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George Clooney gesteht: «Früher waren meine Zähne schöner»

In Venedig wird George Clooney ungewohnt nachdenklich – übers Älterwerden und über die USA, die er als «Kakistokratie» sieht.

02.09.2026, 14:13 Uhr

George Clooney in Venedig offen über das Älterwerden

Hollywoodstar George Clooney blickt mit gemischten Gefühlen aufs Älterwerden. Bei den Filmfestspielen in Venedig sagte der 65-Jährige, vieles wirke inzwischen etwas melancholisch auf ihn. Selbst alltägliche Dinge wie das Zähneputzen erinnerten ihn daran, dass früher manches anders gewesen sei.

Alles, was mit dem Älterwerden zusammenhänge, stimme ihn bisweilen nachdenklich, erklärte Clooney. Gleichzeitig betonte er, wie dankbar er für sein Privatleben sei. Er habe eine wunderbare Frau, die er liebe und die ihn liebe, dazu großartige Kinder. Mit seiner Ehefrau Amal Clooney, einer Menschenrechtsanwältin, hat er neunjährige Zwillinge. Das Paar heiratete 2014 in Venedig.

Goldener Löwe für das Lebenswerk bei der Eröffnung der Filmfestspiele

Inzwischen ist Clooney bei der Eröffnungsgala der 83. Filmfestspiele in Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Auf dem roten Teppich posierte er ausgiebig mit Amal Clooney für die Fotografen. Dann wechselte er kurzerhand die Seite, setzte sich grinsend zu den Fotografen an den Rand, griff selbst zu einer Kamera und machte einige Bilder. Danach schrieb er auch noch einer langen Reihe jubelnder Fans Autogramme.

Seine Schauspielkollegin und Freundin Laura Dern würdigte ihn in ihrer Laudatio als herausragenden Filmemacher und Aktivisten, dessen Einsatz für andere sein gesamtes Werk präge. „Uns wurde eine Legende geschenkt“, sagte sie.

Dern streute in ihrer Rede auch einige scherzhafte Botschaften von Weggefährten ein. Brad Pitt habe ihr über Clooney gesagt: „Georges Geschichten werden mit jedem Mal besser. Er altert so würdevoll wie ein alter Gouda. Er kann fast alles und macht es besser als jeder von uns. Aber bitte, bitte haltet ihn von der Tanzfläche fern.“

Außerdem beschrieb Dern ihn als Rebellen, Schelm, Altruisten, Schauspieler, Sportler, Vater, Ehemann, Weltbürger und Verfechter der Gerechtigkeit – und zugleich als einen sehr schlechten Tänzer. Mit Blick auf Clooneys Ausstrahlung erinnerte sie zudem daran, dass er bereits zweimal zum „Sexiest Man Alive“ gekürt wurde, 1997 und 2006.

Clooney selbst reagierte mit Humor auf die Ehrung. Wenn einem gesagt werde, dass man einen Preis für das Lebenswerk bekomme, denke man an zwei Dinge: erstens, was für eine enorme Ehre das sei – und zweitens, ob die anderen vielleicht etwas wüssten, was man selbst noch nicht wisse. „Ihr habt mit meinen Ärzten gesprochen, oder?“, scherzte er auf der Bühne.

Clooney: Filme schaffen Empathie und stellen Angst infrage

In seiner Dankesrede hob Clooney die verbindende Kraft des Kinos hervor. Filme förderten Empathie und stellten Ängste sowie autoritäres Denken infrage. Geschichten seien immer gefährlich für Menschen, die mit Angst handelten, sagte er. Wer Bücher, Musik und Geschichten fürchte, gehöre nie zu den Helden der Geschichte.

Zugleich relativierte er die politische Macht des Kinos nicht ohne Pathos: Filme beendeten keine Kriege, senkten nicht die Inflation und entschieden keine Wahlen. Aber sie erinnerten Menschen daran, dass sie nicht allein seien.

Familie geht vor: Deshalb führt Clooney derzeit keine Regie

Bereits im Vorfeld der Gala hatte Clooney auf einer Pressekonferenz über seinen Alltag und veränderte Prioritäten gesprochen. Früher habe er in arbeitsreichen Phasen bis zu drei Filme pro Jahr gedreht. Dieses Pensum könne und wolle er heute nicht mehr leisten.

Der Hauptgrund dafür sei seine Familie. Als Schauspieler könne er für einige Monate drehen und zwischendurch nach Hause zurückkehren. Bei einer Regiearbeit sei man dagegen oft fast ein ganzes Jahr gebunden und könne nicht einfach pendeln. Mit zwei neunjährigen Kindern komme das derzeit für ihn nicht infrage, obwohl ihm Regie viel bedeute.

Deutliche Worte zur politischen Lage in den USA

Auch zur Situation in den Vereinigten Staaten äußerte sich Clooney in Venedig erneut kritisch. Der bekennende Demokrat sagte, er bleibe grundsätzlich optimistisch, halte die aktuelle Phase jedoch für äußerst schwierig. Dennoch sei er überzeugt, dass das Land diese Zeit überstehen werde.

Zur Einordnung verwies Clooney auf das Jahr 1968, das er noch miterlebt habe. Damals hätten viele amerikanische Städte gebrannt, Martin Luther King und Robert F. Kennedy seien ermordet worden, und das Land sei von massiver Gewalt erschüttert worden. Auch das Kapitol sei damals von Panzern umgeben gewesen. Die USA hätten also bereits andere schwere Krisen erlebt – und auch die gegenwärtige sei eine davon.

Für die aktuelle politische Lage gebrauchte Clooney den Begriff „Kakistokratie“. Damit werde ein Staat bezeichnet, der von den am wenigsten geeigneten Menschen regiert werde. Seiner Ansicht nach treffe dieser Ausdruck womöglich derzeit auf die USA zu.

Zugleich äußerte er Hoffnung auf politische Korrekturen durch kommende Wahlen. Die Zwischenwahlen im November könnten seiner Meinung nach wieder für ein Gleichgewicht sorgen. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2028 hoffe er, dass das Land dann zu einer gewissen Normalität zurückfinde.

Festivalstart mit Danny Boyles „Ink“

Eröffnet wurde das Festival mit dem neuen Film „Ink“ des britischen Regisseurs Danny Boyle, bekannt durch Werke wie „Trainspotting“ und „Slumdog Millionär“. Der Film erzählt, wie Rupert Murdoch und Larry Lamb Ende der 1960er Jahre das Boulevardblatt „The Sun“ neu erfanden und damit eine neue Ära des britischen Journalismus einleiteten.

Kriminalität, Sex und andere als lesernah verstandene Themen rückten stärker in den Mittelpunkt, während fundierte politische Beiträge deutlich seltener wurden. Stattdessen dominierten kurze, leicht verständliche Texte, spektakuläre Enthüllungen und Skandalgeschichten. Die Hauptrollen spielen Jack O’Connell, Claire Foy und Guy Pearce.

„Ink“ konkurriert mit 20 weiteren Filmen um den Goldenen Löwen. Die Preisverleihung ist für den 12. September geplant. Jury-Präsidentin ist die US-Regisseurin und Schauspielerin Maggie Gyllenhaal.

Viel Beifall auch für Damian Hardung und Jonathan Bailey

Auf dem roten Teppich sorgten neben Clooney auch andere Stars für Aufmerksamkeit. Der deutsche Schauspieler Damian Hardung, bekannt aus „Maxton Hall“, wurde ebenso gefeiert wie „Bridgerton“-Darsteller Jonathan Bailey, den das „People“-Magazin im vergangenen Jahr zum „Sexiest Man Alive“ gekürt hatte.

Emilia Schüle mit „Das Mädchen mit der Leica“ in Venedig

In einer Nebenreihe feierte am Mittwoch außerdem „Das Mädchen mit der Leica“ seine Premiere. Der Film der italienischen Regisseurin Alina Marazzi trägt im Original den Titel „La ragazza con la Leica“ und ist mit mehreren deutschen Darstellern besetzt.

Emilia Schüle spielt darin die Fotografin Gerda Taro, die als erste Frau direkt an einer Kriegsfront professionell fotografierte. Aaron Altaras verkörpert ihren Partner Robert Capa, Luna Wedler ist in einer Nebenrolle zu sehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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