Kultur

Zu brisant? Festival schmeißt Alphaville raus

Festival verbannt Kultband wegen Politik-Verbot – jetzt eskaliert der Streit, und die Kritik an den Veranstaltern ist gewaltig.

02.09.2026, 15:18 Uhr

Alphaville-Auftritt beim Glücksgefühle-Festival abgesagt

Die Band Alphaville um Sänger Marian Gold wird nicht beim Glücksgefühle-Festival auf dem Hockenheimring auftreten. Hintergrund sind politische Aussagen der Gruppe, die nach Angaben der Veranstalter nicht mit dem Konzept des Festivals vereinbar seien.

Marian Gold machte die Absage in einem Facebook-Beitrag öffentlich. Dort schrieb er, die Festivalleitung dulde auf der Bühne keinerlei politische Themen oder Stellungnahmen. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärten die Organisatoren, ihre Bühne sei kein Ort für politische Botschaften. Das Festival verstehe sich bewusst als unpolitisch – unabhängig davon, aus welcher politischen Richtung mögliche Äußerungen kämen.

Bereits zuvor hatte sich auch Markus Krampe, der das Festival seit 2023 gemeinsam mit Ex-Nationalspieler Lukas Podolski organisiert, ähnlich geäußert.

Gold reagierte scharf auf die Entscheidung. Aus seiner Sicht komme die Begründung einem „Maulkorb“ gleich, wie man ihn aus Diktaturen kenne. Dass Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit selbst auf einem der größten deutschen Popfestivals derart eingeschränkt würden, sei aus seiner Sicht nicht hinnehmbar.

Veranstalter kritisieren Band deutlich

Die Festivalverantwortlichen wiesen die Vorwürfe zurück und bezeichneten das Verhalten von Alphaville und Marian Gold als inakzeptabel. Man werde sich dagegen wehren, politisch vereinnahmt oder in eine bestimmte Richtung eingeordnet zu werden.

Eigentlich war ein Auftritt der Band für Freitag vorgesehen. Nach Angaben der Veranstalter hatte Alphaville bereits in diesem Jahr bei zwei anderen Events gespielt. Bei einem dieser Auftritte habe es von der Bühne aus mehrere politische Aussagen gegeben. Daraufhin sei vor dem nächsten Konzert unmissverständlich klargemacht worden, dass solche Beiträge nicht erwünscht seien. Diese Vorgabe sei dort dann auch beachtet worden. Vor dem nun abgesagten Festivalauftritt habe man den Standpunkt erneut klar mitgeteilt.

Nach Darstellung der Organisatoren geht es dabei nicht um die persönliche politische Meinung von Marian Gold oder der Band. Entscheidend sei allein, welchen Rahmen der Veranstalter für seine Bühnen und Veranstaltungen setzen wolle.

Streit um Aussagen gegen Rechtsextremismus

Welche konkreten Aussagen beanstandet wurden, blieb zunächst offen. Zuletzt hatte sich Marian Gold bei Konzerten im Zusammenhang mit dem Song „Carry Your Flag“ klar gegen rechtsradikale Entwicklungen positioniert und sich für Freiheit, Toleranz und Demokratie ausgesprochen. Laut Bandmanager Christian Mielke habe genau das zu Diskussionen mit den Festivalveranstaltern geführt.

Das Glücksgefühle-Festival betonte in seiner Stellungnahme, den Besuchern ein Wochenende bieten zu wollen, an dem sie den Alltag vergessen, abschalten und einfach eine gute Zeit erleben könnten. Aus diesem Grund habe man darum gebeten, politische Äußerungen auf der Bühne zu unterlassen. Da darüber letztlich keine Einigung mit Alphaville erzielt worden sei, komme es nun nicht zum Auftritt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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