Wirtschaft

Warum Glasfaser-Internet kaum jemand will

Glasfaser gilt als Internet-Zukunft – doch ausgerechnet in Deutschland winken viele ab. Warum kaum jemand den Turbo-Anschluss will.

02.09.2026, 14:48 Uhr

Viele Haushalte verzichten weiter auf Glasfaser

Obwohl immer mehr Gebäude in Deutschland an das Glasfasernetz angeschlossen werden könnten, entscheidet sich bislang nur ein vergleichsweise kleiner Teil tatsächlich für einen entsprechenden Vertrag. Das zeigt eine Auswertung von IW Consult im Auftrag des Breitbandverbands Breko. Demnach lag die sogenannte Aufnahmerate im Juni bei 27,5 Prozent und damit nahezu auf dem Niveau des Vorjahres.

Insgesamt waren Glasfaserleitungen bei 28,7 Millionen Haushalten und Unternehmen verfügbar, also bis zur Straße verlegt. Aktiviert wurde ein echter Glasfaseranschluss bis ins Gebäude oder in die Wohnung jedoch nur in 7,9 Millionen Fällen. Dieses Verhältnis bestimmt die Aufnahmerate.

Die Zurückhaltung der Kundschaft bleibt damit hoch. Mitte 2025 hatte es 24,3 Millionen erreichbare Anschlüsse und 6,6 Millionen aktivierte Glasfaserverträge gegeben. Allerdings verzichten nicht alle Betroffenen freiwillig: Gerade Mieter scheitern teils daran, dass Vermieter einen Anschluss nicht ermöglichen. Dabei gilt Glasfaser als modernste und leistungsfähigste Internet-Technologie, während DSL, VDSL und TV-Kabelanschlüsse langfristig als überholt gelten.

Mögliche Gründe für die geringe Nachfrage

Ein Faktor dürfte der Preis sein. Nach Einschätzung von Breko-Präsident Norbert Westfal ist Glasfaser zwar mitunter etwas teurer, bietet dafür aber eine höhere Qualität und deutlich mehr Bandbreite. Im Vergleich zu klassischen Kupferanschlüssen seien die Kosten inzwischen jedoch durchaus angemessen.

Glasfaseranschluss
Ein Techniker verbindet Glasfaser-Kabel, um besonders schnelles Internet zu ermöglichen. Quelle: Bernd Weißbrod/dpa

Hinzu kommt, dass viele Nutzer mit VDSL offenbar noch zufrieden sind. Breko-Geschäftsführer Stephan Albers verweist darauf, dass Deutschland im europäischen Vergleich weiterhin über ein relativ leistungsfähiges VDSL-Netz verfügt. Zugleich beobachtet er aber wachsenden Bedarf an schnelleren Verbindungen. Sowohl Privatkunden als auch Unternehmen achteten immer stärker auf hohe Bandbreiten. Gründe seien unter anderem Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz, das Arbeiten im Homeoffice und allgemein der Wunsch nach umfassender digitaler Teilhabe.

Ausbauunternehmen stehen unter Druck

Die Glasfaserbranche kämpft nicht nur mit einer verhaltenen Nachfrage, sondern auch mit hohen Baukosten, verunsicherten Investoren und begrenzten finanziellen Spielräumen. Einige Anbieter, darunter Deutsche Glasfaser, mussten ihre Ausbaupläne zuletzt nach unten korrigieren.

Zusätzlich gibt es Streit über die Zukunft des DSL-Netzes. Der Marktführer Deutsche Telekom und die konkurrierenden Netzbetreiber vertreten dabei unterschiedliche Positionen. Der Breko fordert einen verbindlichen Fahrplan, an dessen Ende spätestens 2035 die letzten DSL-Leitungen abgeschaltet werden. Die Telekom hingegen möchte selbst entscheiden, wann und in welchem Tempo dieser Schritt erfolgt. Zwar treibt auch sie den Glasfaserausbau voran, doch die Nachfrage fällt dort sogar schwächer aus als bei vielen Wettbewerbern.

Noch immer laufen die meisten Internetanschlüsse in Deutschland über die Kupferleitungen der Telekom. Einer Studie des Verbands VATM zufolge werden zum Jahresende 57,2 Prozent der Haushalte und Unternehmen DSL- oder VDSL-Anschlüsse nutzen. Für die Konkurrenten der Telekom ist das ein Hindernis: Sie setzen darauf, dass mit einer schrittweisen Abschaltung des DSL-Netzes automatisch mehr Kunden zur Glasfaser wechseln.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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