Nach dem folgenreichen Feuer in einem Umspannwerk in Reutlingen hat sich der Verdacht auf Brandstiftung weiter erhärtet. Die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg gehen nach den bisherigen vorläufigen Ermittlungsergebnissen inzwischen von einer vorsätzlichen Tat aus.
Nach aktuellem Stand drangen ein oder mehrere bislang unbekannte Täter auf das Gelände des Umspannwerks Reutlingen-West ein und legten dort an mehreren Stellen Feuer. Dabei soll auch Brandbeschleuniger verwendet worden sein. Bereits zuvor hatten gesicherte Spuren in diese Richtung gedeutet.
Netze BW zufolge wurden drei Brandstellen entdeckt. Außerdem seien der Zaun und das Gelände vor der Anlage beschädigt worden. Wer hinter dem Angriff steckt und welches Motiv dahintersteht, ist weiter unklar. Das Verfahren wird beim Staatsschutzzentrum der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart geführt, weil auch eine extremistische Motivation geprüft wird. Konkrete Hinweise auf einen politischen Hintergrund gibt es bislang jedoch nicht, ein Bekennerschreiben liegt ebenfalls nicht vor.
Die Ermittler bitten weiter um Hinweise: Wer in der Nähe des Umspannwerks verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet hat, soll sich melden.
Zehntausende Menschen zeitweise ohne Strom
Der Brand war in der Nacht zum 8. Juni im Umspannwerk Reutlingen-West ausgebrochen. Infolge des Feuers fiel die Anlage aus, zudem wurde ein weiteres Umspannwerk in Mitleidenschaft gezogen. Nach Angaben von Innenminister Manuel Hagel waren rund 7.600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen über Stunden ohne Strom. Betroffen waren auch ein Krankenhaus sowie Firmen.
Für die noch verbliebenen rund 50 Stromkunden in einem Gewerbegebiet soll die Versorgung am Mittwoch wiederhergestellt werden. Reutlingen zählt knapp 120.000 Einwohner und liegt am Fuße der Schwäbischen Alb.
Reparaturen dauern wohl noch lange
Der Netzbetreiber Netze BW geht davon aus, dass die Instandsetzung der beschädigten Anlage mehrere Wochen oder sogar Monate in Anspruch nehmen dürfte. Der Gesamtschaden dürfte sich nach früheren Angaben auf mehrere Millionen Euro summieren.
Erinnerungen an Berliner Brandanschläge
Der Vorfall weckt auch Erinnerungen an zwei mutmaßlich linksextremistisch motivierte Brandanschläge auf die Stromversorgung in Berlin.
Beim ersten Anschlag am 9. September 2025 auf zwei Strommasten waren zeitweise rund 50.000 Privathaushalte und etwa 2.000 Gewerbebetriebe ohne Strom. Der Ausfall dauerte rund 60 Stunden; erst am Nachmittag des 11. September waren alle Haushalte wieder versorgt.
Bei einem zweiten Anschlag am 3. Januar wurden 15 Kabel auf einer Kabelbrücke zerstört. Erst am 7. Januar, also nach rund 100 Stunden, war die Stromversorgung wieder flächendeckend hergestellt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion