Deutscher Hopfenpflanzer müssen die überwiegend in Bayern ansässigen Betriebe in diesem Jahr mit Einnahmeverlusten von 80 bis 100 Millionen Euro rechnen.

Normalerweise erzielen die gut 900 Höfe laut Verbandspräsident Adi Schapfl zusammen rund 300 Millionen Euro Umsatz. Der erwartete Rückgang wäre damit erheblich. Nach mehreren Jahren mit schwachen Ernten, niedrigen Preisen oder einer Kombination aus beidem stünden viele familiengeführte Betriebe inzwischen vor massiven wirtschaftlichen Problemen, sagte Schapfl in Wolnzach.

Hitze belastet die Ernte, Anbauflächen schrumpfen

Für die angespannte Lage gibt es mehrere Gründe. In vielen Ländern wird weniger Bier getrunken, wodurch auf dem Weltmarkt zu viel Hopfen angeboten wird. Selbst die bereits sinkenden Anbauflächen konnten dieses Überangebot bislang nicht ausgleichen.

Für die jetzt anlaufende Ernte rechnet der Verband mit lediglich knapp 33.800 Tonnen Hopfen. Das wären mehr als 9.000 Tonnen beziehungsweise rund 17 Prozent weniger als im Vorjahr.

Schapfl sieht darin auch eine deutliche Folge des Klimawandels. Das Jahr 2026 habe erneut gezeigt, wie stark Hitze und Trockenheit den Hopfenanbau bedrohen könnten. Gleichzeitig ist die Anbaufläche weiter geschrumpft, weil zahlreiche Betriebe aufgegeben haben.

Aus Sicht des Verbands ist für den Erhalt des deutschen Hopfenanbaus vor allem eine stärkere staatliche und europäische Unterstützung beim Ausbau von Bewässerungssystemen nötig. Ohne solche Hilfen sei die Zukunft der Branche kaum zu sichern.

Deutschland bleibt führend im Hopfenanbau

Trotz der Krise bleibt Hopfen eine wichtige Spezialkultur. In diesem Jahr umfasst die Anbaufläche in Deutschland knapp 18.000 Hektar. Das mit Abstand wichtigste Anbaugebiet ist die bayerische Hallertau.

Nach Verbandsangaben ist Deutschland weiterhin der weltweit größte Hopfenproduzent. Mehr als ein Drittel der globalen Hopfenmenge stammt demnach aus der Bundesrepublik. Dahinter folgen die USA und Tschechien. Ein großer Teil der deutschen Produktion wird exportiert.

Auch international keine schnelle Entspannung

Der Nürnberger Hopfenhändler Barth Haas, nach eigenen Angaben weltweit führend in der Branche, erwartet auch in den kommenden Jahren keine grundlegende Verbesserung. Geschäftsführer Thomas Raiser erklärte, dass die derzeitige Anbaufläche bei normalen Erträgen weiterhin zu viel Hopfen hervorbringe. Deshalb seien weitere Flächenkürzungen notwendig, um Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Auch außerhalb Deutschlands fällt die Ernte schwach aus. In weiten Teilen Europas sei wegen Hitze und Trockenheit während der Wachstumsphase mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen zu rechnen. Für Erzeuger und Vermarkter bedeute das vor allem niedrigere Erlöse und geringere Inhaltsstoffgehalte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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