Polizei und Branche warnen vor gefälschten Auto-Inseraten im Internet
Polizei, Autohändler und Online-Marktplätze schlagen Alarm: Im Netz kursieren immer mehr erfundene Autoangebote. Zuletzt machte die Polizei in Pforzheim auf Instagram auf Fälle aufmerksam, in denen angebliche Unfallwagen zu besonders niedrigen Preisen angeboten wurden. Das Tückische daran: Weder die Fahrzeuge noch die angegebenen Verkäufer gibt es tatsächlich.
Worum es bei der Masche geht
Die Täter zielen auf Privatleute ebenso wie auf Autohäuser. Sie stellen scheinbar seriöse Verkaufsanzeigen ein und verlangen anschließend eine Vorauszahlung. Wer bezahlt, bekommt am Ende weder das versprochene Fahrzeug noch das überwiesene Geld zurück.
So arbeiten die Betrüger
Die Vorgehensweisen unterscheiden sich, haben aber ein gemeinsames Ziel: Opfer sollen vorab Geld überweisen. Nach Angaben der Polizei wird etwa behauptet, das Auto werde per Transporter geliefert. Vor der Übergabe werde dann eine Anzahlung verlangt. Nicht selten summieren sich diese Zahlungen auf mehrere Tausend Euro.
Nach Beobachtung von Stefan Obert vom Bundesverband freier Kfz-Händler werden derzeit oft Fahrzeuge aus angeblichen Insolvenzbeständen angepriesen. Dabei missbrauchen die Täter Namen echter Kanzleien oder geben sich als Anwaltsbüros aus. Teilweise legen sie gefälschte Gerichtsbeschlüsse vor. Auch fingierte Angebotskataloge einer großen süddeutschen Autohandelsgruppe mit vermeintlichen Sonderaktionen kursieren laut dem Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg.

Warum auch Händler darauf hereinfallen
Nicht nur Privatkäufer werden getäuscht. Auch professionelle Kfz-Händler geraten in die Falle, weil die Täter immer überzeugender auftreten – unter anderem mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz. Laut dem baden-württembergischen Branchenverband tauchen täuschend echt gestaltete Fake-Webseiten und gefälschte Händlerprofile auf, oft mit Logo, Impressum und Kontaktdaten.
Hinzu kommt: Im Handel zwischen Unternehmen ist es nicht unüblich, Fahrzeuge oder Posten auch ohne persönliche Besichtigung zu kaufen. Obert verweist darauf, dass umfangreiche Angebotsunterlagen mit 30 oder 40 Seiten in der Branche nichts Außergewöhnliches seien. Die Preise lägen häufig niedrig, aber nicht so unrealistisch, dass sofort Misstrauen aufkomme.
Entwicklung der Fallzahlen
Genaue Zahlen liegen der Polizei nicht vor, weil sich solche Fälle nicht ohne Weiteres aus der allgemeinen Betrugsstatistik herausfiltern lassen. Nach Einschätzung der Ermittler verlagern sich diese Delikte jedoch seit Jahren zunehmend ins Internet. Dort können Kriminelle viele potenzielle Opfer gleichzeitig erreichen und dieselben falschen Anzeigen mehrfach auf verschiedenen Plattformen oder mit unterschiedlichen Standorten veröffentlichen.
Auch beim Autoclub ACE drehen sich nach eigenen Angaben viele Mitgliederanfragen um betrügerische Auto-Inserate. Das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg berichtet ebenfalls von einer klaren Zunahme. Geprellte Autohäuser würden sich immer häufiger melden. Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß spricht von einer Betrugswelle, die mit immer neuen Tricks an Tempo und Professionalität gewinnt.
Beim Bundesverband freier Kfz-Händler geht man allerdings davon aus, dass inzwischen viele Betriebe stärker sensibilisiert sind. Den Höhepunkt bei den Meldungen habe der Verband im Jahr 2024 registriert, sagt Obert. Allein in diesem Jahr seien mehr als 20 Warnhinweise veröffentlicht worden.
Was über die Täter bekannt ist
Nach Angaben der Polizei sitzen die Verantwortlichen häufig im Ausland. Früher ließen sich betrügerische Inserate oder verdächtige E-Mails oft noch an holprigen Übersetzungen erkennen. Das sei heute deutlich schwieriger geworden, weil KI und moderne Übersetzungsprogramme die Texte sprachlich stark verbessert hätten.
So laufen die Ermittlungen
Die Polizei setzt bei ihren Untersuchungen auf verschiedene Ansätze. Besonders wichtig ist dabei oft die Nachverfolgung der Geldströme. Der Haken: Zwischen Überweisung und Anzeige vergehen häufig mehrere Tage oder sogar Wochen. Zudem landet das Geld nicht selten zunächst auf Konten, die für Geldwäsche genutzt werden, und wird von dort rasch weitergeleitet. Bis eine Anzeige eingeht, wurde der Betrag in vielen Fällen bereits mehrfach verschoben.
Welche Schutzmaßnahmen Plattformen ergreifen
Um Verbraucher besser zu informieren, haben Autoscout24, mobile.de, Kleinanzeigen und der ADAC gemeinsam mit der Polizei die Initiative Sicherer Autokauf im Internet ins Leben gerufen. Außerdem setzen die Plattformen nach eigenen Angaben technische Sicherheitssysteme ein, teils auch mit KI-Unterstützung. Verdächtige Aktivitäten würden zusätzlich manuell geprüft. Je nach Fall drohen Verwarnungen, Sperrungen oder die Kündigung von Nutzerkonten.
Wie sich Kfz-Betriebe wappnen
Der Bundesverband freier Kfz-Händler veröffentlicht seit 2023 auf seiner Internetseite regelmäßig Warnmeldungen zu aktuellen Betrugsmaschen. Der Kfz-Verband Baden-Württemberg empfiehlt Unternehmen unter anderem, Beschäftigte laufend über neue Methoden zu informieren und wichtige Verträge oder Zahlungen intern noch einmal überprüfen zu lassen.
Was Betroffene tun können
Ist das Geld erst einmal überwiesen, sind die Chancen auf eine Rückholung nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg eher gering. Deshalb kommt es auf schnelles Handeln an. Betroffene sollten umgehend ihre Bank und die Polizei einschalten, sagt Oliver Buttler, Leiter des Bereichs Telekommunikation, Internet und Verbraucherrecht. Unter Umständen könne die Bank eine Überweisung noch stoppen oder zurückhalten. Die Polizei könne zudem eine Sperrung des Empfängerkontos veranlassen. Bei Kreditkartenzahlungen seien teilweise Rückbuchungen möglich. Eine Erstattung durch die Plattformen selbst gibt es nach deren Angaben nicht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber