Hopfenbauern in Deutschland unter Druck: Bierflaute und Klimabelastung verschärfen Krise
Die deutschen Hopfenbetriebe leiden zunehmend unter dem weltweit rückläufigen Bierkonsum. Nach Angaben des Verbands Deutscher Hopfenpflanzer müssen die überwiegend in Bayern ansässigen Erzeuger in diesem Jahr mit Einnahmeverlusten zwischen 80 und 100 Millionen Euro rechnen.
Normalerweise erwirtschaften die mehr als 900 Hopfenbaubetriebe laut Verbandspräsident Adi Schapfl rund 300 Millionen Euro Umsatz. Der erwartete Einbruch fällt damit erheblich aus. Nach vier Jahren mit schwachen Ernten, niedrigen Preisen oder beidem zugleich stünden viele familiengeführte Höfe inzwischen vor massiven wirtschaftlichen Problemen, sagte Schapfl in Wolnzach.
Hitze und Trockenheit drücken Ertrag
Die angespannte Lage hat mehrere Gründe. In vielen Ländern sinkt der Bierverbrauch, was auf dem Weltmarkt zu einem Überangebot an Hopfen führt. Auch die bereits reduzierte Anbaufläche hat daran bislang wenig geändert.
Für die jetzt anlaufende Ernte erwartet der Verband nur knapp 33.800 Tonnen. Das wären mehr als 9.000 Tonnen beziehungsweise 17 Prozent weniger als im Vorjahr.
Schapfl sprach von einem weiteren Beleg dafür, wie stark der Klimawandel den Hopfenanbau belaste. Hitze und Trockenheit hätten erneut gravierende, teils existenzielle Folgen. Gleichzeitig sei die Anbaufläche geschrumpft, weil etliche Betriebe aufgegeben hätten.
Aus Sicht des Verbands ist der Ausbau einer flächendeckenden Bewässerung entscheidend, um den Hopfenanbau langfristig zu sichern. Schapfl bezeichnete entsprechende Unterstützung als alternativlos.
Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) sagte den Erzeugern Rückhalt durch die Staatsregierung zu. Auf die Forderung nach konkreten Zuschüssen von Bund, Land und EU für Bewässerungsanlagen ging sie jedoch nicht näher ein.
Deutschland bleibt führend auf dem Weltmarkt
Hopfen ist weiterhin eine Spezialkultur mit vergleichsweise kleiner Fläche. In diesem Jahr werden in Deutschland knapp 18.000 Hektar bewirtschaftet. Wichtigstes Anbaugebiet ist die Hallertau, auch Holledau genannt.
Nach Verbandsangaben ist Deutschland der größte Hopfenproduzent der Welt. Mehr als ein Drittel der globalen Hopfenmenge stammt demnach aus der Bundesrepublik. Dahinter folgen die USA und Tschechien. Ein großer Teil der deutschen Ernte wird exportiert.
Aussicht bleibt eingetrübt
Auch der Nürnberger Hopfenhändler Barth Haas erwartet für die kommenden Jahre keine schnelle Entspannung. Geschäftsführer Thomas Raiser erklärte, dass die derzeitige Anbaufläche bei normalen Erträgen weiterhin zu viel Hopfen auf den Markt bringe. Um Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht zu bringen, seien weitere Flächenkürzungen nötig.
Zudem falle die Ernte nicht nur in Deutschland schwach aus. In ganz Europa werde wegen Hitze und Trockenheit während der Wachstumsphase mit unterdurchschnittlichen Erträgen gerechnet. Für Erzeuger und Vermarkter bedeute das tendenziell geringere Erlöse und niedrigere Inhaltsstoffe.
Hopfen als Wirtschaftsfaktor und Identität
In der Hallertau hat der Hopfenanbau nicht nur wirtschaftliche, sondern auch kulturelle Bedeutung. Zur traditionellen Hopfenrundfahrt des Verbands kamen mehrere hundert Gäste. Der Pfaffenhofener Vize-Landrat Andi Aichele (CSU) betonte, Hopfen sei in der Region weit mehr als nur ein landwirtschaftliches Produkt.
Am Rande der Veranstaltung gab es auch einen scherzhaften Seitenhieb auf Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Er nahm ebenfalls teil und saß zwischen mehreren Hopfenköniginnen. Ministerin Kaniber witzelte, es ziehe ihn geradezu magnetisch zu den königlichen Hoheiten. Hintergrund ist, dass es zwischen Agrar- und Wirtschaftsressort immer wieder Reibungen gibt, nicht zuletzt weil sich Aiwanger regelmäßig auch zu agrarpolitischen Themen äußert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber