Nach Beinahe-Kollisionen in Sydney: Mitarbeiter suspendiert, Ermittlungen laufen
Nach zwei gefährlichen Zwischenfällen auf dem Rollfeld des Flughafens Sydney haben die australischen Behörden reagiert. Ein Fluglotse und ein Mitarbeiter am Boden, die in den jüngsten Vorfall vom Wochenende verwickelt waren, wurden vorläufig vom Dienst entbunden. Außerdem musste sich Airservices-Australia-Chef Rob Sharp bei Verkehrsministerin Catherine King zu dem Geschehen äußern.
Der jüngste Vorfall ereignete sich am Sonntagmorgen. Beim Rollen auf dem Flughafengelände kamen sich ein Jetstar-Flugzeug und eine Boeing 777 von Qatar Airways bedenklich nahe. Um eine Kollision zu verhindern, leitete der Jetstar-Pilot eine starke Bremsung ein. Nach Angaben des Senders ABC wurde dabei ein Besatzungsmitglied verletzt, Passagiere blieben unverletzt.
Die australische Transportsicherheitsbehörde ATSB hat Untersuchungen aufgenommen. ATSB-Leiter Angus Mitchell sagte laut dem Sydney Morning Herald, der Vorfall habe sich zwar bei geringer Geschwindigkeit abgespielt, sei aber dennoch potenziell sehr gefährlich gewesen.
Zweiter Vorfall innerhalb kurzer Zeit
Es war bereits der zweite Beinahe-Zusammenstoß am Kingsford Smith International Airport innerhalb von zwei Wochen. Schon Ende Juli hatte es dort einen ähnlichen Zwischenfall gegeben, nachdem die Besatzungen zweier Flugzeuge offenbar widersprüchliche Anweisungen von der Flugsicherung erhalten hatten. Auch dieser Fall wird derzeit geprüft.
Als Ursache für die angespannte Lage gilt unter anderem das wachsende Verkehrsaufkommen in Sydney bei gleichzeitigem Personalmangel. Airservices Australia kämpft seit Jahren mit zu wenigen Fluglotsen. In den vergangenen Tagen führte die knappe Personaldecke erneut zu zahlreichen Verzögerungen. Um den Betrieb trotz fehlender Mitarbeiter sicher zu gewährleisten, musste die Zahl der Starts und Landungen reduziert werden.
Der Premier des Bundesstaates New South Wales, Chris Minns, warnte bereits, dass die anhaltenden Probleme dem internationalen Ansehen Sydneys als Wirtschaftsstandort und Reiseziel schaden könnten. Gleichzeitig stellte er klar, dass Sicherheit stets Vorrang haben müsse. Die Vermeidung einer „Katastrophe“ gehe immer vor – auch wenn das für Tausende Reisende frustrierende Folgen habe.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber